Herrmanns Schuss eröffnet Gladbach Europa-Perspektive

Von: Bernd Schneiders
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Torhüter-Duell: Gladbachs Marc-André ter Stegen fischt dem Kollegen Ralf Fährmann den Ball vom Kopf in der Nachspielzeit. Foto: dpa

Gelsenkirchen. Da hatte Max Eberl seine Mannschaft vom Niveau her in den Europa-League-Rängen eingeordnet. Doch die Mönchengladbacher Profis protestierten auf ihre Weise gegen die Taxierung ihres Sportdirektors: Auf Schalke, wo die Borussen seit 22 Jahren nicht mehr gewonnen hatten, zeigten sie sich dem Tabellendritten überlegen und gewannen hochverdient mit 1:0 durch ein Tor von Patrick Herrmann.

„Schön, dass diese Serie gebrochen ist“, frohlockte Eberl. „Der Stadionsprecher hat sie vor dem Anpfiff drei Mal erwähnt. Das war die Quittung.“

Die Quittung, die der Manager von seinen Spielern erhielt, war eine angenehme. Bei sechs Punkten Vorsprung vor Platz acht und einem deutlich besseren Torverhältnis, dürfte die Teilnahme an der Europa League nicht mehr zu nehmen sein. Und weil jetzt der Druck abgefallen ist, macht Eberl eine neue Rechnung auf: „Zu 99,7 Pozent sind wir in Europa. Und jetzt versuchen wir noch mehr!“

Nur noch drei Punkte hinter Platz vier: In das Halali seines Sportdirektors wollte Trainer Lucien Favre nicht einfallen. „Jetzt müssen wir Mainz schlagen.“

Europa-League-Kandidat beim Champions-League-Aspiranten: Ein tabellenmäßig uninformierter Beobachter hätte die Konstellation eher umgekehrt vermutet. Die Favre-Elf wirkte sehr konzentriert, was einige Ungenauigkeiten zu Beginn nicht ausschloss. Aber von einer Verunsicherung, nachdem sie vor einer Woche ebenso spektakulär wie dämlich einen scheinbar sicheren Sieg in Freiburg verdaddelt hatten, war bei den Gästen nichts zu spüren. Da ging bei Schalke wesentlich mehr schief.

Gladbach, das den erneut erkrankten Filip Daems ersetzen musste (Alvaro Dominguez übernahm seine linke Abwehrseite, Julian Korb rutschte in die Startelf), wurde immer dann gefährlich, wenn es über die Außen spielten. Hierbei zeigte Rückkehrer Julian Korb seine Schnelligkeit auf Rechts, Herrmann tummelte sich zur Verblüffung der Gelsenkirchener oft auf Links. Wie in der 14. Minute, als Korb aus vollem Lauf flankte, Patrick Herrmann in das Zuspiel sprintete, aber an Schalke-Keeper Ralf Fährmann scheiterte. (Favre: „Das hat Selbstvertrauen gegeben.“)

Als im Gegenzug Kevin-Prinz Boateng mit einem Gewalt-Volley-Aufsetzer Marc-André ter Stegen zu einer Glanzparade zwang, duftete das Spiel urplötzlich nach einem offenen Schlagabtausch. Doch der Geruch verzog sich bald – Schalkes Spiel blieb zu fehlerhaft und unispiriert.

Die Bestrafung vollzog sich fast biblisch: Bei einem eher harmlosen Pass von Raffael wich die Gäste-Abwehr wie seinerzeit das Rote Meer zurück: Der Ball fand seinen freien Weg zu jemandem, der selbst mit seinem starken Fuß wenig Schrecken unter den Bundesliga-Torhütern verbreitet. Patrick Herrmann aber hatte plötzlich sogar den Mut, von der Strafraumgrenze mit seinem linken Fuß abzuziehen: erfolgreich, ein goldenes Tor, das den Weg in den internationalen Wettbewerb (35.) ebnet.

Dabei hatte Borussia vor dem Spiel den heißen Atem von Augsburg im Nacken gespürt. Die Bayern waren durch ihren Sieg über den HSV auf drei Punkte herangerückt – und haben obendrein mit den Spielen in Braunschweig und zu Hause gegen Frankfurt das vermeintlich leichtere Restprogramm. „Da richten wir es eben selbst“, umschrieb Eberl die Do-it-yourself-Einstellung seiner Mannschaft, die sich nicht auf Ausruscher der Konkurrenten verlassen mochten.

Die Qualität zeigte sich diesmal auch nach der Pause. Selbst, als Trainer Jens Keller mit der Einwechslung von Klaas-Jan Huntelaar und später Santana die Brechstange auspackte, blieb Gladbach die gefährlichere Mannschaft. „In der zweiten Hälfte haben die Jungs es probiert, aber nicht mit Kopf“, erklärte Keller die Unzulänglichkeiten.

Den benutzten dafür die Favre-Schüler: Die Statistik verbuchte nur ein einziges Foul der Gäste – in der 90. Minute durch den eingewechselten Roel Brouwers. Das ist, was der Schweizer Trainer unter „intelligentem Verteidigen“ versteht. An diesem Abend zeigten sich Stranzl & Co. als Musterschüler.

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