Lieferzeit für Schubert und Hinteregger

Von: Bernd Schneiders
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Wie man es auch dreht und wendet: Borussia muss die Anzahl der Gegentore reduzieren. Martin Hinteregger ist dabei ein Hoffnungsträger. Foto: sport/Horstmüller

Mönchengladbach. Am Freitag bricht die Lieferzeit für André Schubert an. Nicht, dass sein Klub, Borussia Mönchengladbach, bereits so vermessen ist, einen Sieg bei Mainz 05 als selbstverständlich anzusehen. Doch der 44-jährige Trainer muss nachweisen, dass er bei der Aufgabe, die Balance zwischen Offensive und Defensive zu finden, zumindest einen Schritt weitergekommen ist.

Das Alibi vom vergangenen Samstag, die auch als Selbstschutz überhochgepriesene Qualität von Borussia Dortmund, fällt weg. Der Tabellenzweite mit seinem ambitionierten Trainer Thomas Tuchel bot aber den besten Anschauungsunterricht, wie eine unter dessen Vorgänger Jürgen Klopp auf Hetzfußball getrimmte Mannschaft die Anforderungen Angriff und Abwehr miteinander versöhnen kann.

Diese strukturelle Weiterentwicklung ist auch die Aufgabe von André Schubert, der sich nach wie vor zum Spektakel bekennt, aber immerhin zugesteht: „Es geht immer um Punkte.“

Drei gegen den BVB nicht geholt zu haben, ist nicht verwerflich. Aber man kann auch anders verlieren als die Schubert-Elf beim 1:3. „Wir müssen unser Gegenpressing und das Umschaltverhalten bei Ballverlust besser organisieren“, beschreibt der Gladbach-Coach seinen Stundenplan.

Ohne strukturelle Eingriffe beim Vorwärtsdrang, wie am Samstag also, wirkt diese Offensiv-Philosophie ansonsten wie ein Mensch, der zu kraulen versucht, ohne schwimmen zu können. Wirklich überraschend kommt es nicht, dass die Malaise mit den vielen Gegentoren noch nicht durchgehend abgestellt ist. Immerhin hatte Schubert bereits nach dem Trainingslager in Belek erklärt, dass er nicht genügend Zeit gehabt habe, seinen Spielern das nötige Rüstzeug für seine Art von Fußball zu vermitteln.

Das 2:5 im letzten Test beim VfL Bochum war ein letztes Warnzeichen, das auch durch die Erklärung des Trainers –„Ergebnisse von Testspielen sind uninteressant“ – nicht weniger grell blinkte. Die Bundesliga im Allgemeinen und die Dortmunder im Speziellen als Schulungsobjekt „zu verstehen, nach dem Motto: learning by doing“, war fatal.

Und auch Schuberts Verwunderung über das Ausmaß der öffentlichen Diskussionen rund um seine Borussia über die Flut an Gegentoren ist wenig zielführend. „Kurios! Wir haben nach dem 5. Spieltag eine sehr, sehr gute Serie hingelegt und stehen heute auch nach Punkten nicht schlecht da.“ Auch dank der kollektiven Unterstützung der Konkurrenz am 18. Spieltag, die sich ebenfalls hartnäckig und erfolgreich weigerte zu punkten.

Freitagabend in Mainz könnte aber auch ein personeller Eingriff den Gladbachern mehr defensive Stabilität verleihen. Viele Gründe gibt es eigentlich nicht mehr, das Startelf-Debüt von Martin Hinteregger erneut zu verschieben. Der Österreicher könnte zumindest die Fuß-Balance in der Viererkette zurückbringen.

Mit dem Nationalspieler stünden den „Rechten“ Julian Korb und Andreas Christensen mit Hinteregger und Oscar Wendt endlich wieder zwei Linksfüßler zur Seite. Wenn nicht der Schwede in eine neue Bresche springen müsste. Mo Dahoud muss wegen einer Handverletzung (tiefer Schnitt) in Mainz aussetzen.

Wendt oder Schulz als Sechser?

Wendt hat diese Sechserposition im Training eingeübt. Aber auch Marvin Schulz ist eine Option. Schubert hat wenig Lust, Licht in das Dunkel dieser Problematik zu bringen. „Ich werde den Teufel tun!“ Der Ausfall von Dahoud sei schlimm genug, „den Vorteil aus diesem Nachteil, dass der Gegner unsere Aufstellung nicht kennt, wollen wir uns nicht nehmen“.

Ob mit Wendt oder Schulz oder wem auch immer vor der Abwehr – eins schließt Schubert trotz aller Defensivdefizite kategorisch aus: „Wir werden uns nicht hinten reinstellen.“ Ein 0:0 ist für den Fußballlehrer kein Ziel. Auch wenn er wertet: „Punkte sind wichtiger als Tore.“ Ein „auch als Gegentore“ lässt sich nach den Erfahrungen der vergangenen Wochen nur schwer verkneifen.

Voraussichtliche Aufstellung: Sommer - Korb, Christensen, Hinteregger, Wendt - Traoré, Nordtveit, Schulz, Johnson - Stindl, Raffael

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