Hecking enttäuscht über Gladbachs zähes Remis

Von: Christoph Ruf
Letzte Aktualisierung:
35453
Großchance: Raffael bekommt den Ball nicht an 98er-Keeper Michael Esser vorbei. Foto: imago/Eibner

Darmstadt. Es war mal wieder der Sportdirektor, der sich nach dem zähen 0:0 in Darmstadt als erster erbarmte und den vor Kälte bibbernden Journalisten die Gladbacher Sicht der Dinge mitteilte: „Das war ein erster Schritt, den wir gemacht haben“, sagte Max Eberl also, und dass er das Remis aufgrund des Gladbacher Chancenübergewichts „mindestens verdient“ fand.

Und damit hatte er ja auch Recht. Denn tatsächlich waren es ja die Gladbacher gewesen, die durch Jonas Hofmann, Oscar Wendt und einen Kopfball von Jannik Vestergaard zumindest erwähnenswerte Torabschlüsse hatten. Zudem gab es ja noch zwei echte Torchancen: den Pfostenschuss von Thorgan Hazard (66.) und die vergeben Großchance von Raffael, der freistehend am Darmstädter Keeper Michael Esser gescheitert war (10.).

Vor dem Darmstädter Tor war also dann doch wesentlich mehr los gewesen als vor dem von Yann Sommer. Gladbachs Keeper war im Grunde völlig beschäftigungslos, denn auch unter dem neuen Coach, dem Würselener Torsten Frings, weiß niemand, wie diese in der Offensive so schwach besetzte Darmstädter Elf je wieder ein Tor schießen soll.

Wenn der neue Mann auf der Gladbacher Bank, Dieter Hecking, dann auch erst mal betonte, dass er eine Mannschaft betreue, die „noch um Vertrauen ringt“, traf das genau ins Schwarze. Denn gegen die individuell am schwächsten besetzte Bundesliga-Mannschaft hätte einfach mehr drinsein müssen als ein Chancenplus und die Tatsache, dass man in Darmstadt genauso viele Punkte geholt hat wie in den acht Auswärtsspielen zuvor. Nämlich einen. „Man wünscht sich natürlich immer mehr, aber für heute will und kann ich mit dem Punkt leben“, sagte Hecking noch.

Verdenken kann man ihm diesen Pragmatismus nicht. Zumal die meisten Auswärtsauftritte der Borussia in den vergangenen Monaten eher noch schwächer waren als dieses Spiel unter winterlichen Rahmenbedingungen, die flüssigen Kombinationsfußball auch nicht unbedingt erleichtern.

Dahoud fehlt jede Präzision

Und doch war es ein freudloser Auftritt der Borussen, die ihren Teil dazu beitrugen, dass es ein Spiel wurde, bei dem über 90 Minuten wenig fußballerisch Ansprechendes zu sehen war. Darmstadt ist eine Mannschaft, die mit einem Mini-Etat alles versucht, um mit einem letztlich nicht konkurrenzfähigen Kader die Klasse zu halten. Da sind eine massierte Defensive, das Lauern auf Standards und das Setzen auf lange, hohe Bälle, nichts, das man kritisieren dürfte.

Doch umso mehr fiel auf, dass sich Mönchengladbach fußballerisch auch nicht sonderlich abhob. Natürlich ist Mahmoud Dahoud ein feiner Fußballer, aber seinen wenigen Versuchen, das Spiel schnell zu machen und für Überraschungsmomente zu sorgen, fehlten jede Präzision – die Bälle landeten nur selten beim Mitspieler. Auch Lars Stindl, ebenfalls technisch gut ausgerüstet, hatte keinen guten Tag erwischt.

Und da Christoph Kramer mit Defensivaktionen völlig ausgelastet war, blieb das nominell so gut besetzte Gladbacher Mittelfeld eine unkreative Zone. Immerhin Jonas Hofmann, von Hecking aus der Versenkung geholt, spielte besonders in der Anfangsphase auffällig und empfahl sich für weitere Einsätze. Ein Lichtblick, mehr nicht.

Hecking dürfte das nicht anders gesehen haben, doch die Angst davor, den dringend notwendigen Neustart durch eine Niederlage beim Tabellenletzten gleich zu verpatzen, hinderte ihn offenbar daran, noch mehr ins Risiko zu gehen: „Wir wussten, dass der Gegner über lange Bälle und seine Standards immer gefährlich sein kann.“

Immerhin: Mit Ba-Muaka Simakala kam ein Spieler aus dem eigenen Nachwuchs zu seinem Bundesligadebüt. In der 80. Minute wechselte Hecking den gebürtigen Eschweiler ein und dokumentierte damit den Willen, dem eigenen Nachwuchs wieder mehr Beachtung zu schenken. Eine Erwartung hat der Mann, der bei seiner Inthronisierung betont hatte, dass er es gut mit jungen Spielern könne, also schon mal erfüllt.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert