Patrick Herrmann sprintet in den Fokus

Von: Christoph Pauli
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Vergebliche Verfolgungsjagd: Amerikas Danny Williams bekommt den schnellen Patrick Herrmann nicht zu fassen. Foto: sport/Schüler

Köln. Gespielt waren über 80 Minuten. Für jemanden, der gerade seinen Urlaub unterbricht, ist das eine harte Zeit. Trotzdem zog er noch einmal einen Sprint an, 30, 40 Meter, dann beschleunigte er noch einmal. Die Zuschauer honorierten den feinen Einsatz kurz vor Schluss mit Szenenapplaus.

Schließlich war das auch eine Vorgabe des Bundestrainers gewesen. Mit energischen Läufen Lücken reißen, Tiefe finden. In der Sportlersprache: „Auch mal dahin gehen, wo es weh tut.“ Hingehen, wo es wehtut, ist eine Berufsumschreibung für Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt. Aber vermutlich war mit dieser Forderung weniger der 72-jährige Mannschaftsarzt gemeint, der sich mit einem resoluten Antritt im RheinEnergie-Stadion zurückmeldete aus der Versenkung.

Löws Appell war an die Spieler gerichtet, doch die waren müde, als der Gegner das Tempo in der zweiten Halbzeit anzog. Außer dem Medizinmann bewegte sich ziemlich wenig im Finale dieser Partie, folglich verlor der Weltmeister nicht unverdient 1:2 gegen die Klinsmannschaft USA.

Chancen im Minutentakt

Eine Halbzeit hatte das deutsche Team durchaus anschaulich den Gegner beherrscht. Die Kombinationen waren flüssig, die Chancen ergaben sich im Minutentakt. Die Malaise des Weltmeisters trat wieder zutage. Das Team verschludert sorglos viele Gelegenheiten. „Mir fehlt da manchmal die letzte Gier“, ermahnte Joachim Löw sein Offensivpersonal. Das ist das Leid(t)-Motiv dieser Saison. Die mangelnde Effektivität bekommt einen Spitzenplatz auf der To-do-Liste für die nächste Saison.

Löw will das Repertoire seiner Gruppe wieder erweitern. Deutschland ist im Laufe der Jahre eine Ballbesitzmannschaft geworden. Das ist eine durchaus gewollte Entwicklung, weil damit eine bessere Spielkontrolle verbunden ist. „Aber wir haben die Fähigkeit zum blitzschnellen Umschalten, die wir 2010 bei der WM noch hatten, verloren“, sagt der 55-Jährige. In Köln knüpfte sein Team zumindest im ersten Durchgang an die Epoche der schönen Konter an.

Ein Neuling erinnerte mit seinen energischen Sprints an das Stilmittel. Patrick Herrmann bekam nach seinem Debüt ein Extra-Lob. „Er schafft Tiefe, er sucht mit großem Tempo den direkten Weg zum Tor, er stresst seine Gegenspieler. Es hat Spaß gemacht, ihm zuzusehen“, urteilte Löw. Der Gladbacher selbst fand sich überraschend schon in der Startformation wieder. „Ich wäre schon über ein paar Minuten Einsatz glücklich gewesen. Es hat riesigen Spaß gemacht, mit so grandiosen Fußballern auf dem Platz zu stehen.“

US-Coach Jürgen Klinsmann tankte mit seinem Team beim Trip nach Europa Selbstvertrauen. Im Gepäck bei der Heimreise am Donnerstag waren ansehnliche Siege in den Niederlanden und beim Weltmeister. „Ein Erfolg bei der Nummer 1 ist schon einmal etwas Besonderes, was uns weitere Aufmerksamkeit in den USA bringen wird“, freute sich der ehemalige Bundestrainer. Die Lernkurve vor der Kontinentalmeisterschaft im Juli sei durchaus positiv, meint der Schwabe. „Wir wachsen gerade. Wir lernen, mit Widerständen umzugehen.“

Im deutschen Lager wurde die Niederlage schnell abgehakt. „Das lässt sich gut verschmerzen“, urteilte Kapitän Bastian Schweinsteiger. Die Partie dient dem DFB als zuverlässige Einnahmequelle, die Mannschaft wärmt sich noch ein bisschen auf für das finale Saisonspiel gegen Gibraltar am Samstag. Das Qualifikationsspiel ist die letzte Wettkampf-Begegnung, bevor die eher unbefriedigende Nach-WM-Saison abgeheftet wird.

„Es ist auch gut so, dass nach der kräfteraubenden Zeit dann endlich Pause ist“, findet nicht nur Löw. Die Spieler sollen dann nicht mehr dahin gehen, wo es weh tut, sondern schlicht in die Ferien.

Zuschauer: 40.348; Tore: 1:0 Götze (12.), 1:1 Diskerud (41.), 1:2 Wood (87.).

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