Nach dem Europa-League-Aus: Kraft schöpfen aus der Elfmeter-Wut?

Von: Bernd Schneiders
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Ausgepumpt, ratlos, am Boden zerstört: Christensen & Co. beim freudlosen Abschied von Europa vor der Nordkurve. Foto: imago/Team 2

Mönchengladbach. Ein Kontrastprogramm lieferte den Hinweis, wo Dieter Hecking den Hebel ansetzen muss. Da stand Patrick Herrmann mit hängenden Schultern in der Mixed-Zone und erklärte mit tränenerstickter Stimme: „Das ist unfassbar und tut einfach nur weh.“

Die Schmerzen bereitete dem Mönchengladbacher Flügelflitzer das Ausscheiden in der Europa League an sich und das Wie im Besonderen: ein Platzfehler und eine mehr als fragwürdige Handelfmeter-Entscheidung schlossen die Tür zum Viertelfinale, durch die stattdessen Schalke 04 dank eines 2:2 (Hinspiel 1:1) schlüpfte.

Körperlich und mental waren die Mönchengladbacher nach diesen 94 aufzehrenden Minuten am Boden. Doch wenige Minuten nach Herrmann zeigte Jonas Hofmann, woher die Borussen die Kraft nehmen müssen, bereits am Sonntag im Borussia Park (17.30 Uhr) den ausgeruhten Münchner Bayern in der Bundesliga Paroli bieten zu können. Wut kann müde Beine und Köpfe munter machen.

„Ich sag‘ jetzt besser nichts, damit ich keine Geldstrafe bekomme“, knurrte der 24-Jährige, der im Hinspiel beim 1:1 auf Schalke noch die Führung erzielt hatte. „Aber der Elfmeter war einfach ein Witz.“ Über den nur die Schalker lachen konnten. Der Kopfball von Tobias Strobl prallte an Mo Dahouds Oberarm, der noch den Oberkörper drehte, um genau diese Berührung zu vermeiden.

Doch Mark Clattenburg mochte dieser Interpretation nicht folgen. Und auch Markus Weinzierl fand es nicht nötig, in der Pressekonferenz nach dem 2:2 einzugestehen, dass die Entscheidung des Engländers offensichtlich eine falsche war. „Er ist einer der besten Schiedsrichter Europas“, lautete sein lapidarer Kommentar.

Womöglich ist Dieter Hecking einer der besten Trainer Europas. Auf jeden Fall aber einer der fairsten. Lamentieren ist nicht sein Ding. Nicht mal nach den Verletzungen von Christoph Kramer (Innenbandteilriss im Knie) und Fabian Johnson (Muskelfaserriss). „Gott sei dank dürfen wir in zwei Tagen wieder spielen“, sagte der Borussen-Coach. „Wir müssen am Sonntag noch einmal versuchen, alle Kräfte zu bündeln, bevor wir dann in der Länderspielpause einmal durchschnaufen können. Es gibt kein Wehklagen von meiner Seite.“

Das wird Mark Clattenburg egal sein. Er wird sich demnächst Richtung Saudi-Arabien verändern, dorthin, in die Wüste, wird wohl Max Eberl den Engländer gewünscht haben.

Nach dessen Elfmeterpfiff tobte Gladbachs Sportdirektor so exzessiv, dass Clattenburg ihn auf die Tribüne schickte. Wohin Bayern München den erfolgreichen Manager wünscht, wird seit Wochen alltäglich spekuliert. Noch ist ein Liveticker nicht freigeschaltet.

Die frischeste Nonsens-News hieße anderenfalls: „Der Stand ist jetzt, dass ich im Sommer in Mönchengladbach bin.“ Ebenso wie Hecking, und der hat noch einiges zu tun. Auch am Donnerstagabend zeigte sich, dass seiner Mannschaft das Rüstzeug fehlt, um sich strukturiert aus einer Druckphase zu befreien. „Wir hatten nicht mehr die Ordnung und konnten in dieser Phase nicht dagegen angehen“, erkannte auch der 52-Jährige.

Das hört sich nicht gut an für die Aufgabe am Sonntag gegen die Bayern. Vielleicht sollten die Gladbacher Greenkeeper schnell den alten Rasen wieder auflegen. Dessen „strukturierte“ Holprigkeit könnte die Edeltechniker von der Isar bremsen und würde auch Torhüter Yann Sommer nicht so überraschen, wie beim Schuss von Leon Goretzka, der auf dem neuen Teppich die einzige Unebenheit fand.

Voraussichtliche Aufstellung: Sommer - Jantschke, Christensen, Vestergaard, Wendt - Hofmann, Dahoud, Strobl, Hahn - Raffael, Drmic

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