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Mönchengladbachs unverschuldete Mangelerscheinung

Von: Bernd Schneiders
Letzte Aktualisierung:
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Viel zu erzählen: Dieter Hecking mit Jonas Hofmann und Patrick Herrmann (r.). Foto: imago/Team 2

Mönchengladbach. Nein, Dieter Hecking und Max Eberl haben es nicht überstrapaziert: die Verletztenmisere als Alibi dafür zu nutzen, dass man nicht mehr die direkte Qualifikation für die Europa League geschafft hat. Sowohl Mönchengladbachs Trainer als auch der Sportdirektor verweisen aber zu Recht darauf, dass bei einem Sieg heute gegen Absteiger Darmstadt 98 das Punktekonto der Rückrunde auf 30 anschwillt.

30 Punkte! Das ist europäisches Maß. Kritische Zeitgenossen, die darauf hinweisen, es hätten ab dem Spieltag 18 auch leicht noch mehr Zähler sein können, besonders in der letzten Phase der Spielzeit, muss man nicht automatisch mit den Worten von Hecking-Vorvorgänger Lucien Favre abkanzeln: „Sind Sie verrückt?!“

Schauen wir uns also mal an, woran es krankte in den wahrscheinlich entscheidenden Spielen zu Hause gegen Augsburg und vor einer Woche in Wolfsburg und ob dies vermeidbar gewesen wäre. Schnell kommt man zu den Stichworten Durchschlagskraft und Effektivität. Beides taucht bei den Borussen als Mangelerscheinung auf, besonders befallen davon: Lars Stindl und Jonas Hofmann. Und das zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt. Im Fall Stindl mit laaaangem Anlauf. Der Kapitän ist einer der strapaziertesten Spieler der Saison. Generell wie Raffael in der Offensive kaum verzichtbar – trotz Dreifachbelastung durch Bundesliga, Champions/Europa League und DFB-Pokal.

Als Rotationspausen zwingend waren, musste Hecking übernehmen. Der Schubert-Nachfolger musste zur Jahreswende möglichst schnell seine Mannschaft und Stabilität finden, dafür war der Kapitän unverzichtbar. Folge: Im letzten Saison-Sechstel gingen Stindl, Borussias listigstem und abgebrühtestem Stürmer, die Luft aus. Menschlich, natürlich. Sein „Notlauf“ war allerdings immer noch wertvoller einzuschätzen als das „volle Programm“ so manches Kollegen. Aber eben nicht gut genug, um seinem Team in Sachen Chancenverwertung gewohnt effektiv zu helfen.

Problemfall II: Jonas Hofmann. Der ehemalige Dortmunder konnte zwar die Gunst der Stunde oder besser Verletzungsmisere in der Rückrunde nutzen, letztlich rechtfertigte er sogar Heckings Vertrauen durch fußballerisch gute Leistungen. Doch selbst in Bestform oder in der Blüte seiner Profikraft wird der Techniker kein Verwerter mehr werden. So ist seine Natur, immerhin kann Eberl glücklich sein, dass Hecking Hofmann davor bewahrt hat, ein echter Transferflop zu sein, für den ihn die meisten im Winter gehalten haben. Eine Zukunft aber kann er nur auf einer Position haben, bei der der Mangel an Durchschlagskraft weniger relevant ist.

Blieb angesichts der Ausfallliste nur noch André Hahn. Doch der Kraftstürmer bewies wieder einmal, dass er für seine Qualitäten Spielpraxis benötigt. Wenn er sich in seine Höchstform gearbeitet hat, ist die Saison vorbei. Und wenn Gladbach heute nicht durch Fremdhilfe (Mainz gewinnt in Köln, Bremen dürfte maximal ein Unentschieden in Dortmund holen) die Chance auf die Europa League aufrechterhält hält, wird die Situation ab dem Sommer noch schwieriger: weniger Belastung, weniger Verletzungen, weniger Zwang zur Rotation würden seine Probleme noch verschärfen. Kein Wunder, dass Werder Bremen Interesse an Hahn zeigen soll.

Reststurm ohne Alternativen

Alternativen zu diesem Reststurm besaß Hecking zum Schluss nicht mehr. Zumal eine Option als Hilfe auch noch ausfiel: Patrick Herrmann kam nach seiner langen Verletzungspause nie in den Zustand, als Offensivhelfer dienen zu können. Der 26-jährige Flügelflitzer teilt ein Problem mit Jonas Hofmann (24): Beide sind keine Talente mehr, spielen aber noch zu häufig wie solche. Gladbach hatte demnach keine Pfeile mehr im Köcher. Das in der Zukunft durch einen anders gearteten oder größeren Kader zu verhindern, scheint unmöglich. „Keine Chance“, urteilt Eberl kategorisch. Sechs oder mehr Stammspieler können nur die Bayern ohne durchschlagenden Qualitätsverlust ersetzen. Bei einem weniger breiten wie vielseitigen Kader, für dessen Zusammensetzung Gladbachs Manager zu Recht vor der Saison gelobt wurde, hätte Borussia heute womöglich ein Endspiel, oder später gleich zwei – am 25. und 29. Mai in der Relegation.

Voraussichtliche Aufstellung: Sommer - Elvedi, Christensen, Vestergaard, Schulz - Hahn, Kramer, Dahoud, Hofmann - Stindl, Raffael

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