Mönchengladbach - Mönchengladbachs Oscar Wendt reitet auf einer Erfolgswelle

Mönchengladbachs Oscar Wendt reitet auf einer Erfolgswelle

Von: Bernd Schneiders
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Sehnt sich nach einem erneuten Adrenalin-Kick wie gegen Dortmund: Mönchengladbachs Linksverteidiger Oscar Wendt. Foto: sport/Ulmer

Mönchengladbach. Das Borussia-Stadion ist leer, Oscar Wendt sitzt entspannt im grüngepolsterten Sessel und schaut hinunter auf die letzten Pflegearbeiten der Greenkeeper vor dem Bundesliga-Spiel am Sonntag gegen Wolfsburg. Würdiger Rahmen zum Bilanzieren: „Ich habe einen Super-Verein, eine Super-Frau, eine Super-Tochter – die Sonne scheint!“ Was will man mehr vom Leben?!

Der blonde Schwede ruht in sich und wirkt extrem zufrieden. Ein Fußballer, geerdet und fest verankert im Hier und Jetzt. Und dennoch bleibt Raum zum Träumen. „In 20 Jahren . . .“, beginnt er eine Vision. Kann er doch wohl nicht mehr mit 49 für Borussia im Endspiel der Champions League stehen . . . „In 20 Jahren“, wiederholt Wendt, und beamt sich voraus in Ort und Zeit, „sitze ich auf dem Centre Court in Wimbledon. Meine Tochter spielt das Finale.“

Noch aber ist Elise nicht ganz zwei Jahre alt. Immerhin aber deutet sie bereits sportliche Qualitäten an. Weniger mit dem Fuß. Die frühkindliche Sportart: Iphone-Weitwurf, das Handy von Papa Oscar überlebte das offenbarte Talent nicht. „Zerschmettert“, beschreibt Wendt. Mit solch kleinen Malheuren kann der 29-Jährige gut leben. Er ist ein glücklicher Familienvater und ein glücklicher Fußballprofi. Ideale Voraussetzungen, um den im Sommer 2016 auslaufenden Vertrag zu verlängern.

Gladbach kann nur daran interessiert sein, denn der Schwede spielt nach einem Stotterstart erneut eine tolle Saison auf der linken Seite der Viererkette. Sollte er da mit den vielen Superlativen aus taktischen Gründen nicht sparsamer umgehen, um sich finanziell zu verbessern? „Ich sage meine Meinung, ob das taktisch klug ist oder nicht. Und ähnlich positiv habe ich mich auch schon im ersten Jahr geäußert, als ich kaum gespielt habe.“

Sein volles Potenzial aber entwickelt Oscar Wendt erst, wenn er möglichst oft spielt. Deshalb blieb der Linksverteidiger auch zu Anfang der Saison unter seinen Möglichkeiten. Einmal dabei, das andere Mal wieder auf der Bank: „Ich hatte kein Argument dagegen. Es hat ja richtig gut funktioniert mit unserer Rotation.“ Inzwischen aber hat der Blondschopf die alte Konkurrenz – Filip Daems, 36, der ab Sommer für zwei Jahre zum KVC Westerlo wechselt – und die neue – Alvaro Domínguez – klar abgehängt und spielt und spielt und spielt. Warum aber benötigt er diesen Extrem-Rhythmus? „Ich weiß es nicht. Es ist doch auch gut, wenn es nicht auf jede Frage eine Antwort gibt. Ansonsten wären doch auch alle bereits Weltmeister in allen möglichen Sportarten.“

Aber natürlich weiß er, dass die Einsätze im Drei- oder Viertagerhythmus die Automatisierung und das Selbstbewusstsein fördern. Und er ahnt, dass er womöglich durch seine Herkunft bevorteilt ist. „Alle Schweden, die ich kenne, sind physisch und mental stark“, grinst er. Das hat bei ihm extreme Auswirkungen, die er weniger sportmedizinisch als mit seiner Vorliebe erklärt. „Wenn ich den Ball habe, kann ich ohne Pause vier Tage laufen.“ Ein motivierterer Profi, um den hohen Spielrhythmus in einem europäischen Wettbewerb zu erarbeiten, ist kaum vorstellbar. Da wäre es eine Win-win-Situation, wenn Wendt sich eine Anti-Rotationsklausel in seinen neuen Vertrag setzen lassen ließe. „Das wäre super.“

Seine Vorliebe für englische Wochen mit vielen Reisen auf europäischer Ebene widerspricht aber eigentlich seinem Glücksstatus als überzeugter Familienmensch, der jede Sekunde mit Ehefrau Sandra und Töchterchen Elise genießt. „Ja, stimmt“, muss Oscar Wendt zugeben. Und ist froh, dass dieser Zwiespalt trotz seiner öffentlichen Statements zu Hause unentdeckt bleibt. „Meine Frau liest keine deutschen Zeitungen. Und ich kann ja auch sagen, das Interview wäre für eine griechische Zeitung – oder eine chinesische.“

Für Favre ist der Linksverteidiger derzeit unverzichtbar, anders als sein norwegischer Kumpel Havard Nordtveit und Landsmann Branimir Hrgota. Muss er da oft den Seelentröster spielen? „Nein, beide sind mental sehr stark und besitzen genügend Selbstvertrauen, um zurückzukommen.“ Die Freundschaft mit diesen Kollegen ist tief. „Und sie ist auch nicht von Borussia abhängig. Ich wäre mit ihnen auch ohne Fußball eng befreundet.“ Gladbachs Skandinavier-Connection: „Aber die Nationalität von Howie (Havard Nordtveit) spielt nicht die Rolle. Ich bin nicht mit jedem Norweger befreundet.“

Wendts Augen ruhen nun strahlend auf der Stelle, an der am Sonntag die Tore stehen werden. Die nächste Vision? „Wie gegen Dortmund auch gegen Wolfsburg ein frühes Tor – ein unglaublicher Adrenalin-Kick.“

Voraussichtliche Aufstellung: Sommer - Jantschke, Brouwers, Domínguez, Wendt - Kramer, Xhaka - Herrmann, Johnson - Raffael, Kruse

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