Gladbachs gelungener Tanz auf drei Hochzeiten

Von: Frank Hellmann
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Höhenflug: Thorgan Hazard feiert sein 1:0 gegen Frankfurt mit einem Luftsprung. Foto: sport/Jan Hübner

Frankfurt. Es wird allmählich zum Standardprogramm bei Borussia Mönchengladbach, Applaus und Lob zu empfangen. An einem verregneten Oktoberabend im Frankfurter Stadtwald nahm die Fohlenelf die nächste Hürde mit erstaunlicher Souveränität.

Nach einem vollauf verdienten 2:1 (1:0) bei einer enttäuschenden Frankfurter Eintracht zogen die Gladbacher ins Achtelfinale des DFB-Pokals ein. Der Tanz auf drei Hochzeiten gelingt derzeit so formvollendet, dass das Attribut Spitzenmannschaft berechtigt ist. Die Treffer in dem teils erschreckend einseitigen Bundesligaduell erzielten Thorgan Hazard (17.) und Ibrahima Traoré (67.). Der Anschlusstreffer durch Vaclav Kadlec kam für den Gastgeber zu spät (89.).

Dass die Borussia in nunmehr 16 Pflichtspielen ungeschlagen ist, erfüllt Trainer Lucien Favre mit Stolz. Der Schweizer Fußballlehrer trägt mit einer instinktsicheren Rotation entscheidend dazu bei. Der 56-Jährige hatte die Anfangself vom sonntäglichen Spitzenspiel gegen den FC Bayern gleich auf fünf Positionen ausgetauscht: Tony Jantschke in der Abwehr, Havard Nordtveit im Mittelfeld, die Torschützen Traoré und Hazard auf den Flügeln sowie Branimir Hrgota als hängende Spitze rückten neu ins Team. Umstellungen, die wie schon in der Europa League ohne erkennbaren Qualitätsverlust blieben.

Zwar besaß die Eintracht durch Haris Seferovic noch die erste Chance (5.), doch je länger die Partie dauerte, desto deutlicher spielten die Gladbacher ihre technischen und taktischen Vorteile aus. Gegen die Ballsicherheit der Borussia hatte das einfallslose Team von Trainer Thomas Schaaf ebenso wenig etwas entgegenzusetzen wie die Tempovorstöße. Folgerichtig fiel so die Gäste-Führung: Traoré und Hrgota leiteten über die Seitenlinie den Vorstoß ein, Max Kruse lenkte den Ball geschickt am indisponierten Aleksandar Ignjovski vorbei und Hazard vollstreckte. Allerdings sah Eintracht-Ersatzkeeper Felix Wiedwald bei dem Schuss der Chelsea-Leihgabe – bekanntermaßen der 21-jährige Bruder des belgischen Superstars mit Vornamen Eden – nicht gut aus.

Scheibenschießen droht

In der Folgezeit machte Wiedwald seinen Fehler jedoch mehr als wett. Zeitweise drohte ein Gladbacher Scheibenschießen, so viele Möglichkeiten erspielte sich der Bundesliga-Zweite. Einziges Manko: Hrgota (27.), Jantschke (28.), Christoph Kramer (29.), Hazard (33.) und auch Martin Stranzl (34.) scheiterten. Die Dominanz der Berufsfußballer in den weißen Trikots mit den schwarz-grünen Längsstreifen war so frappierend, dass sogar die stimmgewaltige Nordwestkurve mit dem Eintracht-Anhang zeitweise verstummte.

Und noch weniger Hoffnung machte es, dass der starke Seferovic – wegen einer Roten Karte am Samstag bei Hannover 96 ohnehin gesperrt – mit Schulterbeschwerden nach Wiederanpfiff ausgewechselt werden musste. Immerhin: Der für den Schweizer eingewechselte Tscheche Kadlec hatte gleich den Ausgleich auf dem Fuß, doch Keeper Yann Sommer parierte prächtig (54.). Die Szene täuschte: Ein erkennbares Offensivkonzept hatte Schaaf für die Hessen nicht ausgetüftelt, denn die strukturierten Angriffszüge bot weiterhin die Elf vom Niederrhein. Etwa bei jener tollen Kombination, nach der Kramer wuchtig auf Wiedwald zielte (63.).

Gegen die unsortierten Hausherren lief der Ball zeitweise wie am Schnürchen, und es war überfällig, dass der starke Traore nach Flanke von Alvaro Dominguez volley zum 2:0 traf. Das Anschlusstor von Kadlec konnte die Gladbacher nicht mehr schocken. Nur allzu viel Zeit, das Überwintern im DFB-Pokal zu zelebrieren, hat die Borussia nicht: Mönchengladbach empfängt am Sonntag im Verfolgerduell 1899 Hoffenheim und dürfte dann deutlich mehr gefordert werden als am Mittwochabend.

Frankfurt: Wiedwald - Ignjovski (68. Inui), Madlung, Anderson, Oczipka - Medojevic, Russ - Aigner, Hasebe, Stendera - Seferovic (48. Kadlec)

Mönchengladbach: Sommer - Korb, Stranzl, Jantschke, Dominguez - Traoré (72. Hahn), Kramer, Nordtveit, Hazard (86. Johnson) - Kruse, Hrgota (72. Herrmann)

Schiedsrichter: Kircher (Rottenburg) Zuschauer: 46 500 Tore: 0:1 Hazard (17.), 0:2 Traoré (67.), 1:2 Kadlec (89.) Gelbe Karten: -/Dominguez, Jantschke

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