Halten, heulen und ganz viele Emotionen

Von: Heribert Förster
Letzte Aktualisierung:
7648195.jpg
Während der Partie durfte und konnnte Marc-André ter Stegen bei seinem letzten Heimspiel noch einmal glänzen, wie nach Elkins Sotos Kopfball mit einer Flugparade. Foto: dpa

Mönchengladbach. Wäre die Partie zwischen Borussia Mönchengladbach und dem FSV Mainz 05 nicht am 33. Spieltag der Fußball-Bundesliga ausgetragen worden, sondern etwa in der 22., 23. oder 24. Spielrunde, die Analyse könnte nicht so moderat ausfallen. Doch nach diesem Gladbacher 3:1 (1:0)-Sieg am Samstag verbietet sich zu harsche Kritik.

Nach einem so emotionalen Tag darf der Mantel des Schweigens über Zweikampfschwäche, fehlendes Tempo und zu viele Fehlpässe gelegt werden.

Die Borussia hat eine gute Spielzeit schon vor dem letzten Spieltag gekrönt, Platz sechs ist dem Verein nicht mehr zu nehmen, die Teilnahme an den Play-offs zur Europa League ohne die schon Ende Juli beginnende Qualifikation ist bereits fix.

Das alles ist auch für den ewigen Mahner Lucien Favre ein wunderbarer Erfolg, und weil dies so ist, verblüffte der Trainer am Ende des Tages sogar mit einer Aussicht auf noch mehr. Einen Sieg im „Endspiel um Platz fünf“ beim VfL Wolfsburg am kommenden Samstag vorausgesetzt, würde die Borussia bei einer Leverkusener Niederlage gegen Bremen sogar dank des besseren Torverhältnisses die Qualifikation zur Champions League in Angriff nehmen dürfen.

Gut, dass Bayer gegen Werder verliert, ist so wahrscheinlich wie der Wechsel von Marc-André ter Stegen zu einem anderen Klub als den FC Barcelona. Aber ausgerechnet Favre, der ewige Tiefstapler, verkündete lächelnd: „Es ist noch alles möglich. Auch Leverkusen kann zu Hause verlieren, warum nicht?“

Alles ist bei Marc-André ter Stegen nicht mehr möglich. Er dürfte (wird) zum FC Barcelona wechseln, dass er seinen neuen Klub erst in einer Woche verkünden will, ist seine Entscheidung. Dass die Borussia neben einem feinen Kerl auch einen herausragenden Keeper verliert (Favre: „Marc-André ist für mich einer der weltbesten Torhüter.“), bewies der gerade einmal 22-Jährige am Samstag eindrucksvoll.

Die Mainzer, die mit einer Fünfer-Abwehrkette, großem Engagement und großer Flexibilität die Borussia vor große Probleme stellten und eine richtig gute Leistung ablieferten, scheiterten auch an ter Stegen. Einen Kopfball von Elkin Soto parierte er brillant (45.), den Schuss des Kolumbianers aus knapp zehn Metern mit einem sensationellen Reflex (52.).

Max Kruse überragend

Allein bei Maxim Choupo-Motings Kopfball (65.) war er machtlos, doch der Treffer zum 1:2 richtete nicht wirklich großen Schaden an. Zuvor hatten Abwehrchef Martin Stranzl per Kopf (22.) und der neben ter Stegen überragende Max Kruse mit einer Energieleistung (54.) für die Borussia getroffen, die spätestens nach Christoph Kramers von ihm selbst und Kruse fein eingeleiteten Kontertor (77.) in den Feiermodus überging.

Im Mittelpunkt stand natürlich Marc-André ter Stegen, der 18 Jahre für die Borussia gespielt hat und schon vor dem Anpfiff bei der Ehrung durch den Klub-Vorstand Tränen vergoss – und nach dem Schlusspfiff wieder. „Ich bin echter Gladbacher. Ich bin in dieser Stadt geboren, habe mein ganzes Leben lang nur für diesen Verein gespielt und werde Borussia immer in meinem Herzen tragen. Dass mir dieser Abschied wahnsinnig schwer fällt, kann sich doch jeder vorstellen.“

In ihren ansehnlichen neuen Trikots im Retrostil, die an die glorreichen 1970er Jahre erinnern, werden die Borussen 2014/15 europäisch spielen, wenn die Qualifikation zur Europa League (als Sechster steigen sie am 21. und 28. August in der Play-off-Runde ein) geschafft wird. Die Gruppenphase erreichen würden die Borussen sicher, wenn sie am 10. Mai in Wolfsburg gewinnen würden. Dort, wo sie einst am 9. Mai 1998 mit einem 2:0-Sieg den Klassenerhalt in der Bundesliga geschafft haben.

„Alles ist möglich“, sagt Favre, und der Trainer mahnt schon jetzt an, dort müsse man „intelligent spielen“. Dann verabschiedete er sich – mit einem Augenzwinkern. Platz sechs ist für ihn schon ein Riesenerfolg.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert