Gladbach: Unerledigte Hausaufgaben und unfaire Zuschauer

Von: Bernd Schneiders
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Nachdenklicher Abgang: Mo Dahoud begleiten Pfiffe auf dem Weg nach Dortmund.

Mönchengladbach. Der letzte Tag danach in der Saison 2016/2017 begann für die Profis von Borussia Mönchengladbach mit einer Überraschung. Vordergründig mit einer positiven: Statt des üblichen Auslaufens setzte Dieter Hecking eine Abschlussbesprechung an. 20 Minuten reichten dem Borussen-Trainer, um nach dem 2:2 gegen Absteiger Darmstadt 98 am Tag zuvor seinen Profis das Passende mitzuteilen.

Denn die Nachricht des Borussen-Trainers wird kurz und knapp gewesen sein und eine dringliche Erinnerung, was der eigentliche Sinn des Fußballs ist: Tore schießen und verhindern. Die Vorworte zu diesem Leitsatz fielen bereits unmittelbar nach dem für viele enttäuschenden Ausklang einer in jeder Hinsicht abwechslungsreichen Saison. „Es hat gezeigt, woran wir im nächsten Jahr arbeiten müssen: hinten konzentriert zu arbeiten und vorne die Konsequenz zu haben, das Spiel zu entscheiden.“

Nachhilfeunterricht wird es ab dem Sommer reichlich geben. Selbst ein Sieg gegen die tapferen „Lilien“ hätte nicht mehr gereicht, um in der kommenden Spielzeit in der Europa League dabeizusein. Hecking hätte Stindl & Co. schnöde und ohne kritische Worte auslaufen lassen – wenn sie 10:0 gegen Darmstadt gewonnen hätten. Das Ergebnis wäre keine Utopie gewesen. Mit weniger mahnenden Worten kamen wohl Raffael und Thorgan Hazard davon. Beide trafen und brachten Borussia jeweils in Führung (50./65., Sven Schipplock und Marcel Heller glichen jeweils aus 62./90.). „Dass sie die Tore machen, ist dann auch der Schuss Qualität, der uns in den letzten Wochen gefehlt hat.“

Dieses Urteil wiegt um so schwerer, weil beide noch nicht im Vollbesitz ihrer Kräfte waren und auch nicht sein konnten. Und wenn der in der Rückschau am letzten Spieltag der Spielzeit so beliebte und fast inflatorisch genutzte Begriff „Spiegelbild der Saison“ je angebracht war, dann an diesem Nachmittag im Mai. „Mit Hazard, Johnson, Kramer und Raffael haben wir vier Leute ins Rennen geschickt, die lange nicht gespielt haben. Ich hätte lieber Spieler eingesetzt, die im Rhythmus sind.“ Aber Ibrahima Traoré meldete sich am Freitagabend, Nico Elvedi plagten muskuläre Probleme und André Hahn zog sich eine schmerzhafte Fleischwunde zu – der Stürmer hatte sich im Abschlusstraining auf die Zunge gebissen.

Das passiert zahlreichen Zuschauern auf den Tribünen nur selten. Wie imponierend auch die Aufholjagd in der Rückrunde gewesen sein mag, das schützt die sich bei aller Fehleranfälligkeit bemühenden Profis nicht vor Pfiffen. Bevorzugtes Opfer einmal mehr: der zu Dortmund wechselnde Mo Dahoud. Gerne werden Spieler, die sich für den Klub verdient gemacht haben, vom Trainer in ihrem letzten Match für den alten Arbeitgeber vorzeitig ausgewechselt – damit sie in einem warmen Applaus duschen können.

„Das ist eben die Fanseele“

Heckings Eingriff ins kickende Personal war eher geleitet von der Idee, den so jungen Mittelfeldstrategen (21) rauszunehmen, um ihn vor weiteren Pfiffen zu schützen. „Bei aller Enttäuschung, dass Mo den Verein verlässt: Man hätte es ihm heute ein bisschen einfacher machen können bei der Verabschiedung“, sagte Hecking. „Das ist eben die Fanseele. Mo muss das lernen, in Dortmund wird das nicht anders sein. Aber er hatte einen anderen Abschied verdient.“

Auch bei der Publikumsschelte schlägt Heckings ruhig-westfälisches Naturell durch. Wesentlich emotionaler reagierte der Niederbayer Max Eberl. Wutschnaubend und halblaut aufs Publikum schimpfend stapfte der Sportdirektor nach dem Schlusspfiff durch den Spielertunnel.

Immerhin feierten zeitgleich noch viele pädagogischer und realistischer eingestellte Fans die Bundesliga-Profis, die die meisten Pflichtspiele auf dem Buckel haben. „Wahrscheinlich haben uns zum Schluss Körner gefehlt“, befand Kapitän Lars Stindl. „Aber das Verletzungspech sollte kein Alibi sein.“ Ist es für Hecking auch nicht. „Hätten wir unsere Hausaufgaben gelöst, wären wir jetzt Sechster. Aber man muss auch ehrlich sagen: Dann hast du es letztlich auch nicht verdient, dass mehr dabei rauskommt.“ Als Platz neun – das vorgegebene Saisonziel des Max Eberl.

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