Mönchengladbach - Hazard und die neue Gladbach-Tugend

Hazard und die neue Gladbach-Tugend

Von: Bernd Schneiders
Letzte Aktualisierung:
15775019.jpg
Borussias Elferspezialist: Thorgan Hazard bejubelt sein 1:0 gegen die Bayern, Sturmkollege Patrick Hermann (l.) begleitet ihn. Foto: imago/Hübner

Mönchengladbach. Mia san mia – dieses Gefühl hat der FC Bayern verinnerlicht. Auch auf fremden Plätzen in der Fußball-Bundesliga. Da wunderte_SSRqs wenig, wenn der Klubvorstand diese Brustschwell- Attitüde auch auf andere Bereiche überträgt – ebenfalls in der Fremde. Wie im Borussia-Park, wo die Münchner mit dem 1:2 ihre erste Niederlage unter Jupp Heynckes in dieser Saison hinnehmen mussten.

Dort liefen auf den Bildschirmen vor dem Anpfiff die Sky-Konferenz der 15.30-Uhr-Spiele und das Revierderby. Aber nicht lange: Die hohen Herren des deutschen Vorzeigeklubs bevorzugten die Begegnung Leipzig gegen Bremen statt Dortmund gegen Schalke – und bekamen ihren Willen. Den Brauseklub scheint der FC Bayern für einen gefährlicheren Verfolger zu halten als die Traditionsvereine.

Das Programm nach dem Anpfiff im Borussia-Park lief nicht so richtig nach dem Willen von Rummenigge & Co. Ausgerechnet seine Mönchengladbacher fügten Heynckes ein erstes Negativerlebnis nach seiner Rückkehr aus dem Rentnerleben zu. Der Idee, dass diese Niederlage weniger wehtue, weil sie gegen seinen Heimatklub passierte, widersprach er vehement. „Das ist in den Hirnen der Journalisten. Wir sind Profis“, referierte der 72-Jährige. „Ich bin sehr gerne hier, lebe am Rand von Mönchengladbach. Borussia hat Riesiges geleistet heute – aber das schließt nicht aus, dass ich gerne gewonnen hätte.“

Doch dazu waren seine Münchner an diesem Abend nicht in der Lage. Das lag einmal am fehlenden Personal, besonders auf den Außenpositionen. Aber auch an einer Gladbacher Mannschaft, die sich normalerweise über ihre Spielstärke definiert, gegen die Bayern dies jedoch auf die erste Halbzeit beschränkte und stattdessen im zweiten Durchgang eine kaum vorstellbare Kampfbereitschaft auf den Rasen brachte. An dieser „Wand“, wie Heynckes den Defensivverbund der Borussen nannte, rannte sich der Deutsche Meister wund.

„Wir haben uns nichts gefallen lassen“, umschrieb Matthias Ginter die neu entdeckte Tugend. Und die physische und psychische Stärke der Elf vom Niederrhein verkörperte passenderweise und am extremsten einer aus der Abteilung Technik und Attacke: Thorgan Hazard. Man hätte glauben können, jemand hätte das Programm zurückgespult, acht Wochen retour – die Bundesligapartie gegen Hannover. Die hatte der 24-Jährige in der Nachspielzeit nach endlosen Videobeweisstudien kaltblütig mit einem Foulelfmeter zum 2:1 entschieden. Auch gegen die Bayern traf Hazard vom Punkt, diesmal nach einem Handspiel von Niklas Süle (39.).

Und erneut musste er auf die Durchführung lange warten, weil Schiedsrichter Manuel Gräfe unnötig lange mit dem Videokollegen in Köln parlieren musste. Aber Hazards Kopf-Arbeit ähnelte während der Wartezeit der beim Hannover-Spiel: „Schieße ich links, rechts oder in die Mitte?“ Links, was auch Sven Ulreich ahnte und fast parierte.

Anders aber als vor acht Wochen gab es diesmal noch einen anderen Thorgan Hazard. So viel wie gegen die Bayern hatte der Torjäger noch nie zuvor gegen den Ball gearbeitet. Und auch die Defensiv-Legastheniker Patrick Herrmann und Raffael verwandelten sich in dieser Partie zu Abwehrheroen. Da passte es, dass ein Verteidiger, der aber nach der Verletzung von Christoph Kramer auf der Sechs spielte, für das 2:0 einsprang. Ginter bugsierte einen Schuss von Lars Stindl zum 2:0 ins Netz (44.). Einer von zwei Nadelstichen, die in den verbleibenden 48 Minuten für die Bayern zu Lanzenstößen wurden. Außer einem Distanzschuss von Arturo Vidal, der zum 1:2 führte (74.), brachte der Tabellenführer nichts mehr zustande. 28 Flanken schlugen die Bayern, keine Zahl, die Raffinesse oder Spielkultur, sondern nur die Münchner Ohnmacht widerspiegelte. Und so mochte Hecking den nicht vorhandenen Ballbesitz nach der Pause nicht übermäßig kritisieren. „Da will ich mal nachsichtig sein.“

Dem folgte auch Jupp Heynckes – in eigener Sache. Die Überlegungen seines Freundes und Präsidenten, er würde seinen Trainerjob auch über den Sommer 2018 hinaus ausüben, bremste der 72-Jährige aus. „Da hat Uli Hoeneß auf der Jahreshauptversammlung nach den guten letzten Wochen vielleicht ein bisschen emotional reagiert“, lächelte Heynckes. „Die Sache ist ganz klar geregelt – ich habe einen Vertrag bis zum 30. Juni. Das ist eine klare Vereinbarung, und dabei wird es bleiben.“

Auf das Programm seines Lieblingstrainers scheint der mächtige FC Bayern München keinen Einfluss zu haben.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert