Raffael und Sippel sind Borussias „Heldchen“

Von: Bernd Schneiders
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Nicht zu bremsen: Gladbachs Raffael (l.) kann vom Stuttgarter Santiago Ascacibar nicht vom Ball getrennt werden. Der Brasiliander erzielt beide Treffer für die Hecking-Elf. Foto: dpa

Mönchengladbach. Der nicht ganz große Fußballabend im Borussia-Stadion gebar immerhin zwei „Heldchen“: Mönchengladbach hat nach dem fünften Spieltag und dem 2:0 über den VfB Stuttgart einen neuen Torschützenkönig und eine „unbezwingbaren“ Nummer 2 im Tor.

Von 0 auf 2: Raffael führt nun durch seine beiden Treffer die interne Torjägertabelle an, Tobias Sippel hielt in seinem dritten Bundesligaspiel für den Klub vom Niederrhein zum dritten Mal die Null.

Was von Gladbacher Seite befürchtet worden war, trat ein. Stammtorhüter Yann Sommer musste mit Bänderdehnung passen. Nun könnte an meinen, die Spieler von Dieter Hecking bereiteten Ersatz-Keeper Sippel einen arbeitsarmen Abend, weil sie dem Mann, der sein letztes Bundesligaspiel am 14. Mai 2016 in Darmstadt (2:0) bestritt, nicht trauten. Doch es lag an VfB-Trainer Hannes Wolf, der die Spielweise der Frankfurter kopierte: tief stehen, Fünferkette, Risikovermeidung.

Anders aber als den Hessen gelang den Schwaben nicht ein frühes 1:0. Und in den ersten Minuten gaukelten die Hecking-Schüler vor, bei der Videoanalyse gut aufgepasst zu haben: gefällige Kombinationen, gefälliges Tempo, gefällige Diagonalpässe. Doch mit zunehmender Spielzeit kam den Gladbachern das Tempo abhanden, und je behäbiger seine Schüler aufbauten, umso mehr geriet Hecking an der Seitenlinie in Wallung.

„Wir hatten ein intensives Spiel in Leipzig“, zeigte Hecking später Verständnis. „Deshalb hatten wir nicht die Passgeschwindigkeit, die man braucht. Wir haben den Ball immer in den Fuß gespielt und nicht in den Raum. So ist man leicht zu verteidigen.“ Einziger Ertrag war in den ersten 45 Minuten eine Torchance. Doch VfB-Keeper parierte den Flachschuss von Lars Stindl beinah mühelos (32.).

Schädelprellung bei Kramer

Im zweiten Durchgang wurde es für beide Torhüter arbeitsreicher. Nicht aber für Christoph Kramer, der sich mit Macht zum Gladbacher Lazarus entwickelt. Der Mittelfeldspieler, der schon im WM-Finale 2014 mit einer Gehirnerschütterung ausgewechselt werden musste und am vergangenen Samstag in Leipzig von Keita einen Tritt mit dem Stollen auf die Oberlippe kassierte, blieb zur Pause in der Kabine: Im Kopfballduell mit Anastasios Donis hatte er sich eine Schädelprellung und eine blutende Nase zugezogen (24.).

„Er hatte wieder einen Kopftreffer, wir mussten ihn schützen“, erklärte Hecking. Für Kramer kam Michael Cuisance – und mit dem jungen Franzosen auch Borussia. Auch der oft so zögerliche Raffael war plötzlich wie verwandelt: Einen Flachpass von Nico Elvedi schoss er mit fast sensationeller Entschlossenheit zum 1:0 ein (57.). Aus der Zaubermaus wurde ein Mentalitätselefant: Als Kollege Thorgan Hazard durch einen Zupfer von Dennis Aogo im VfB-16er zu Fall kam, schnappte sich der Brasilianer den Ball und verwandelte den Strafstoß souverän zum 2:0-Endstand (74.).

Noch einmal stand Gladbachs neuer Torschützenkönig im Mittelpunkt: Feinfühlig holte Hecking den Edeltechniker für die Applaus-Dusche vorzeitig vom Platz (90.). Da mochte Sippel dem „Konkurrenten“ nicht komplett das Feld überlassen. Nach seinem Erstlingswerk bei einem tückischen Aufsetzer von Josip Brekalo (66.), setzte der ehemalige Lauterer Keeper den vorletzten Glanzpunkt und fischte in der Nachspielzeit einen wuchtigen Schuss von Andy Beck aus dem kurzen Winkel.

Fast übermütig ließ er wenig später auch noch VfB-Kapitän Simon Terodde aussteigen. „Das brauchen wir nicht“, tadelte Hecking die risikoreiche Zirkusnummer mit einem leichten Grinsen. Doch der Ehrmann-Schüler steckte auch den Tadel weg. „Ich bin immer fokussiert“, sagte Sippel. „Aber das war wirklich einmalig für mich.“ Womöglich doch nicht – falls Sommer bis zum Samstagsspiel in Dortmund nicht wieder fit ist.

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