Mönchengladbach - Raffael besiegt den HSV und die Unsicherheit

Raffael besiegt den HSV und die Unsicherheit

Von: Bernd Schneiders
Letzte Aktualisierung:
Borussia Mönchengladbach - Hamburger SV
Borussia Gladbach hat am Freitagabend 3:1 gegen den Hamburger SV gewonnen. Foto: Marius Becker

Mönchengladbach. Borussia Mönchengladbach bleibt eine Jojo-Mannschaft. Das Auf und Ab setzte sich programmatisch nach dem enttäuschenden Auftritt in Freiburg fort: Gegen den Hamburger SV gewannen die bis in die Haarspitzen motivierten Rauten-Träger nicht souverän, aber hochverdient mit 3:1.

Mit einer kleinen Überraschung wartete Dieter Hecking bei der Aufstellung auf: Der Gladbacher Coach beorderte den gerade erst aus einer Muskelverletzung zurückgekehrten Patrick Herrmann in die Startformation. Offensichtlich waren die wenigen Trainingseindrücke des Flügelflitzers nachhaltiger als das Vertrauen zu Vincenzo Grifo, der sich in den vergangenen Wochen einen Stammplatz erobert zu haben schien.

Reece Oxford (18) durfte anders als in Freiburg vor der Abwehr spielen und bildete mit Michael Cuisance (18) eine Baby-Doppelsechs.

Ein Aufwärmprogramm der besonderen Art vollzog André Hahn. Bereits lange vor dem Anpfiff umarmte der ehemalige Borusse alle „alten“ Bekannten, die ihm in den Katakomben des Borussia-Parks über den Weg liefen – und das waren einige. Höhepunkt der „Feierlichkeiten“ war wenig später die offizielle Verabschiedung des Wuchtstürmers, der zwischen 2014 und 2017 für Gladbach 100 Pflichtspiele bestritt. Doch Sentimentalitäten waren nach dem Anstoß Geschichte. Schließlich hatte Hahn schon im Vorfeld den Masterplan für das Duell mit seinem Ex-Klub klar umrissen: „Gladbach will Fußball spielen, und das dürfen wir nicht zu lassen. Wir müssen ihr Spiel zerstören.“

Doch dazu kamen die Dauer-Fastabsteiger nicht. Gladbach startete mit einem Tempo, als gäbe es keinen Morgen. Die Hamburger kamen gar nicht zu den „unschönen Sachen“, die „Giftprediger“ Markus Gisdol von seinen Spielern gefordert hatte. Hecking schien zumindest für den Beginn der Partie seine Zöglinge immunisiert zu haben. Und so fiel auch die Führung der Gladbacher in einer Geschwindigkeit, die die Gäste zu Statisten degradierte. Lars Stindl, Raffael – und am Ende schlenzte Thorgan Hazard den Ball zum 1:0 ins Netz (9.).

Hohes Risiko

Das Risiko mit dem extrem jungen und unerfahrenen Sechserpärchen schien sich auszuzahlen. Doch von Tempowechseln, Ballhalten oder defensiver Organisation hält man mit 18 Jahren nicht so viel. Und so kamen auch die Hanseaten zu Chancen. Doch Stindl klärte einen Kopfball von Mergim Mavraj von der Linie (19.), und Jannik Vestergaard blockte Hahn im letzten Moment (21.). Stabilität sieht anders aus, aber nach vorne brannten Oxford und Cuisance ein Feuerwerk ab. Inklusive zweier Böller: Der Leihspieler von West Ham United jagte den Ball an die Querstange des HSV-Tores (6.), der Franzose zirkelte ihn an den Pfosten (38.).

Mit 18 darf man Fehler machen, und Cuisance machten einen nach der Pause mit einem zögerlichen Zweikampf. Und natürlich hielt sich André Hahn nicht an den Wunsch von Stadionsprecher Torsten Knippertz, mit dem Toreschießen für den HSV erst nach dem Spiel zu beginnen. Der Ex-Gladbacher überwand Yann Sommer und verkniff sich anschließend jede Jubelpose (53.). Nun rächte sich, dass Hazard eine Minute zuvor alleine vor dem HSV-Tor an Keeper Christian Mathenia gescheitert war. Ebenso wie Raffael, der einen Kopfball nicht gut genug platzierte (64.).

Jugendschutz gilt nicht beim Gladbacher Haupttribünen-Publikum. Es ist eher bemüht, mit Pfiffen die sich ausbreitende Unsicherheit zu verstärken. Da passte es, dass Oldie Raffael sie in Jubel verwandelte. Ungewohnt trocken zog der 32-Jährige zum 2:1 ab (74.). Um dann wenig später eine Hazard-Vorlage zum 3:1-Endstand einzuschieben (79.). Jugend forsch, Alte abgeklärt.

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