Max Eberl: „Von Spiel zu Spiel denken – wir leben es!“

Von: Bernd Schneiders
Letzte Aktualisierung:
6964467.jpg
Wer sich zurücklehnt oder ausruht, der verliert. Deshalb kann man davon ausgehen, dass dieser Schnappschuss aus dem Trainingslager in Belek Borussia Mönchengladbachs Manager Max Eberl nicht in einer typischen Pose zeigt... Foto: sport/Schwörer

Mönchengladbach. Bei der Pressekonferenz am Mittwoch für das Freitagsspiel gegen die Bayern fehlte Max Eberl. Borussia Mönchengladbachs Sportdirektor saß allerdings nicht relaxend irgendwo im Korbsessel.

Der Januar ist auch Transferzeit, und nicht unwahrscheinlich, dass sich der Manager stattdessen mit Newcastle getroffen hat, um den Tausch-Deal de Jong/Cissé festzuzurren. Vorher aber nutzten wir eine kleine Terminlücke, um mit Max Eberl über die Rückrunde zu sprechen.

Die meisten Bundesliga-Manager pflegen ihre Mannschaften zur Winterpause aufzufordern, sich in der Rückrunde zu verbessern. Das dürfte Ihnen schwer fallen...

Eberl: Ich werde die vor der Saison ausgegebene Zielvorstellung mit einem einstelligen Platz nicht korrigieren. Platz drei ist natürlich nicht zu steigern. Aber es ist für mich auch eine verdiente Platzierung. Nun haben wir quasi die zweite Halbzeit vor der Brust. Und unser Ziel kann nur sein zu bestätigen, was wir bisher gezeigt haben.

Nicht nur die Punkte?

Eberl: Nein, die Art und Weise, wie wir gespielt haben. Sowohl nach vorn wie nach hinten. Das müssen wir wieder auf den Platz bekommen, statt uns blenden zu lassen von Rang drei.

Zumal ja auch nicht alle Siege souverän eingefahren wurden, oder?

Eberl: Wir haben begeisternde Spiele gezeigt, aber einige Erfolge waren auch sehr schwierig und mühsam, wie gegen Nürnberg oder Hannover. Die Spieler müssen noch etwas obendrauf legen, noch konzentrierter sein. Jetzt werden wir nicht mehr als Underdog wahrgenommen werden.

War denn Borussia wirklich ein Underdog vor Saisonbeginn?

Eberl: In dem Sinne, dass wir nicht als ein Anwärter auf einen Champions-League-Platz gesehen wurden.

Also ist Platz drei nur eine Momentaufnahme?

Eberl: Die Platzierung ist nachhaltiger als wenn man etwa nur an einem Spieltag dort steht. Sie ist schließlich das Ergebnis der kompletten Hinrunde. Wir haben Mannschaften wie Dortmund, Schalke und Wolfsburg hinter uns gelassen, was unter normalen Umständen für uns unmöglich ist. Speziell wenn man sieht, dass Wolfsburg ein Verein ist, der schnell noch mal 35 Millionen Euro investieren kann. Hätte man uns das vorher gesagt, hätten wir geantwortet: Träumt schön weiter! Aber es ist wunderschön, dass so etwas doch möglich ist. Dessen müssen wir uns bewusst sein. Und das muss uns Kraft geben beim Versuch zu zeigen, dass dies nachhaltiger ist.

Ist es denn von der Psyche her schwieriger zu verteidigen als anzugreifen?

Eberl: Eine Bestätigung ist schwieriger als eine Überraschung zu erreichen. Doch diese Nachhaltigkeit streben wir an, wir wollen uns langsam dort oben festbeißen. Ich fordere aber, dass sensibel mit dieser Position umgegangen wird.

Wäre aber Platz acht nach dieser Vorrunde nicht enttäuschend?

Eberl: Enttäuschend wäre es, wenn die Mannschaft nicht erneut zeigen kann, was sie gezeigt hat. Es ist durchaus möglich, dass die Drei an uns vorbeiziehen. Es wird nicht immer alles so funktionieren wie bisher. Gegen Teams wie Dortmund oder Bayern musst du auch Glück haben. Es sind oft Kleinigkeiten, von denen Siege abhängen. Wenn etwa Juan Arango gegen Nürnberg höher gezielt oder Torwart Schäfer seinen Schuss gehalten hätte. Wir müssen halt hochkonzentriert in jedes Spiel gehen.

Aber jetzt sagen Sie bitte nicht: von Spiel zu Spiel denken...

Eberl: Für uns ist das weit mehr als eine Binse. In der Schicksalssaison 2010/2011 haben wir davon profitiert, als wir uns bei der Aufholjagd auch von Rückschlägen nicht haben kirre machen lassen. Wir sagen nicht: von Spiel zu Spiel denken – wir leben es!

Gladbach ist hoch positioniert und spielt auch auf hohem Niveau: Werden Transfers dadurch immer schwieriger?

Eberl: Wir bekommen es mit anderen Vereinen zu tun, die Konkurrenz wird namhafter. Aber Borussia ist eine hochattraktive Station.

Auch weil Lucien Favre als Trainer gilt, der Spieler verbessert. Allerdings setzt er auf eine Mannschaft, die er möglichst kaum ändert. Schreckt das nicht auch Kandidaten ab aus Sorge um genug Spielzeit?

Eberl: Unsere Stammelf ist erfolgreich. Kein Trainer der Welt wechselt in so einer Situation. Aber Julian Korb hat bewiesen, dass unser System immer noch durchlässig ist. Als die Konstellation sich so ergeben hat, hat er seine Chance genutzt und ist jetzt auch fest in der Mannschaft. Aber ganz bewusst haben wir nicht etwa 25, sondern nur 20 Feldspieler im Kader, um atmosphärische Störungen zu vermeiden. Er darf nicht zu groß, aber auch nicht zu klein sein. Wenn wir – wie momentan – drei Verletzte haben, bleiben nicht mehr viel.

Ist es denn angesichts der Klasse des „Fohlenstalls“ noch nötig, auch nach Talenten von außerhalb Ausschau zu halten?

Eberl: Ja, das zeigt das Beispiel des Wolfsburgers Julian Brandt, den wir gerne gehabt hätten, der aber leider zu Leverkusen gegangen ist. Und auch Christoph Kramer zähle ich trotz seiner 23 Jahre noch zu den Talenten. Diese Spieler werden wir weiter versuchen zu finden, das bleibt unsere Philosophie.

Hätten Sie es gerne gesehen, wenn die Bayern ihr letztes Testspiel gegen Salzburg nicht verloren hätten?

Eberl: Das ist völlig uninteressant. Sie wissen, dass wir am Freitag ein ernstzunehmender Gegner sein werden und auch, dass sie sich gegen uns immer schwer getan haben. Und wenn wir es hinbekommen, dass bei ihnen nicht alles funktioniert und bei uns alles funktioniert, haben wir eine Chance, sie zu schlagen.

Also brauchte Bayern die Niederlage nicht als Denkzettel?

Eberl: Den brauchen sie nicht. Sie haben genug Mahner, wie Matthias Sammer oder Uli Hoeneß.

Und Sie sind Borussias Mahner?

Eberl: Wir müssen ruhig und realistisch bleiben und nicht abheben bei dem Gedanken, was sich entwickeln kann. Wir haben jetzt starke Mannschaften im Rücken, die Druck machen werden. Wolfsburg etwa hat die Mittel, kurz- und langfristig sogar an Dortmund vorbeizuziehen. Der VfL bekommt Spieler, die andere auch wollen. Aber das macht mich nicht schlaflos. Wir müssen eben kreativ und intelligent vorgehen. Ich jammere nicht über unterschiedliche Voraussetzungen. Das habe ich ja gewusst, als ich meine Arbeit angefangen habe. Die Rolle des Davids nehme ich gerne an, der David war ich mein ganzes Leben.

Wie sieht die aktuelle Situation von Luuk de Jong aus?

Eberl: Luuk zeigt einen überragenden Charakter. Ich kann es zu 100 Prozent nachvollziehen, dass er unzufrieden ist. Das habe ich ihm und seinem Vater auch im Gespräch gesagt, und auch, dass wir versuchen, ehrlich mit dem Problem umzugehen.

Newcastle United soll einen Tausch mit Cissé vorgeschlagen haben.

Eberl: Luuk de Jong kann nur weg, wenn ich einen anderen Spieler finde, der uns weiterhilft.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert