Raffael & Co. entzaubern die Über-Bayern

Von: Maik Rosner
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Manuel Neuer zappelt am Boden – Gladbachs Doppeltorschütze Raffael dreht wie selbstverständlich nach dem Patzer des Nationaltorhüters ab, um sein 1:0 zu bejubeln. Foto: sport/ActionPictures

München. Auf eine ganze Reihe von Rekorden hatten sich die Münchner Zuschauer eigentlich eingestellt, allein schon aus Gewohnheit. Am Sonntagabend sollte vor allem der 50. Bundesligasieg im 60. Spiel unter Trainer Pep Guardiola begangen werden, so schnell wie bei keinem seiner Vorgänger.

Doch dann erlaubte sich Welttorhüter Manuel Neuer nach einer halben Stunde beim 0:1 von Raffael einen seinen äußerst seltenen Fehler. Und weil dem FC Bayern gegen den sehr gut organisierten und taktisch cleveren Tabellendritten Borussia Mönchengladbach auch danach viel zu wenig einfiel und Raffael in der 77. Minute auch noch zum 0:2 (0:1)-Endstand traf, gab es statt Guardiolas Jubiläumssieg die erste Heimniederlage des Meisters in der Bundesliga seit dem 12. April 2014 zu bestaunen. Damals unterlagen die Münchner 0:3 gegen die andere Borussia aus Dortmund.

„Die Spiele vor der Länderspielpause sind immer speziell, vor allem für die Bayern“, nahm Lucien Favre den überlisteten und auch ein bisschen geschockten Meister mit seinen vielen Nationalspielern höflich in Schutz und ergänzte neben dem Lob für seine Mannschaft sogar noch Trost: „Es ist nur ein Spiel. Es sind nur drei Punkte.“ Die Komplimente für die Gäste kamen dafür von Guardiola. „Mönchengladbach hat es sehr, sehr gut gemacht“, sagte der Bayern-Coach und verzichtete auf nennenswerte Kritik an seiner Elf. Das übernahm dafür Philipp Lahm. „Wir hatten eine Riesenchance, den Sack schon zuzumachen“, ärgerte sich der eingewechselte Kapitän und forderte: „Wir müssen nach der Länderspielpause wieder in die Spur finden.“

Dabei war es zunächst ein erstaunlich einseitiges Topspiel gewesen, jedenfalls gemessen an den vorab sehr offensiven Verlautbarungen der Gladbacher. „Wir hatten uns vorgenommen, noch höher zu verteidigen und mehr Risiko zu gehen“, bestätigte Abwehrchef Martin Stranzl. „Aber wir haben ruhig verteidigt, die Ordnung nicht verloren und auf den Moment gewartet.“ Dieser stellte sich zunächst aber nicht ein, da die Münchner anfangs das Zentrum kontrollierten.

Wirklich schwungvoll geriet die Partie allerdings nur selten, da Lucien Favres Elf wenig Räume anbot und die Bayern oft zu wenig Tempo entwickelten, um die gut organisierte Defensive auflockern zu können. Erschwerend hinzu kam Robbens frühe Auswechselung nach 24 Minuten, als Tony Jantschke den Niederländer unsanft stoppte. Robben zog sich eine Bauchmuskelzerrung zu und fällt wochenlang aus. „Das ist klar, dass uns exzellente Spieler wie Arjen Robben und Franck Ribéry fehlen“, sagte Lahm.

Die Herausnahme Robbens schien ein Mutmacher für die Gäste zu sein. Die Sorge wich, vom flinken Robben überlaufen zu werden. Ein bisschen mehr taten sie nun nach vorne, und als sie ihren ersten echten Angriff wagten, kamen sie mit ihrem ersten Torschuss auch gleich zum Erfolg. Jantschke schickte auf der rechten Seite Patrick Herrmann, der flankte präzise auf Raffael in der Mitte, und der Brasilianer schloss direkt per Dropkick ab.

Dass der Ball tatsächlich zum 0:1 im Tor landete, hatten die Gladbacher allerdings zu einem erheblichen Maße Neuer zu verdanken, der Raffaels Flachschuss offenbar festhalten wollte, aber durch die Hände und über die Linie rutschen ließ. „Ich wollte vermeiden, dass der Ball nach vorne abprallt und einer zum Nachschuss kommt“, erklärte Neuer, der nicht das erste Mal gegen die Gladbacher patzte.

Der erste große Fehler des Welttorhüters in dieser Saison verlieh der Partie mehr Spannung. Mehr Schwung allerdings entwickelte der Meister auch in der Folge kaum einmal. Häufiger waren erstaunliche Nachlässigkeiten und Unkonzentriertheiten zu beobachten. Bezeichnend auch, dass die Borussia bei ihren Kontern wesentlich gefährlicher auftrat. Zunächst lenkte Neuer Hahns Schuss mit etwas Glück an den Pfosten, kurz darauf schloss Raffael einen herausragend ausgespielten Konter über Christoph Kramer zum 0:2 ab.

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