Mönchengladbach - Herrmanns Kampf um Mut und Minuten

Herrmanns Kampf um Mut und Minuten

Von: Bernd Schneiders
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Schnell, aber fragil: Gladbachs Sprintstürmer Patrick Herrmann hat seine Jungenhaftigkeit immer noch nicht abgelegt. Foto: sport/Chai v.d.Laage

Mönchengladbach. Natürlich wollte jemand von Lucien Favre wissen, ob denn Alvaro Dominguez erneut hinten links spielen würde. „Oh lala“ mimte der frankophone Schweizer den Überraschten angesichts der Verwegenheit dieser direkten Frage.

Natürlich beantwortete Mönchengladbachs Trainer auch diese Personalie wie immer vor einem Bundesligaspiel nicht. Da bildete auch die Partie heute gegen den VfB Stuttgart keine Ausnahme. Die Frage, die unweigerlich ein „Mais ouiiiiiiiiiiiii“ des Fußballer-Entwicklers provoziert hätte, wurde nicht gestellt: „Wird Patrick Herrmann wieder ausgewechselt werden?“

Am vergangenen Wochenende bugsierte Favre den Flügelflitzer in die Bundesliga-Geschichtsbücher, mit einem Rekord, auf den der 23-Jährige gerne verzichtet hätte. Zum 26. Mal in dieser Spielzeit wurde Herrmann ausgewechselt – das war noch keinem Spieler in fast 51 Jahren Bundesliga in einer Saison widerfahren.

Nun gilt sein Trainer nicht unbedingt als ein Liebhaber des personellen Tausches. Doch Borussia-Sprintstürmer lässt ihm keine Chance. Die Konstitution des immer noch jungen Profis lässt ihm keine Chance. Herrmann ist schnell, aber auch – relativ – schnell verbraucht. Über 90 Minuten kann er seinen enormen Speed nicht abrufen. Er verglüht früher, und ein Marathon-Sprint über 90 Minuten ist auch in seinem Fall nicht antrainierbar.

Die Jungenhaftigkeit wird er nie verlieren, auch nicht im Zweikampf oder beim Torschuss – was Trainer und Publikum akzeptieren müssen. Das fällt auch nicht weiter schwer, da Herrmann, der an einem guten Tag ein Spiel auch alleine entscheiden kann (vor der 90. Minute natürlich), nicht zu der stark verbreiteten Fußballprofi-Klientel gehört, das sein Vermögen – das sportliche – überschätzt.

Patrick Herrmann ist auch abseits des Rasens ein höflich-bescheidener Junge geblieben. Sprüche eines Granit Xhaka oder die Chuzpe eines Max Kruse sind ihm fremd. Doch kommentarlos stehenlassen wollte er den Eintrag ins Bundesliga-Buch der Rekorde auch nicht. „Natürlich hatte ich auch mal schwächere Spiele dabei, aber sicher nicht 26.“

Dem wird auch Lucien Favre nicht mit einem „Oh lala!“ widersprechen. Der Schweizer liebt Geschwindigkeit. Doch um seine Mannschaft weiter zu entwickeln, benötigt er auch Spieler, die schnell, aber weniger fragil als Herrmann sind. André Hahn, Stürmer des FC Augsburg, wird diese Komponente ab dem Sommer einbringen. Und auch Ibrahima Traoré. Der Außenspieler des heutigen Gegners ist Teil der „Verschnellerungskur“, die Favre gemeinsam mit Sportdirektor Max Eberl ihrem Borussen-Kader verordnet hat. Wie geschehen bei Hahn und dem ebenfalls schnellen Fabian Johnson (Hoffenheim), wird der Transfer aber erst in den Tagen nach dem Spiel gegen den VfB bestätigt werden.

Beispiel Arjen Robben

Beim Sieg der Stuttgarter am Wochenende gegen Freiburg wurde Traore nicht ausgewechselt. Mit der Robustheit eines Hahn oder Traoré wird Patrick Hermann nicht konkurrieren können. Deshalb muss er an seinen 90-minus-x-Einsätzen feilen, um nicht von einem Auswechsel- zum Einwechselkönig zu werden. Arjen Robben hat gegen ManU bewiesen, dass Einzelaktionen eines Sprinters gewinnbringend sein können, wenn es in der Kombinationsmaschinerie wegen fehlender Präzision klemmt. Das unbedingte Wollen, den Egoismus, es immer und immer wieder auch allein zu versuchen, ist auch für einen Schnell(ver)glüher wie Patrick Herrmann in Maßen erlernbar. Heute kann der Gladbacher Junge seine zukünftigen Konkurrenten damit beeindrucken – und den VfB Stuttgart auch.

Mögliche Aufstellung: ter Stegen – Korb, Jantschke, Brouwers, Dominguez (Daems) – Kramer, Nordtveit – Herrmann, Arango – Raffael, Kruse

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