Mönchengladbach - Schubert: „Ein Spiel, wie man es vielleicht alle zehn Jahre erlebt“

Schubert: „Ein Spiel, wie man es vielleicht alle zehn Jahre erlebt“

Von: Bernd Schneiders
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Entgeistert: ein sichtbar gezeichneter André Hahn, der wie seine Kollegen in HSV-Keeper René Adler seinen Meister fand. Foto: imago/Hübner

Mönchengladbach. Es gibt 0:0-Spiele im Fußball, über die man besser nicht mehr redet. Es gibt 0:0-Spiele im Fußball, über die man ganz kurz reden kann.

Max Eberl machte einen Vorschlag, wie der Text nach dem Unentschieden seiner Mönchengladbacher gegen den Hamburger SV aussehen könnte: „Wir haben zwei Elfmeter nicht verwandelt, bessere Torchancen gibt es nicht. Zudem etliche Hochkaräter nicht genutzt, aber auch nichts zugelassen – und dann spielt man 0:0“, raffte Gladbachs Sportdirektor die 95 Minuten zusammen.

Es gibt 0:0-Spiele, über die sich Trainer auch schon mal in die Haare bekommen können. Das ist allerdings bei einer Kontroverse zwischen Markus Gisdol und André Schubert einigermaßen schwierig: Der neue Hamburger Trainer weist dicht-welliges Haupthaar auf, Borussias Coach gar nichts. Friedenstiftendes Element aber war weniger die Frisur. Gisdol überbot den Gladbacher Kollegen im breiten Grinsen. „Das Remis war glücklich, aber nicht unverdient“, lautete sein Urteil. Für Schubert ein Fehdehandschuh: „Das verstehe ich nicht unbedingt: Das war ein Spiel, wie man es vielleicht alle zehn Jahre erlebt.“ Übersetzt heißt es: Die Nordlichter kamen überglücklich zu ihrem „0:0-Sieg“, oder wie Lewis Holtby, aber der ist ja auch ein ehemaliger Gladbacher, seinem Trainer in den Rücken fiel: „Der Fußballgott war heute auf unserer Seite.“

Beide übersahen aber eben die Komplexität dieses vermeintlich reinen Glücks. Zwei Strafstöße verschossen (HSV-Keeper René Adler hält gegen André Hahn/26.; Lars Stindl donnert den zweiten an die Latte/61.), beide umstritten, ebenso wie der Platzverweis von Cleber bei der vermeintlichen Notbremse zur ersten Großchance. „Solch Widerstände zu brechen, war für uns Gold wert“, erklärte Gisdol, warum er aus dem Ergebnis weit mehr als nur einen Punkt saugt.

Eberl seinerseits verwies auf Leidensgenossen, in deren Kreis man sich zum zweiten Mal nacheinander in der Champions League tummelt: „Wir haben keine Chance des HSV zugelassen. Wie man an den Bayern sieht, die ebenfalls in Überzahl und 2:2 spielten, ist das nicht selbstverständlich.“ Und zur Entlastung verwies wenig später Schubert auf Manchester City: „Die haben auch zwei Elfer verschossen.“

Es gibt auch 0:0-Spiele, bei denen man Defizite entschlüsseln und benennen darf. In Sachen Hochkaräter muss man hinzufügen, dass abgesehen vom durch Cleber gestoppten Lauf von Stindl zum ersten Strafstoß Gladbach die erste erwähnenswerte Chance in der 58. Minute hatte – ebenfalls durch Borussias Kapitän.

Erst in der Schlussphase häuften sich die Einschussmöglichkeiten, die Wendt (Pfostenschuss), Stindl (Nachschuss) und Nico Elvedi vergaben. Die Kräfte der erst ab der Roten Karte mauernden Gäste ließen nach. Das hätte allerdings ein schnelleres und präziseres Zirkulierenlassen des Balles noch mehr fördern und vorziehen können. Doch die Grundlage und Qualität aus der Favre-Ära geht immer mehr verloren. Die vielen sinnfreien hohen Flanken und halbhohen Anspiele hätten dem ehemaligen Gladbach-Trainer mehrere Herzattacken ausgesetzt. Das Geduldsspiel hatte der Schweizer (fast) perfektioniert.

Womöglich aber wären auch die vereinzelten Pfiffe von der Haupttribüne zahlreicher und eher gekommen als erst kurz vor der Pause. Sicherlich nicht aus der Nordkurve, die wieder einmal zum pädagogischen Korrektiv wurde: Die Gladbacher Profis wurden demonstrativ frenetisch unterstützt, um aufkommende Unsicherheit zu ersticken. „Das ist der Fluch der guten Tat“, analysierte Schubert die Ungeduld auf einigen besseren Plätzen. „Wir haben hier in den letzten zwölf Monaten viele überragende Spiele und zum Teil Feuerwerke abgeliefert. Daran gewöhnt man sich dann.“

Auch an ein derartiges 0:0? In einem zweiten Anlauf erhöhte der Fußballlehrer die Wartezeit auf 15 Jahre. Seine Presseabteilung steigerte am Tag danach mit Historischem: Borussias letzte Bundesligapartie Borussia mit zwei verschossenen Elfmetern datiert vom 29. September 1984 (3:3 gegen den KSC, Frank Mill und Hans-Günter Bruns). 32 Jahre warten also noch – irgendwie schade.

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