Mönchengladbach gewinnt im Liegen

Von: Bernd Schneiders
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Tor im Borussia-Park: Max Kruse gewährt HSV-Keeper Jaroslav Drobny nur noch den entsetzten Blick hinterher. Foto: sport/Moritz Müller

Mönchengladbach. Trainer geben selten Schwächen zu. Der neue HSV-Trainer ist da anders. „Als Spieler hatte ich oft Probleme, bei Flutlicht alles zu sehen“, erzählte Josef Zinnbauer vor dem Gastspiel bei Borussia Mönchengladbach.

Bei seinem zweiten Bundesligaspiel als Trainer musste er trotz Stadionbeleuchtung im Borussia-Park mit ansehen, dass die Favre-Elf eine Nummer zu groß für Lasogga & Co. war. Gladbach gewann verdient durch ein Tor von Max Kruse mit 1:0 und setzt sich damit in der Tabellenspitze fest.

Rotation sieht anders aus. Nur auf zwei Positionen änderte Lucien Favre seine Mannschaft gegenüber der Partie vor drei Tagen in Köln. Alvaro Dominguez ersetzte Oscar Wendt links in der Viererkette – kann nichts mit fehlender Kraft zusammenhängen. Abwehrspieler dürfen naturgemäß eine etwas ruhigere Kugel schieben als die Kollegen im Mittelfeld oder Angriff. Der Schwede war zudem in den letzten Spielen auch nicht so hyperaktiv nach vorne unterwegs, dass eine Pause zwingend war. Und für Fabian Johnson spielte vorne links der Belgier Thorgan Hazard. Auch diese Variante diente mehr dazu, möglichst viele Profis zum Spielen zu bringen, nicht einem ermatteten Johnson eine schöpferische Pause zu gönnen.

Der Gast mit „Bayern-Elf“

Ein „Rotatiönchen“ auf der linken Seite also – Favre steht auf Automatismen und Hochgeschwindigkeits-Kombinationen, die ein extremes Maß an Eingespieltsein voraussetzen. Daran bastelt auch Josef Zinnbauer. So entschied sich der Slomka-Nachfolger naheliegend für seine zweite Bundesligapartie für die identische Elf wie beim 0:0 gegen Bayern München.

Und der 44-Jährige hat offensichtlich auch großen Redebedarf. Schon weit vor den Gladbachern beorderte er seine Mannen nach dem Aufwärmen in die Kabine. Was raus kam, waren erst mal erneut ein Gast, der wie eine Heimmannschaft auftrat. Die Hamburger pressten extrem, erzwangen in 12 Minuten drei Ecken – aber keine echte Torchance. Erst dann kam langsam die Gladbacher Kombinationsmaschinerie ins Rollen. Und früh sogar mit einem Ertrag: André Hahn servierte von Rechts den Ball perfekt in die Mitte, Max Kruse rutschte auf regennassem Rasen in den Ball und bugsierte ihn an den Innenpfosten, im Liegen drückte er den Abpraller zum 1:0 über die Linie (25.).

Spätestens jetzt war‘s ein Heimspiel für Borussia. Drei hochkarätige Chancen waren der zahlenmäßige Ausdruck dieser Überlegenheit. Doch erst scheiterte Raffael aus spitzem Winkel an HSV-Torhüter Jaroslav Drobny (28.), dann platzierte Hahn eine Kruse-Flanke per Kopf neben das Tor (31.), und die dritte Möglichkeit ließ Tony Jantschke liegen, als er ebenfalls mit einem Kopfball nach einer Ecke nur um Zentimeter neben den Pfosten zielte (34.).

Eine verdiente, aber zu niedrige Pausenführung. Doch der Dauerregen machte die Umsetzung einer Kardinal-Forderung von Lucien Favre nur erschwert möglich: „Technik in Bewegung“. Den Ball auf dem glitschigen Rasen genau zu timen und an- oder mitzunehmen war eine Herausforderung. Doch offensichtlich hatte Favre den Seinen zur Pause noch eine Alternative in einer Abwandlung einer Beckenbauerschen Aufforderung aufgezeigt: „Geht‘s raus und schießt.“ Lieblingsschüler Raffael zog nach Sekunden ab – aber zu unplatziert.

Gladbach ging weiter leichtsinnig mit seinen Chancen um. Kruse schloss einen Konter allein vor Drobny zu schwächlich ab (50.), Raffael konnte ein perfektes Zuspiel seines Sturmkollegen nicht nutzen und scheiterte ebenfalls am HSV-Keeper (61.). Der HSV wurde offen für Konter. Doch auch gemeinsam – Raffael und Dominguez – wollte es einfach nicht klappen (69.). Auch nicht aus der Distanz, als Kruse abzog und der Ball nur knapp am Pfosten vorbeizischte (78.). Der HSV aber war zu schwach, um diese Nachlässigkeiten zu bestrafen.

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