Gladbachs Mittelfeldtalent Mo Dahoud benötigt noch „fremde“ Hilfe

Von: Bernd Schneiders
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Stabilität gefunden? Im Trainingslager in Marbella benötigte Gladbachs Mittelfeldtalent Mo Dahoud zumindest noch „fremde“ Hilfe. Foto: imago/DeFodi

Mönchengladbach. Im Fohlenshop ist die DVD-Sammlung zu kaufen: die Best-of-Spiele von Borussia Mönchengladbach. Für Dieter Hecking wäre eine Worst-of-Collection womöglich sinnvoller, um über eine Analyse der fußballerischen Fehltritte der jüngsten Zeit dem Kern der Probleme seiner neuen Mannschaft näherzukommen.

Doch der 52-Jährige sieht das anders. „Ich habe mir kein Videomaterial besorgt. Ich will unvoreingenommen an die Sache rangehen.“ Nun gehört es zum Trainergeschäft, nicht gerade zu lügen, wohl aber nicht stets die komplette Wahrheit zu sagen.

Und so hat diese DVD-Weigerung auch etwas mit der Änderung im Stil und im Selbstverständnis auf der Gladbacher Trainerbank zu tun: Hecking unterscheidet sich nicht nur optisch von Vorgänger André Schubert. Der war letztendlich überfachtet mit Analyse-Material, was dazu geführt hat, dass sich seine Mannschaft nicht grundlegend eine Light-Version der bayerischen „Mia-san-mia“-Einstellung erarbeitet hat.

Natürlich hat sich Dieter Hecking auch per Videostudium auf den Gegner am Samstag vorbereitet. Das muss er aber nicht erwähnen. Der ehemalige Wolfsburg-Coach muss keinem beweisen, dass er sich als Trainer hyperprofessionell vorbereitet und mit allen taktischen Wassern gewaschen ist. Damit besteht die Hoffnung, dass Eingriffe von außen nicht um ihrer selbst willen geschehen, sondern nur, um der Mannschaft zu helfen. Grundsätzlich sei es nicht schlecht, wenn ein Team flexibel ist. Er aber will vor allem „Konstanz in System und Aufstellung bringen“.

Taktische Winkelzüge oder mutwillige personelle Wechselspielchen zur Halbzeit wie unter Schubert seinerzeit auf Schalke sind nicht das Ding des Trainer-Routiniers. Da passt es, dass er auch nicht gleich ein Geheimrezept aus der Tasche zieht, wie man die Auswärtsschwäche der Borussia (bisher nur ein Punkt) heilen kann. Seine gut zweiwöchige Arbeit mit der Mannschaft war kein Crashkurs. „Die Beobachtung ist noch nicht abgeschlossen, wir sind noch in der Findungsphase.“

Deshalb mochte er den auch für ihn überraschenden Rückschlag durch den blamablen Auftritt beim Telekom Cup nicht überbewerten. Denn eigentlich glaubt er, „ein gutes Gefühl für die Mannschaft bekommen zu haben“. Und dazu gehört wohl auch das Wissen um die moralische Intaktheit seiner Spielerschar. „Sie haben verstanden, dass sie in der Bringschuld sind.“

Wie geeignet Darmstadt 98 für den Auftakt zu diesem Pflichtprogramm ist, wird sich ab 15.30 Uhr zeigen. „Wir müssen das robuste, körperbewusste Spiel annehmen und uns auf lange Bälle und Standards einstellen“, beschreibt er die Aufgabe.

Das könnte sogar gelingen, ohne permanent zwischen Dreier- und Viererkette umzuswitchen. Voraussetzung für eine defensive Stabilität, deren Aneignung offensichtlich keine Rolle bei Schuberts Trainerausbildung gespielt hat oder so profan war, dass sich der taktische Tausendsassa nicht damit beschäftigen wollte, ist die optimale Besetzung in der Mittelfeldzentrale. Kann bei der momentanen Zielsetzung Mo Dahoud Bestandteil einer Lösung sein? Oder ist er ein Protagonist dieses Problems?

Der Ausfall von Tobias Strobl beschränkt die Gestaltungsmöglichkeiten auf der Doppelsechs nachhaltig. Viel Vertrauen scheint Hecking zumindest in Tony Jantschke zu setzen. Auch für die Rolle neben Christoph Kramer? Die Idee, Andreas Christensen stattdessen (po-sitionell) vorzuziehen, ist eine gute – bisher aber eher auf dem Papier.

Voraussichtliche Aufstellung: Sommer - Korb, Christensen, Vestergaard, Wendt - Hahn, Jantschke, Kramer, Hazard - Stindl, Raffael

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