Herrmann verzaubert den Borussia-Park: Gladbach fertigt Stuttgart ab

Von: Bernd Schneiders
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Kleiner Jubeltanz: Fabian Johnson (von links) und Lars Stindl umarmen den Torschützen Thorgan Hazard nach dem fein herausgespielten Führungstreffer. Foto: dpa

Mönchengladbach. Ende September 2015 gab es den Modellwechsel bei Borussia Mönchengladbach. Trainer André Schubert führte eine neue Linie ein, erkennbar am Kürzel RS. Das steht für Risiko und Spektakel. Dazu schaltete der 44-Jährige die automatischen Sicherheitssysteme seines Vorgängers Lucien Favre ab. Zurückhaltung und Hightech-Assistenten waren gestern, der 44-Jährige setzt auf Dynamik und Spaß.

Tiefergelegt, aber in der Tabelle ging es für das Schlusslicht steil nach oben. Die Zuschauer des mittlerweile Tabellenvierten erhalten dadurch in der Regel Unterhaltung pur. Das war auch gegen den VfB Stuttgart nicht anders. Die Schwaben, die nach dem Trainer-Wechsel zu Trainer Jürgen Kramny einen sensationellen Aufschwung erlebten, wurden mächtig ausgebremst: Mit 4:0 fertigten die Gladbacher den Gast ab, Spektakel inklusive.

Schuberts Elfsitzer wurde nur auf einer Position umgebaut: Der entsperrte Lars Stindl kam zurück, Ibrahima Traoré musste dafür gegen seinen Ex-Verein auf die Bank. Schuberts Gegenpart änderte doppelt so viel: Für den gegen Hannover müde wirkenden Ex-Gladbacher Lukas Rupp erhielt Martin Harnik eine Chance, und für Rückkehrer Daniel Didavi musste Alexandru Maxim weichen.

Besonders heikel im Gladbacher System ist die Zentrale. Hier muss der Offensivdrang fein dosiert werden, um nicht aus der Kurve zu fliegen. Das gelingt dem dauer-juvenilen Granit Xhaka nicht immer, und auch sein Partner Mo Dahoud ist als Fahranfänger oft noch zu forsch im Vorwärtsdrang. Auch wegen dieser Kinderkrankheit des neuen Modells stellte Borussia mit 40 Gegentoren bis zum 24. Spieltag die drittschlechteste Abwehr der Liga.

Umbau zur Dreierkette

Nachzuvollziehen, dass Schubert genau hier, im Herzen seines Spielsystems, eingriff: Gegen die offensivstarken Gäste baute er in der Defensive auf eine Dreierkette um (Elvedi, Christensen, Nordtveit), davor verdichtete eine Viererkette den Durchgang zum eigenen Tor (Johnson, Dahoud, Xhaka, Wendt), vorne tummelten sich Raffael, Thorgan Hazard und Stindl. Die Pseudostürmer waren von der VfB-Abwehr nur schwer zu fassen, flexibel interpretierten sie ihren Offensivauftrag. Speziell Hazard bereitete der linken Stuttgarter Abwehrseite große Probleme.

Weniger schwierig war für den Belgier der Führungstreffer. Xhaka hatte Johnson auf die Reise geschickt, der US-Amerikaner spielte den Ball von der Grundlinie so perfekt vors Tor, dass Hazard nur noch eindrücken musste (16.).

Jetzt lief die Gladbacher Angriffsmaschinerie wie geschmiert. Der sonst so kaltblütige Stindl ließ eine Großchance liegen, als der quirlige Raffael sogar bereits VfB-Keeper Przemyslaw Tyton ausgespielt hatte, der Ex-Hannoveraner aber den Ball aus kurzer Distanz neben das Tor setzte (37.). Pech hatte neben Hazard, der einen Rückpass erneut von Raffael unter die Latte knallte (43.), auch Wendt, der zuvor mit einem Muskelfaserriss im rechten Oberschenkel ausgewechselt werden musste (28.).

Auch die Stuttgarter lieben das Offensivspiel, Kramny ist es gelungen, das Risiko-System seines Vorgängers Alexander Zorniger in sicherere Bahnen zu lenken. Doch bei 0:1-Rückstand mussten die Schwaben einen Gang hochschalten. Ideal für Lückensucher und -finder wie Raffael & Co. Nach einigen Fehlversuchen fiel zwangsläufig das 2:0: Raffael nutzte einen Aussetzer von Tyton (59.). Das Sahnehäubchen aber servierte Schubert: Der Gladbach-Coach wechselte Patrick Herrmann für Hazard ein (66.). Keine Minute später ließ der Stürmer bei seinem zweiten Einsatz nach seiner Verletzung seinen Trainer und den Borussia-Park ausrasten: Gekonnt setzte er den Ball an Tyton vorbei zum 3:0 ins Netz. Das Eigentor von Kevin Großkreutz zum 0:4 unterstrich Borussias Übermacht (90.). Trainer Schubert ging zufrieden in den Feierabend: „Unsere Leistung war komplett gut. Unser Ansatz ist der Offensiv-Fußball. Die Mannschaft hat das überragend gemacht.“

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