Gladbach: Viel Unterhaltung, drei Tore, aber keine Punkte

Von: Tobias Schächter
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Der Auftakt zum Acht-Tore-Spektakel: Der Hoffenheimer Adam Szalai (Nr. 28) überwindet Gladbachs Torhüter Yann Sommer zum ersten Mal. Foto: imago/Thomas Frey

Sinsheim. Verloren zu haben und doch zufrieden zu sein, passiert Trainern in der Fußball-Bundesliga nicht oft. Dieter Hecking aber ging trotz einer 3:5-Niederlage bei der TSG Hoffenheim am Ostersamstag beschwingt in zwei freie Tage.

Der Trainer von Borussia Mönchengladbach schwärmte, er habe seiner Mannschaft „ein „Riesenkompliment“ gemacht nach „einem überragenden Spiel“ an einem „tollen Nachmittag“. Hecking wollte trotz der Pleite seine Begeisterung über den Auftritt der beiden Mannschaften nicht verbergen. Warum auch? Das Acht-Tore-Spektakel war ja auch ein Spiel, „wie es die Leute in der Bundesliga sehen wollen“, so der 52-Jährige.

Hoffenheim gegen Gladbach – das war ein Spiel gegen die Gemurkse-These von Wolfsburgs Stürmer Mario Gomez. Der Nationalspieler hatte die Spiele der Liga zuletzt ja als Gemurkse bezeichnet. Der aberwitzige Tempofußball am Ostersamstag in Hoffenheim aber war die Antithese zu Gomez und schenkte Zuschauern wie Profis im hochkapitalisierten Big-Business Bundesliga für einen kleinen Moment die glückliche Erinnerung an die Wurzeln des Spiels.

Lob von Julian Nagelsmann

Beide Mannschaften wollten gewinnen, in jeder Sekunde des Spiels. Hoffenheim spielte selbst nach dem 3:4-Anschlusstreffer von Mahmoud Dahoud (78.) auf ein weiteres Tor, statt sich hinten einzuigeln. Hoffenheims Trainer Julian Nagelsmann sagte: „Mir ist so ein Spiel tausendmal lieber, als wenn alles nur verhindert wird. Ich finde, es gehört sich, dass man versucht, Unterhaltung zu bieten. Wenn man auf ein Konzert geht, will man ja auch nicht die langweiligste Musik hören.“

Langweilig war es nie, selbst etliche Fehlentscheidungen des überforderten Schiedsrichters Christian Dingert fanden Gnade in der Bewertung der Trainer, Hecking meinte galant: „Für den Schiedsrichter war es wahnsinnig schwer, er musste unglaublich viel hin und her rennen.“

Hoffenheim gegen Gladbach aber war kein vogelfreies Bolzplatzgekicke, sondern ein Schlagabtausch auf taktisch und technisch höchstem Niveau: Fußball-Romantik und Matchplanfußball in bester Symbiose. Gladbach holte noch vor der Pause ein frühes 0:2 auf, kehrte nach dem 2:4 des eingewechselten Mark Uth (75.) noch einmal als unerbittlicher Gegner zurück und trieb die Hoffenheimer zu einem Kraftakt.

Und dennoch: Hoffenheim gewann verdient, agierte noch einen Tick energischer, noch einen Tick entschlossener und noch einen Tick spielwitziger als die Gladbacher.

Ohne die verletzt fehlenden Raffael, Thorgan Hazard, Christoph Kramer und Fabian Johnson fehlte dem VfL jenes Quäntchen an Klasse, das die unberechenbaren Hoffenheimer einfach haben und sich deshalb zu Recht ein Duell mit Borussia Dortmund um die direkte Qualifikation in die Champions-League liefern. Hecking hingegen hofft auf die Europa League und dass das Verletzungspech endlich aufhört, er sagt: „Es ist nicht leicht, weil wir jede Woche improvisieren müssen.“

Am Samstag verloren auch alle Konkurrenten um den Einzug in den Europapokal, weshalb Andre Hahn, der für Raffael in der zentralen Spitze eingesetzt wurde, konstatieren durfte, die Niederlage sei jetzt „nicht der Riesenrückschlag“. Und Flügelflitzer Jonas Hofmann stellte fest: „Wir haben es immer noch selbst in der Hand, Sechster zu werden.“

Vor zwei Monaten klang das noch wie eine Utopie eines Fantasten. Nun aber sagt Dieter Hecking nach einer Niederlage: „Ich fahre mit einem guten Gefühl nach Hause, dass die Mannschaft das noch fünfmal in der Liga abrufen kann wie heute und hoffentlich zweimal im Pokal.“ Am 25. April steht das Pokal-Halbfinale gegen Eintracht Frankfurt an. Die Hoffnung, dass die Saison ein Happy End hat für Gladbach, ist trotz der Niederlage in Hoffenheim gewachsen.

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