Interimstrainer André Schubert wird Rekordmann

Von: Stefan Hermanns
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Jubelpaar: Torschütze Raffael (l.) und Ibrahima Traoré feiern Mönchengladbachs furiosen Auswärtssieg in Berlin. Foto: sport/contrast

Berlin. Die Widerstandsfähigkeit von Max Eberl wurde zum Schluss noch einmal auf eine harte Probe gestellt. Johannes van den Bergh beließ es noch bei einem leichten Klaps auf seine Schulter, Alexander Baumjohann, der zweite frühere Borusse, warf sich schon mit Wucht an Eberls Brust, und in der Folge prasselten auch noch die Pranken von Ronny und Valentin Stocker auf seinen Rücken, dass es nur so klatschte.

Möglicherweise hat Eberl, der Sportdirektor von Borussia Mönchengladbach, die Rückreise mit ein paar blauen Flecken angetreten; generell aber überstanden die Gladbacher den Ausflug nach Berlin unversehrt an Leib und Seele. Schmerzen empfanden eher Herthas Fußballer, die sich vor dem Spiel mindestens auf Augenhöhe gewähnt hatten, den Gladbachern aber letztlich nichts entgegenzusetzen hatten.

„Das ist eine gute Mannschaft. Fertig“, sagte Herthas norwegischer Mittelfeldspieler Per Skjelbred. „Die waren einfach besser.“ 4:1 hieß es am Ende für die Gäste. Es war Borussias höchster Sieg gegen Hertha seit 35 Jahren, der höchste überhaupt in Berlin – und der sechste im sechsten Bundesligaspiel unter Interimstrainer André Schubert. Als er die Mannschaft 40 Tage zuvor von Lucien Favre übernommen hat, lag sie abgeschlagen am Tabellenende. Durch den Sieg im Olympiastadion rückten die Gladbacher nun zum ersten Mal in dieser Saison auf einen Europapokalplatz vor. Von einer solchen Entwicklung hätte vermutlich nicht mal der größte Optimist zu träumen gewagt. „Ich hätte es nicht für möglich gehalten“, sagte selbst Eberl.

Gegen Hertha, vor dem Spieltag immerhin Fünfter, bestimmten die Gladbacher von Beginn an das Geschehen. Sie spielten geduldig, sammelten wie zu Favres Zeiten Ballbesitz wie andere Treuepunkte und passten den perfekten Moment zur Führung ab. Mit einem grandiosen Steilpass durchschnitt Granit Xhaka Herthas Defensive, Fabian Johnson scheiterte noch an Torhüter Rune Jarstein, doch Oscar Wendt vollendete zum 1:0. Und als der frühere Berliner Raffael nach einem Sololauf durchs Mittelfeld auf 2:0 erhöhte, war die Angelegenheit eigentlich schon erledigt.

„Das war viel zu schnell für uns“, sagte Herthas Trainer Pal Dardai über das Spiel der Gladbacher, für die Xhaka nach der Pause per Elfmeter zum 3:0 und Harvard Nordtveit in der Nachspielzeit zum 4:1 getroffen hatte. Dass die Borussia durch Baumjohann mal wieder ein Elfmetergegentor kassierte, fand Eberl zwar „ein bisschen überflüssig“, spielte in der Gesamtbetrachtung allerdings keine große Rolle. Inzwischen wird eher über ein anderes Thema diskutiert: darüber, wann bei André Schubert endlich das Interims- aus seiner Jobbezeichnung gestrichen wird. „Was will man eigentlich noch mehr?“, fragte Kapitän Xhaka. „Ich will mich da gar nicht einmischen. Der Vorstand weiß, was er machen muss. Max weiß das auch.“

Hört sich so an, als hätte Eberl gar keine andere Wahl, als Schubert dauerhaft zum Chef zu befördern. Zumindest den Segen der Mannschaft hätte er. „Ich hoffe, dass er bleibt“, sagte Raffael. Und Xhaka ergänzte: „Ein Spieler, der sagt: Och, passt doch nicht - der hat keine Ahnung.“ Ob das auch für seinen Sportdirektor gilt, sagte der Schweizer nicht. Aber die Gefahr, dass dieser Fall eintritt, scheint von Woche zu Woche geringer zu werden. „Es kann jeder beruhigt sein“, sagte Eberl. „Wir sehen schon, was passiert.“ Mit dem sechsten Sieg hat Schubert immerhin den Bundesligastartrekord von Willi Entenmann aus dem Jahr 1986 eingestellt.

Eine schnelle Ablösung steht ohnehin nicht zur Debatte, „wir werden die für alle günstige Situation nicht unterbrechen“, sagte Eberl. Aber neben solch pragmatischen Erwägungen gibt es längst genügend Argumente, die für eine dauerhafte Anstellung sprechen. „Er macht eine großartige Arbeit“, bekannte Borussias Sportdirektor. „Da ist eine Option entstanden, eine sehr gute Option, die wir im Haus haben.“ Vermutlich weiß das auch Schubert, der die Debatte schon gelassen verfolgt. „Wir sind alle Interimstrainer“, sagte er. „Ich hab’ nur keinen Vertrag.“

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