Königsklasse: Ohne Raffael misslingt die Sensation

Von: Bernd Schneiders.
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Die erste Unaufmerksamkeit ausgenutzt: Thorgan Hazard (Mitte) markiert gegen Barça-Torwart Marc André ter Stegen das 1:0 für die Borussia. Am Ende setzten sich aber die favorisierten Spanier mit 2:1 durch. Foto: team2

Mönchengladbach. Fairness hat ihre Grenzen. Da hatte Borussia Mönchengladbachs Teammanager Steffen Korell versprochen, weil dem FC Barcelona Überspieler Lionel Messi fehle (Adduktoren), würde der Bundesligist – als Ausgleich quasi – auch auf Raffael (Adduktoren) verzichten.

Doch es blieb bei dem Scherz: Bei Gladbachs Brasilianer waren vor dem Champions-League-Spiel gegen die beste Fußballmannschaft der Welt die Schmerzen verflogen, den Feiertag im Borussia-Park wollte der 31-Jährige nicht verpassen. Gladbachs Bester also von Anfang an dabei, Messi widerfuhr keine Wunderheilung. Borussias A-Mannschaft gegen Barças „B-Mannschaft“ also, dennoch unterlagen die Gastgeber den favorisierten Katalanen mit 1:2.

Den Heilungsprozess bei Raffael könnte der Druck seiner beiden Söhne beschleunigt haben. Die verlangten von Papa das Trikot von Barcelonas Superstar Nr. 2, Neymar. Für den brasilianischen Nationalspieler standen die Fans schon bei der Auffahrt auf den Borussia-Park-Parkplatz Spalier. Nur um einen Blick auf den Kunst-Blondschopf mit der extravaganten Frisur zu erhaschen. Neymar stieg als Letzter aus dem Bus, unterhalb des fast weißen Haupthaares ging es weit weniger extravagant zu. Keine schwarzen Anzüge, Neymar & Co. waren kollektiv in legere Jeansjacken gewandet.

Spalier standen die Spieler aus der Textilstadt Mönchengladbach nicht. Julian Korb wartete erst auf dem Rasen auf den trickreichen Torjäger. Dem Rechtsverteidiger hatte André Schubert das Vertrauen geschenkt, ebenso Ibrahima Traoré und Mo Dahoud. Nicht gerade eine defensiv ausgerichtete Auswahl. Und so legten die Borussen gleich los, als gebe es keinen Morgen. Thorgan Hazard stand kurz vor der Sensationsführung, doch Abwehrchef Gerard Piqué blockte den Schuss unbestraft mit dem Arm ab (3.).

Neymar hatte stets viel Gesellschaft. Gleich zwei, drei Gladbacher stürzten sich wie die Habichte auf den Brasilianer, sobald er an den Ball kam. Gegenseitig helfen, war das Konzept. Und genauso warfen sich die Schubert-Schützlinge aufopferungsvoll in die Schüsse der Katalanen. Beseelt und offensichtlich überzeugt von der Vorgabe ihres Sportdirektors Max Eberl, die Heroisierung der spanischen Mannschaft nicht zu weit zu treiben, jagten Hazard & Co. aber auch Richtung Tor des Ex-Gladbacher Keepers Marc-André ter Stegen.

Ein Gemeinschafts- und obendrein Kunstwerk war auch die Führung, mit der Borussia die Gäste schockte. Dahoud eroberte den Ball im Mittelfeld gegen Sergio Busquets, Raffael leitetet auf links weiter erneut auf Gladbachs Mittelfeldtalent, und dessen Reingabe konnte Hazard mühelos zum 1:0 einzuschieben (34.). „Wenn ich sehe, mit wie viel Herzblut wir spielen, ist die Führung verdient“, kommentierte Borussias Vizepräsident Rainer Bonhof zur Pause.

Highspeedfußball gegen überraschte Barça-Stars, ein Riesenaufwand, und der ebenfalls überraschte Beobachter fragte sich, welche elf Spieler Schubert wohl zur Halbzeit einwechseln würde. Nun, erst mal einen, und das kurz nach dem Start in die zweite Halbzeit. Die Wunderheilung bei Raffael, dem unermüdlichen Antreiber und kreativen Kopf der Abteilung Attacke, hielt nur 48 Minuten. Der überragende Mann der ersten Hälfte musste verletzt runter, Fabian Johnson kam.

Schwächung der Schubert-Elf, die jetzt mit mehr Ballzirkulation dem Kräfteabbau vorbeugen wollte. Barcelona bestrafte den Barça-Stil. Der eingewechselte Arda Turan wuchtete den Ball nach einem Neymar-Zuspiel unter die Latte (65.). Die Mannschaft von Luis Enrique blieb dran, Piqué staubte nach einer Ecke zum 2:1 ab (74.).

Jetzt noch mal zurückkommen? Das war zu viel für die nun müden Gladbacher. Doch es bleibt: Barcelona hat Borussia kennengelernt – und Raffael auch.

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