Gladbach wird dem Kaviar-Anspruch nicht gerecht

Von: Bernd Schneiders
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Kontaktfreudig: Gladbachs Abwehr-Routinier Martin Stranzl trifft Fabian Johnson am Bein, obwohl der Hoffenheimer eh von Torwart Marc-André ter Stegen ausgebremst worden wäre – Strafstoß! Foto: Team 2

Mönchengladbach. Es ist nur ein Koch, aber bei Borussia Mönchengladbach verderben viele Fehler den Brei. Lucien Favre versuchte nach dem 2:2 gegen 1899 Hoffenheim das Maß der öffentlichen Enttäuschung, die sich in Pfiffen und Unmutsäußerungen Bahn brach, mit der Verwöhntheit des Publikums zu erklären. „Ich denke, dass es bisher viel Kaviar gehabt hat.“

Das kann, was die aktuelle Hinrunde angeht, auch nicht durchgängig so goutiert werden. Häufig waren es Sahnehäubchen, die die feilgebotene Kost so schmackhaft machten. Tore von Arango oder Raffael zum Beispiel. Auch damals war die Basis zwar nicht unbedingt Mager-, aber häufig genug Normalkost.

Einem Kaviar-Anspruch können auf Strecke auch nur ganz wenige Mannschaften genügen. Den besitzt auch sicherlich nicht das recht genügsam und geduldig gewordene Gladbacher Publikum. Magendrücken aber bereitet das Phänomen, dass der Favre-Elf in diesem Jahr die Rezeptur fehlt, mit normalen Zutaten den immer leerer werdenden Magen mit Punkten zu füllen. Das gelang mit naturgemäß wenig Spielanteilen gegen die Bayern nicht, mit ausgeglichenen Spielanteilen gegen Leverkusen nicht, mit weniger Spielanteilen gegen Hoffenheim nicht.

Trotz der zwei Pünktchen aus den letzten zwei Spielen nimmt die Problematik eher zu als ab. In Bremen reichte eine geschenkte 1:0-Führung nicht zu einem Sieg, gegen Hoffenheim noch nicht einmal ein 2:0-Vorsprung. Lucien Favre spricht immer häufiger von einem „psychologischen Moment“, bis man nachfragt und erstaunt zu hören bekommt, „das hat nichts mit Psychologie zu tun“. Dabei schildert er selbst eine Episode aus dem 1:1 gegen Wolfsburg, als seine Elf zum ersten Mal in dieser Saison im Borussia-Park nicht gewann. Verärgert schmetterte er damals eine Flasche auf den Boden – weil er, wie er sagt, eine Ahnung hatte, dass von nun an das Unheil seine Gladbacher am Schlafittchen haben sollte . . .

Ein aktueller und kollektiver Ansatz, die Malaise zu erklären, war: „Wir hätten das dritte Tor machen müssen!“ Dazu gab es Chancen zuhauf. Dennoch erstaunlich, galt es doch bis vor kurzem als extrem schwierig, überhaupt gegen die so strukturiert und diszipliniert aufspielenden Favre-Schüler zu treffen. Jetzt aber reichen nicht einmal mehr zwei Tore? Weder für einen Sieg, noch um Selbstbewusstsein aufzubauen? Patrick Herrmann hatte mit einem schönen Heber früh das 1:0 erzielt (4.), Tony Jantschke per Kopf nach einem Eckball nachgelegt (18.). Doch schon bald zeigte sich, dass dieser Traumstart den ehemaligen Tabellendritten nicht in die Erfolgsspur bringen würde.

„Wir haben aufgehört, Fußball zu spielen“, glaubt Christoph Kramer. Das begann bereits in der ersten Halbzeit, als sich Gladbach eher in die Pause rettete, als souverän und vor allem aktiv am Sieg zu arbeiten. Deshalb greift auch das Argument des Hoffenheimer Umstellens auf zwei Stürmer und Raute nicht wirklich, um die Schwierigkeiten des eigentlich auf Ballbesitz getrimmten Borussen-Teams zu erklären. „Ich bin nicht enttäuscht, ich bin sauer“, hat auch Max Eberl die Nase voll von anspruchsvollen Interpretationsansätzen.

Dem Sportdirektor schwant, dass mit Willen und Einsatz auch spielerische Durststrecken überbrückbar sein müssen. Das aber hat die Favre-Elf nicht im Repertoire. Stattdessen Fehler, wie beim 2:1 durch Firmino (56.) und vor allem vor dem 2:2, als ausgerechnet der ausgebuffte Martin Stranzl völlig unnötig Fabian Johnson am Bein traf und damit Sejad Salihovic seinen Elfmeter-Hammer ermöglichte (82.).

Der Brei war verdorben. Und auch der Schweizer Koch hatte beim Würzen kräftig danebengelangt. Nach gutem Beginn musste Branimir Hrgota viel eher vor seinen Kontereinfädlungen für die Gäste geschützt werden. Patrick Herrmann geht notorisch im letzten Drittel die Luft aus und war obendrein erkältungsgeschwächt. Ein verbesserter Max Kruse hatte einen Riesen-Aufwand betrieben – doch als Favre endlich auswechselte, war es Raffael statt Hrgota und obendrein zu spät – der Ausgleich war gefallen. Auch Amin Younes‘ Wirken war zeitlich arg begrenzt (86.), und Peniel Mlapa (89.) scheint Favres neuer Luuk de Jong zu sein.

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