Martin Hinteregger oder: Integration im Sauseschritt

Von: Marc Basten
Letzte Aktualisierung:
11552361.jpg
Zweikampfstark, aber auch gut als „Abläufer“: Martin Hinteregger (links) in zwei Phasen bei der Balleroberung zum Nachteil seines stürmischen Teamkollegens Josip Drmic. Foto: sport/Eibner

Belek. Im luxuriösen Hotel in Belek, wo Borussia Mönchengladbach noch bis Donnerstag das Wintertrainingslager verbringt, wurde letzten Freitagabend im Foyer gerade der riesige künstliche Weihnachtsbaum abgebaut, als die Mitarbeiter plötzlich innehielten. Es gab ein Blitzlichtgewitter und in die Eingangshalle trat ein gewisser Martin Hinteregger.

Ein kräftiger blonder Bursche in grünem Trainingsanzug, Neuzugang bei der Fohlenelf. Die Hotelbediensteten schauten fragend drein, um sich dann schulterzuckend ihrer Arbeit zuzuwenden. Diesen Fußballspieler, um den die deutschen Medienleute so ein Brimborium machten, kannten sie nicht.

Damit sind die fleißigen Angestellten nicht alleine. Fußballer aus Österreich nimmt man abseits der Alpenrepublik meist erst richtig wahr, wenn sie in eine der internationalen Topligen wechseln. Das gilt jedoch nicht für Max Eberl und sein Team.

„Wir haben Martin die letzten sieben Jahre beobachtet“, sagt Gladbachs Sportdirektor nicht ohne Stolz. Mit seinem jüngsten Transfercoup hat Eberl die eigenen Vorgaben erfüllt: „Was ich immer sage – unser Augenmerk liegt auf hungrigen Spielern. Wir sind ein hungriger Verein.“

Um den Hunger zu stillen, greifen die Borussen tief in die Tasche. Rund neun Millionen Euro, so wird gemutmaßt, kostet das „Gesamtpaket Hinteregger“. Nach „harten, aber fairen Verhandlungen“ (Eberl) mit Red Bull Salzburg eisen die Gladbacher den Nationalspieler zunächst für ein halbes Jahr auf Leihbasis vom Tabellenführer der österreichischen Bundesliga los.

Im Sommer gibt es dann eine Kaufoption für die Fohlenelf. Dass die unter normalen Umständen gezogen wird, steht fest. „Wir wissen schon, was wir kriegen“, sagt Eberl. „Wir haben mit Martin einen klaren Plan.“

Doch wer ist nun dieser 23-jährige Martin Hinteregger, den der Boulevard als „Ösi-Kante“ ankündigt und dessen Ruf in der Heimat nicht ganz so astrein ist? Zunächst einmal hinterlässt der Blondschopf tatsächlich Eindruck. Er ist mit 1,84 Metern zwar nicht riesengroß, aber er wirkt sehr kräftig. So wie einer, der sich von einem gegnerischen Stürmer nicht so einfach zur Seite schieben lässt.

Doch ein athletischer Abräumer allein wird den Gladbachern kaum reichen. Es sind auch andere Qualitäten gefragt, die Hinteregger mit breitem österreichischen Akzent durchaus selbstbewusst formuliert: „Ich bin in der Spieleröffnung sehr gut, sehr zweikampfstark und habe ein sehr gutes Stellungsspiel.“

Trainer André Schubert sieht in Hinteregger einen, der „mit einer hohen Geschwindigkeit gegenhalten kann“ und Max Eberl prophezeit: „Mit seiner Spielweise ist er eine Bereicherung für unseren Kader.“

„Martin weiß, wie es ist, hoch zu verteidigen“, sagt Eberl. Unter dem heutigen Leverkusener Trainer Roger Schmidt, der seine Mannschaften extremes Pressing spielen lässt, hatte Hinteregger bei RB Salzburg seinen Durchbruch. „Dass er diese Spielweise kennt, ist sicherlich kein Nachteil“, sagt André Schubert.

In den ersten Trainingseinheiten wird deutlich, dass die Gladbacher mit Hinteregger als Soforthilfe planen. „Der Integrationsprozess ist in ein paar Tagen abgeschlossen“, ist sich André Schubert sicher. Bei den Spielformen im Training agierte der Neuzugang meist als linker Mann der Dreierkette oder linker Innenverteidiger in der Viererkette. Defizite bestehen wohl am ehesten bei der „körperlichen Fitness“, wie Hinteregger einräumt und was sein Trainer bestätigt: „Konditionell muss er schnell den Anschluss finden.“

Auf dem Trainingsplatz sieht es dennoch schon ganz gut aus, was der Österreicher zeigt. Präsent und zupackend im Zweikampf, ruhig und sicher am Ball mit einem vernünftigen Passspiel. „Martin hat knapp 200 Pflichtspiele auf hohem Niveau absolviert“, wischt Max Eberl alle Bedenken vom Tisch, dass Borussia für viel Geld nur ein Nachwuchstalent geholt hat.

Hinteregger ist ein gestandener Spieler, der seine Jugendsünden („Ich war jung und naiv“) abgehakt hat. In Mönchengladbach möchte er den nächsten Schritt in seiner Karriere machen. „Ich will zeigen, wozu ich imstande bin und das Vertrauen zurückgeben, das der Verein in mich setzt“, kündigt Hinteregger an. Klappt das, wird er künftig weniger fragende Blicke auf sich ziehen, wenn er irgendwo erscheint.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert