Gladbachs „Reha“-Sieg in Richtung Europa

Von: Bernd Schneiders
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Ende der Leidenszeit: Andre Hahn gelingt ein fulminanter Treffer.

Mönchengladbach. Ein Sieg macht nicht aus Lahme Gehende, nicht aus einem Absteiger einen Meister. Doch drei Punkte können Unerwartetes und fast Unbekanntes aus Menschen herauskitzeln. Mo Dahoud ist so eine Persönlichkeit, die nach dem grandiosen 5:0 über Hertha BSC endlich auch mal außersportlich über seinen Schatten sprang.

Naturgemäß bestens gelaunt trotteten die Gladbacher Profis nach den Feierlichkeiten mit den Fans durch den Spielertunnel Richtung Kabine. „Du musst zur Dopingprobe“, teilte der gebürtige Syrer seinem Kollegen Andreas Christensen mit dem Fingerzeig auf den lauernden „Abzapfer“ hin.

Dahoud neigt zu Scherzen

Ein Scherz, ein Scherz! Spontan, von Mo Dahoud. Das konnte kein normales Spiel, kein normaler Sieg gewesen sein. Der 5:0-Erfolg brachte nicht nur seine Gladbacher zurück auf Platz vier. Er war auch in der Höhe und der Art und Weise, wie er erspielt wurde, ein Ausrufezeichen. „Wenn du etwas mit Spaß machst, dann machst du es immer besser“, definierte Borussias Trainer André Schubert die verblüffende Lockerheit vor diesem so entscheidenden Spiel zumindest um Platz 3. Bei einer Niederlage wäre Hertha auf einen Vorsprung von sechs Punkten enteilt. Nun sind es nur noch drei Zähler.

„Wenn du anfängst, über Konsequenzen nachzudenken, stolperst du“, teilte der Gladbach-Coach Lockerheits-Rezept Nummer 2 mit. So ganz mochte ihm zumindest sein Sportdirektor nicht folgen. „Sieben Punkte Vorsprung vor Platz 8. Und wenn man dann daran denkt, dass durch die Konstellation im Pokalhalbfinale der siebte Platz für Europa reichen kann, war es schon ein spezieller Spieltag“, analysierte Max Eberl.

Der Manager war sichtlich beeindruckt. Vor allem darüber, „wie stabil wir dieses Spiel gewonnen haben“. Und da Eberl nicht im Verdacht steht, übermäßig über das Gladbacher Verletzungspech zu jammern, hörte sich seine Aussage schon fast wie eine Drohung an: „Ich hätte gerne mal gesehen, wenn uns unser Kader die gesamte Saison über zu Verfügung gestanden hätte...“

Dieser Hinweis hatte viel mit der Dramaturgie des 5:0 zu tun. Das 1:0 schoss ausgerechnet der Mann, der – wie etliche seiner Kollegen auch – unlängst auf Schalke bewiesen hat, wie spektakulär man eine Unzahl an Torchancen vergeben kann. Thorgan Hazard also: Der belgische Stürmer nutzte einen Pass von Dahoud kaltblütig zum 1:0 (14.). Und bestrafte den „Assist“ von Hertha-Torwart Rune Jarstein auf eben Dahoud, indem er den Ball dem Norweger durch die Beine kickte. „Solche Fehler gehören dazu. Aber deshalb haben wir nicht 0:5 verloren“, nahm Hertha-Coach Pal Dardai seinen Keeper in Schutz.

Die Berliner waren chancenlos beim Reha-Sieg der Gladbacher. Denn nicht nur Hazard bewies mit beiden Toren Rehabilitation. Sein zweiter Treffer zum 4:0 wollte er unbedingt machen (80.). Diesen Willen könnte er sich bei André Hahn abgeschaut haben. Der Stürmer hatte nach seiner schweren Knieverletzung in seinem ersten Spiel von Anfang an mit dem 2:0 (60.) für einen emotionalen Höhepunkt gesorgt. „Ich will mich hier beweisen und nächste Saison europäisch spielen“, verkündete der nun glückliche Pechvogel.

Jedes Tor hatte seine Geschichte. Rekonvaleszent Patrick Herrmann durfte persönliche Aufbauarbeit mit dem 3:0 leisten (76.) Und auch der eingewechselte Ibrahimo Traoré schoss sich mit dem 5:0 Reservistenfrust von der Seele (85.). Einfädler dabei ein weiterer Ex-Langzeitverletzter: Tony Jantschke. „Das ist einfach eine gute Mannschaft: Mit Raffael fällt der Beste aus und du gewinnst 5:0. Dieses Selbstverständnis ist der Wahnsinn.“ Granit Xhaka versuchte im Vorbeigehen, den strahlendenRückkehrer, den die Fans bei seiner Einwechslung mit Sprechchören gefeiert hatten, beim Interview einzunorden. „Dass sie dich hier Fußballgott nennen...“

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