Mönchengladbach - Gladbacher selbstbewusst und bescheiden nach Europa

Gladbacher selbstbewusst und bescheiden nach Europa

Von: Bernd Schneiders
Letzte Aktualisierung:
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Und dann die Hände zum Himmel: Die beiden Matchwinner Granit Xhaka (links) und André Hahn (3. v.l.) feiern mit ihren Gladbacher Kollegen den 3:1-Sieg gegen Hoffenheim. Foto: sport/Moritz Müller

Mönchengladbach. Selten hat sich der Grund für einen Sieg so symbolisiert in zwei Protagonisten, obendrein so unterschiedlichen: André Hahn und Granit Xhaka hatten ihre Auftritte. Während des Spiels gegen Hoffenheim, was letztendlich zu einem hoch verdienten 3:1 führte.

Und auch nach dem Spiel, was erhellte, warum Borussia Mönchengladbach gestern das Siegergen eingepflanzt besaß. Xhaka erhörte freudig die Einladung der wartenden Journalisten, Spielfreude und Redelust vereinen sich im Gladbacher Mittelfeldstrategen.

Sein Blick ging hoch zum Monitor, wo eben noch die interessantesten Szenen des Spiels zu bewundern waren. Jetzt aber zeigte der Bildschirm nur noch – Xhaka! „Was für ein Model!“, sagte der Schweizer. Und was viele als ronaldohafte Selbstverliebtheit nervt, unterstreicht nüchtern betrachtet lediglich die Wertigkeit und die Ausnahmeposition dieses Fußballstrategen. Für Erfolg muss man nicht Everybody‘s Darling sein.

Mit Ecken und Kanten

Der 23-Jährige ist ein Typ, ein Fußballer und Mensch mit Ecken und Kanten, der in einer Mannschaft mit überwiegend netten Kerlen umso wichtiger ist. „Granit Xhaka ist für uns nicht ganz unwichtig. Deshalb wollen ihn ja auch so viele und uns reich machen“, bestätigte Trainer André Schubert den Stellenwert des Borussen-Kapitäns. Der fehlte bei der Blamage in Hannover, dafür konnte Gladbachs Trainer nichts. Xhaka war gelbgesperrt.

Aber auch Hahn fehlte beim Tabellenletzten, als seine Mannschaft eine so hervorragende Konstellation, um noch einmal in den Kampf um Platz drei einzugreifen, achtlos wegwarf. Das aber war Schuberts Entscheidung. Gegen Hoffenheim aber besann sich der 44-Jährige anders, und der Stürmer dankte es ihm mit einer famosen Leistung, die sich weniger in fußballerischen Finessen zeigte, um so mehr aber im Einsatzwillen und Gradlinigkeit.

Das frühe 1:0 wurde vom 25-Jährigen erzwungen. Einen Pass von Oscar Wendt grätschte er beinah gemeinsam mit Jeremy Toljan über die Torlinie (7. Minute). Der Hoffenheimer war aber der Kontaktgeber, „er hat mir das Tor gestohlen“, grinste Hahn. Auch das 2:0 entsprang der Aggressivität des Angreifers.

Als Oliver Baumann einen Schuss von Raffael abklatschen ließ, senste Hahn mit dem rechten Fuß nach, traf den Arm des Hoffenheimer Keepers, aber auch den Ball. Mo Dahoud war der Nutznießer, der den zweiten Treffer folgen ließ (45.). Baumann protestierte heftig, vergeblich. Doch Hahn, die ehrliche Haut, gab zu: „Es war eine 50:50 Entscheidung. Ich hätte nicht protestiert, wenn der Schiri gepfiffen hätte.“

Nach dem Anschlusstreffer, eingeleitet durch einen kapitalen Fehler von Jungspund Nico Elvedi, und abgeschlossen von Andrej Kramaric zum 2:1 (54.), war es Hahn, der den Sieg zementierte. Einen Steilpass von Dahoud nahm der Anti-Rastelli perfekt auf und schloss verblüffend kaltblütig zum 3:1 ab (61.). „Man lernt aus Fehlern“, lautete sein Kommentar. Und sein Blick ging dabei nicht zu dem Monitor, in dem sich Xhaka vorher spiegelte.

Der ehemalige Augsburger sah seinen Sturmlauf in Ingolstadt vor seinem geistigen Auge, bei dem er plötzlich das Tempo verloren und damit die Riesenchance zum 1:0 verdaddelt hatte. „Ich habe mir vorgenommen, mein Tempo nicht zu reduzieren.“ Das gelang spektakulär. Hahn trug ebenso wie Xhaka seinen Beitrag zum überzeugenden Erfolg bei. Anders als der Schweizer aber bewegte sich der gelernte Auto-Lackierer auf einer bescheidenden Ebene. „Der Trainer hat mir trotz meiner schweren Verletzung das Vertrauen geschenkt, das versuche ich zurückzugeben. Und die Mannschaft hilft mir dabei“, lautete seine Analyse.

Angriff auf Platz drei

Xhakas Gedanken gingen da schon viel weiter. „Unser erstes Ziel, die Europa League, haben wir erreicht. Jetzt kommt das zweite: ein Champions-League-Platz.“ Acht Punkte Vorsprung vor Rang acht und das beste Torverhältnis rechtfertigen die Hochrechnung. Nicht nur seine Zucker-Steilpässe zu den ersten beiden Toren rechtfertigen ein Sonderlob, das er sich noch nicht einmal selbst geben muss. „Mit ihm spielen wir einen ganz anderen Fußball“, erklärt Sportdirektor Max Eberl.

Am kommenden Samstag muss dieser noch mal anders, nämlich noch besser sein. Gladbach muss bei den Bayern antreten. „Wir fahren nicht dahin, um zur Meisterschaft zu gratulieren“, verspricht André Schubert. Bei Xhaka klingt das so: „Wir wollen, dass sie die Meisterschaft eine Woche später feiern.“ Und er schiebt nach: „Dazu brauchen wir aber einen super Tag.“ Immerhin.

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