Mönchengladbach - Mönchengladbach hat seine Bewerbung für die EM 2024 abgegeben

Mönchengladbach hat seine Bewerbung für die EM 2024 abgegeben

Von: Olaf Kupfer
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„Jetzt sind wir dran“: Gladbachs Präsident Rolf Königs. Foto: dpa

Mönchengladbach. Hans Wilhelm Reiners hat gerade erst die Tour de France durch Mönchengladbach geschleust, jetzt verkauft der Mönchengladbacher Oberbürgermeister schon wieder das nächste Großereignis. Es geht Schlag auf Schlag.

„Wir sind uns sicher, alles getan zu haben, so dass wir uns sicher keine Vorwürfe machen müssen“, sagt er im Innenhof des Rathauses und hält ein dickes Buch in der Hand. 11 497 Menschen haben darin unterschrieben, es ist die Gladbacher Bewerbungskladde für die EM 2024, der Borussia-Park will Gastgeber sein. Rolf Königs, Präsident von Borussia Mönchengladbach, ist ungleich offensiver. „Diesmal“, sagt er so nonchalant, wie nur er das kann, „kommen sie nicht an uns vorbei. Wir sind dran!“

Über die Konkurrenten spricht Königs nicht. Nicht über jene neun Mitbewerber aus Nord, Süd und Ost. Nicht über die vier anderen aus dem Westen. 14 Bewerber gibt es, zehn Städte und Stadien will der DFB für die EM-Bewerbung bis zum 15. September ausgewählt haben. Das Exekutivkomitee der Uefa fällt die Entscheidung über den Ausrichter im September 2018. Einziger Konkurrent Deutschlands ist die Türkei.

Gut aufgestellt

Und Mönchengladbachs Konkurrenten? Berlin, München, Stuttgart, Leipzig, Nürnberg, Hannover, Hamburg, Frankfurt und Bremen. Im Westen sind es Dortmund, Gelsenkirchen, Düsseldorf und Köln. Vier also fallen aus diesem Kreis noch heraus. Maximal vier Vertreter kann es aus dem Westen geben, sagt der DFB, auch nur drei könnten es werden. „Entscheidend ist, dass wir sehr gut aufgestellt und bereit sind“, ruft Königs. Er lacht dabei und wirkt mit seiner ausgearbeiteten Strategie Tage vor Bewerbungsschluss am 10. Juli wie der Klassenstreber, der vielleicht nicht das kompletteste Angebot abgeben kann, aber wenigstens pünktlich und ordentlich sein will.

Am Freitag fahren Norbert, Marcel und Lea Sophie Buchholz das Bewerbungsbuch nach Frankfurt, drei Generationen von Gladbach-Anhängern. Ein „wundervolles Zeichen“ sei das, sagt Königs. Reiners begutachtet derweil das Kennzeichen des Borussia-Kleinbusses, der die Buchholz zum DFB Generalsekretär Friedrich Curtius bringen soll: MG-FE. „Steht das FE für Fußballeuropameisterschaft? Hier passt ja alles“, feixt der Stadtchef. Eigentlich steht „FE“ für Fohlenelf, aber das ist jetzt auch egal.

Denn: Der Fußball-Westen ist ein Haifischbecken. Wieder einmal. Alle wollen, aber nicht alle können. Und Mönchengladbach ist nicht der größte Hai. „Zwei von 269 789“ haben die Bewerbung unterschrieben. Königs und Reiners vertreten die Einwohner der Stadt. Der Präsident hat keinen Zweifel: „Wir waren 1974 nicht dabei, 1988 bei der EM nicht, auch 2006 hat man uns unsere Visionen noch nicht abgenommen“, sagt Königs. Und wiederholt: „Jetzt sind wir dran.“

Der Streber des Westens

Tatsächlich ist Gladbach so etwas wie der Streber des Westens. In Düsseldorf stylen sie auf den letzten Drücker die Bewerbung durch, Montag muss sie beim DFB sein, am Dienstag lädt die Stadt zur PK. Die Tour de France hat in der Landeshauptstadt viele Körner gekostet. In Gelsenkirchen entschied der Stadtrat, dabei sein zu wollen. „Wenn nicht wir als Fußballstadt, wer dann?“, sagt ein Stadtsprecher unserer Zeitung am Donnerstag. Man hat im Pott noch immer das Selbstverständnis, dass Tradition eben auch den DFB verpflichtet – mindestens auf Schalke und Dortmund.

In Dortmund war das Ganze eine schwere Geburt. Weil der Oberbürgermeister Ulrich Sierau einen Konflikt mit DFB und Uefa ankurbelte. „Wir zahlen, die kassieren. Wenn wir zusagen, kaufen wir die Katze im Sack“, sagte Sierau. Zu unüberschaubar die Kosten, vor allem in Sachen Sicherheit, schimpfte der OB. In der Tat hat es das 224-seitige Pflichtenheft der Uefa in sich: Ein Urinal je 85 Sitze, Einlaufkinder, die sich in einem 50 Quadratmeter-Raum vorbereiten zu haben – und Tausende Aufträge mehr. Es bleibt trotzdem der Tenor: Schaffen wir schon. Am Ende schwenkten sie auch in Dortmund um. Vielleicht war es auch nur Geplänkel in der sicheren Erkenntnis, dass der DFB am Westfalenstadion ohnehin nie vorbeigehen würde.

Günstig wird das alles nicht. Aber große Sorgen macht sich außer Dortmund niemand. In Gelsenkirchen hat die WM 2006 die Stadt fünf Millionen Euro gekostet. Dafür gab es aber eine „Autobahnabfahrt Schalke“ – zu 90 Prozent von Bund und Land finanziert. Und eine Doppeltraktion der Straßenbahnlinie. Davon profitieren sie heute noch. Auch in Mönchengladbach sind sie locker. Dresden, Karlsruhe, Freiburg und Kaiserslautern sind hingegen schon vor Monaten abgesprungen.

Dass bis Montag Zeit bleibt, ist jenen geschuldet, die den ersten Abgabetermin Mitte Juni nicht schultern konnten. Mönchengladbach war auch damals schon bereit, sagt Reiners stolz. Chancen sehen statt Probleme wälzen – dazu haben sie sich entschieden am Niederrhein. Klein mag die Stadt sein, aber das Herz der Menschen für den Fußball ist groß, so die Kampagne.

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