Peniel Mlapa zwischen Trost und Jubel

Von: Bernd Schneiders
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In guten wie in schlechten Zeiten: Mike Hankes (links) Umarmung für Peniel Mlapa ist erst freudig, wenig später mitleidsvoll. Foto: dpa

Mönchengladbach. Lucien Favre ist ein gläubiger Mensch. Borussia Mönchengladbachs Trainer glaubt an die Wichtigkeit einer detaillierten Vorbereitung auf ein Fußballspiel, er glaubt an den Nutzen eines Flachpass-Spiels – am Samstag aber stürmte der Schweizer Fußballlehrer durch den Gladbacher Spielertunnel und zweifelte: „Meine Gotte, meine Gotte!“

Das 1:1 allein, mit dem seine Mannschaft gerade die Partie gegen Werder Bremen beendet hatte, mochte diesen Ausbruch nicht erklären. Wahrscheinlich hatte Favre eher die Szene in der letzten Spielminute im Kopf, als Peniel Mlapa den Siegtreffer auf dem Fuß hatte. Doch der wuchtige Angreifer scheiterte an einer Rettungsaktion des Bremer Abwehrspielers Mateo Pavlovic, nachdem er Torhüter Sebastian Mielitz schon umkurvt hatte und das Tor leer schien.

Begleitschutz in die Kabine

Es hätte ein großer Abend für den ehemaligen Löwen-Stürmer sein können. Denn zuvor schon hatte er das 1:0 für die Borussia erzielt, als ihm die Bremer Abwehr bei einem Eckball einen einsamen Kopfstoß ins Führungsglück gönnte (72.). Das war gerade mal zwei Minuten nach seiner Einwechslung. Doch nach dem 1:1 der Gäste durch Aleksandar Ignjovski (77.) und seinem Last-Minute-Klops benötigte Mlapa erneut Tätscheleinheiten seiner Kollegen – diesmal der betreuenden Art. Passender Weise wurde der gescheiterte Held von Borussen-Doc Stefan Hertl, eigentlich Orthopäde, fast stützend, aber eher schützend in die Kabine begleitet, als ob der Verein demonstrieren wollte, dass bitte keiner der wartenden Journalisten in der so tiefen und offenen Wunde des Stürmers bohren möge.

„In den letzten zwei, drei Spielen hatten wir die Möglichkeit zum Lucky Punch“, versuchte Tony Jantschke kollegialer Weise sich mit auf die Behandlungs-Couch zu setzen, „vielleicht machen wir ihn ja mal“. Nur leider war die Entlastung durch Kollektivierung nicht sehr zielführend. Beim 1:1 im Heimspiel zuvor gegen Dortmund besaß Gladbach auch die Riesen-Chance zum Dreier durch – Peniel Mlapa.

Verdient hätte die Elf von Lucien Favre den Glücksschlag kaum. Das Spiel seiner Schützlinge konnte man recht kurz analysieren – wenn man wollte: einfach schlecht. Will man eine detailliertere Betrachtung, stößt man schnell auf den vermeintlichen Widerspruch zwischen offensiver Aufstellung – fünf Spieler aus der Abteilung Attacke – und einem Mangel an Torchancen, an dem Borussias Spiel auch in defensiverer Formation zu leiden pflegt. „Wir haben in der ersten Halbzeit oft zu überhastet und lang gespielt – das ist nicht unser Spiel“, urteilte Favre. Und will Besserung nach der Pause gesehen haben, als wie erwünscht und trainiert flach gepasst wurde. Um das leidlich hinzubekommen, muss aber auch das Positions- und Laufspiel stimmen. Und das war in den ersten 45 Minuten überhaupt nicht der Fall. Die ungewohnt offensive Aufstellung führte zur Überbevölkerung auf vorderster Linie, wo sich sonst nur ein einsamer Luuk de Jong tummelt. Jetzt liefen sich die Borussen fast über den Haufen, standen schlecht gestaffelt, was alles noch dadurch verschärft wurde, dass Bremen im Bestreben nicht mehr die Schießbude der Liga sein zu wollen, die Borussen-Methode kopierte: Erst einmal sicher und kompakt stehen.

Gladbachs Ausbruchsversuche aus dem Werder-Käfig kamen selten an und wurden oft übersehen, weil der Ballführende zu sehr darauf trainiert ist, den Rück- oder zumindest Sicherheitspass zu spielen, anstatt den anlaufenden Patrick Herrmann oder Amin Younes zu schicken. Und trotz offensiver Aufstellung wurde die Bremer Nervenschwäche nicht durch entsprechend aggressives Forechecking herausgearbeitet.

Das war die Analyse von Spiel 1. Doch es gab noch ein zweites. Das von Granit Xhaka. „Ich habe nicht einen Fehlpass gespielt. Das war mein Ziel – das ist mir gelungen“, jubelte der Mittelfeldspieler. „Keine Fisimatenten“, attestierte ihm Favre, der von dem Sorgenkind gefordert hatte, „einfach zu spielen“. Zu sehr sollte Xhaka auf diese Reduzierung nicht setzen. Für Sicherheitspässe gibt es bessere Kandidaten, etwa Thorben Marx.

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