Mönchengladbach - Nicht wie einst unter Hans Meyer

Nicht wie einst unter Hans Meyer

Von: Heribert Förster
Letzte Aktualisierung:
Favre
Trainer Lucien Favre nach dem Spiel beim HSV. Foto: dpa

Mönchengladbach. Wenn der Nürnberger Trainer in dieser Situation keine Rücksicht mehr auf die feinen Errungenschaften der fußballerischen Neuzeit nimmt, ist das verständlich. Als Tabellenvorletzter haben Viererkette, Doppelsechs, hohes Verteidigen und „hängender Neuner“ keine Priorität mehr.

Also nominiert der „Club“-Coach für das Spiel in Mönchengladbach: einen Libero, zwei Innenverteidiger, dazu drei unerbittliche Abräumer. Der „Catenaccio“ ist dagegen das reinste Offensivspektakel.

So geschah es am 3. Dezember 2005, als der Tabellenvorletzte 1.FC Nürnberg im Borussia-Park mit Erfolg ganz viel Beton anrührte. Nach 90 Minuten hatte der „Club“ 1:0 gewonnen, für die Steinzeit-Taktik zuständig war ein gewisser Hans Meyer, der große Freund des Offensivfußballs...

Niemand würde es Gertjan Verbeek verübeln, wenn er am Samstag (18.30) die Meyersche Taktik kopieren würde. Doch der Niederländer, wie Hans Meyer einst bei Twente Enschede erfolgreich arbeitend und wie Borussias heutiger Vizepräsident Meyer ein Freund des mutigen Spiels, will sich nicht mit der Rolle begnügen, seine Mannschaft als unangenehmen Gegner aufzustellen. Noch nicht, denn in Mönchengladbach soll das fortgesetzt werden, was gegen den SC Freiburg trotz der 0:3-Niederlage zeitweise richtig gut aussah. Und, so paradox es auch klingen mag, den Großteil der Anhänger begeisterte. In einem offen Brief der FCN-Fans an die Mannschaft heißt es etwa: „Lasst euch nicht irre machen. Das Spiel am Samstag war spielerisch das attraktivste seit langer Zeit. Druck nach vorne, schöne Spielzüge, toller Einsatz. Es hat alles gestimmt. Wenn eine Mannschaft so spielt, muss keinem bange sein, der von diesem Sport etwas versteht.“

Das tut Mönchengladbachs Trainer Lucien Favre ohne Zweifel. Trotz seiner üblichen Floskel über den Gegner („gut, sehr gefährlich, schwer zu spielen“) ist die Borussia der klare Favorit. Diese Rolle hat sich die Mannschaft erspielt. Die durchweg begeisternden Heim-Auftritte sowie der ersehnte erste Auswärtssieg in Hamburg machen es Mahnern wie Favre schwer. Dass Nürnberg vier seiner fünf Auswärtsspiele mit einem Punktgewinn beendet und auch bei Bayern München erst in der 69. Minute beim 0:2 das erste Gegentor kassiert hat, sollte aber zumindest erwähnt werden.

3:0, 4:1, 4:1, 2:0, 4:1

Wer jedoch seine bisherigen Heimspiele mit 3:0, 4:1, 4:1, 2:0 und 4:1 gewonnen hat, darf die breite Brust mit Berechtigung zur Schau stellen. Die Euphorie im Gladbacher Umfeld ist groß, die Mannschaft aber geerdet. Dafür sorgt neben Favre auch Max Eberl, der nur noch säuerlich lächeln kann, wenn er Fragen wie diese hört: Müsse das Saisonziel (einstelliger Tabellenplatz) nicht langsam korrigiert werden? Eberl bleibt ruhig, nett, eloquent. Für Borussias Sportdirektor ist es eine wunderschöne Momentaufnahme, „keinen Deut mehr“. Bei der Borussia werde es „keine andere Zielsetzung geben“. Der dezente Hinweis auf die offensiv vorgetragenen Ambitionen von Hannover, Hamburg und Stuttgart, um Platz drei bis sechs mitspielen zu wollen, kann sich Eberl allerdings nicht verkneifen...

Den Blick voraus verkneifen sich die Borussen dagegen wiederum, zumindest öffentlich. In Stuttgart, gegen Freiburg und Schalke, in Mainz und zum Hinrunden-Abschluss gegen Wolfsburg, da träumen die Fans – und es langweilt in gewohnter Manier das Duett Eberl/Favre. Sie ahnen es, man denke nur „von Spiel zu Spiel“.

Das Top-Spiel der 12. Runde ist eines der wichtigen, denn mit dem dritten Dreier in Folge würde sich die Borussia oben festsetzen. Die angedachte Taktik des Nürnberger Trainers, mitzuspielen und sich nicht einzuigeln, mutig statt des-truktiv zu sein, scheint für die Borussen wie geschaffen für den sechsten Heimsieg. Oder wird sich Gertjan Verbeek doch noch an die Taktik seines einstigen Vorgängers Hans Meyer erinnern, der nach dem 1:0-Sieg vor acht Jahren verkündete: „In unserer Situation heiligt der Zweck die Mittel.“

Mögliche Aufstellung: ter Stegen - Korb, Jantschke, Stranzl, Wendt - Kramer, Xhaka - Herrmann, Arango, - Raffael, Kruse

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