Gladbacher Symphonie mit sechs Toren

Von: Bernd Schneiders
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Mönchengladbach. Mindestens sechs Mal dürfen die Mönchengladbacher Musikliebhaber noch die Champions-League-Hymne genießen. Nach der 3:1-Ouvertüre bei den Young Boys Bern gelang den Borussen daheim ein 6:1 – Schuberts Vollendete, nicht in h-Moll, sondern a (wie André)-Dur.

Die zweite Teilnahme an der Gruppenphase der Königsklasse wurde in überzeugender Manier gesichert. Die Auslosung folgt am Donnerstagabend ab 18 Uhr in Lyon.

Selten war ein „Matchplan“ so klar. „Wir müssen drei Tore schießen und nach vorne spielen“, hatte Berns Trainer Adi Hütter angekündigt. Schwierig genug. Denn was er nicht erwähnte: Die Schweizer mussten obendrein unbedingt vermeiden, ein Gegentor zu kassieren, wenn sie nach der 1:3-Hinspielniederlage ohne Elfmeterschießen weiterkommen wollten.

Nun wäre es ein Leichtes für seinen Gladbacher Kollegen gewesen, aus seiner übervollen Spielerkiste zehn defensive Spieler zusammenzukramen, um den angedrohten Dreier zu verhindern. Doch mit Patrick Herrmann, Thorgan Hazard, Raffael, Lars Stindl und auch größtenteils Fabian Johnson stellte Schubert nicht gerade Offensiv-Legastheniker auf.

Immerhin sicherte der 45-Jährige aber die Abwehr durch ein Sechser-Duo mit starken Abräumerqualitäten ab: Schubert entschied sich für Christoph Kramer und Tobias Strobl. Mahmoud Dahoud, der für eine offensivere Ausrichtung gesorgt hätte, blieb erst einmal auf der Bank.

Doch keineswegs die Lust auf Angriffsfußball. Keine zehn Minuten brauchten die Schubert-Schüler, um das Wunschdenken Adi Hütters schmerzhaft zu zerstören: Eine Bilderbuchkombination ausgehend von Nico Elvedi über Patrick Herrmann und Raffael endete als Kurzpass des Brasilianers bei Thorgan Hazard, der mit einer unerwarteten Rückwärtsfinte die Abwehr der Young Boys inklusive Torhüter Yvon Mvogo alt aussehen ließ und zum 1:0 für die Borussia einschoss (9.).

Vollends illusorisch wurden die Aussichten auf ein Weiterkommen der Gäste, als Patrick Herrmann den André Hahn machte. Nach einem verlorenen Ball setzte das flinke Leichtgewicht aggressiv nach. Nutznießer war Raffael, der den Ball humorlos zum 2:0 einschoss (33.). Und als wolle er den Kollektivgedanken der Borussen unterstreichen, demonstrierte Kapitän Lars Stindl ein gerüttelt Maß an Selbstlosigkeit und schob den Ball auf den Brasilianer anstatt selbst zu vollenden: Raffael bedankte sich mit einer konzentrierten Aktion zum 3:0 fünf Minuten vor der Pause.

Was sollte der arme Adi Hütter zur Pause seinen Young Boys sagen? „Wir müssen sechs Tore schießen“!? Vier Jahre zuvor waren es die Gladbacher, die laut Sportdirektor Max Eberl noch „zu naiv“ waren und sich gegen Dynamo Kiew nicht qualifizieren konnten. Immerhin aber machten es die Borussen damals den Ukrainern beim Rückspiel an der Dnepr wesentlich spannender und scheiterten nach einem 1:3 im Borussia-Park knapp mit einem 2:1 in Kiew.

Der tapfere Mvogo

Der Reifegrad der Gladbacher anno 2016 war für die Schweizer Klassen zu hoch. Bei etwas mehr Konzentration hätten Stindl & Co. das Resultat noch höher schrauben können. Doch der Kapitän, Hazard und Raffael zeigten sich gnädig mit dem tapfer umherfliegenden Yvon Mvogo. Zumindest der YB-Keeper konnte sich auszeichnen. Machtlos aber war er beim 4:0, 5:0 und 6:1 (Hazard 63. und 83./Raffael 77.) – es waren weitere Zaubertore der Gladbacher. Den Ehrentreffer der Schweizer durch Yoric Ravet zum 1:5 goutierte die Nordkurve fast mitleidig mit Beifall (79.).

Auf der anderen Seite konnte es sich Schubert leisten, Trainingswechel zu realisieren: Jannik Vestergaard durfte für den starken Strobl rein und tauschte mit Andreas Christensen den Innenverteidiger-Posten. Und auch Dahoud wurde noch Spielpraxis gewährt. Das Spielmacher-Talent ersetzte Kramer. Der dufte sich schonen für das Wiedersehen mit Bayer Leverkusen am Samstag.

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