Gladbach trifft die Wahrheit

Von: Daniel Theweleit
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Nur scheinbar auf gleicher Höhe: Pierre-Emerick Aubameyang & Co. waren Andreas Christensen (rechts) und seinen Gladbacher Leidensgenossen meilenweit voraus. Foto: sport/(Moritz Müller

Dortmund. Immerhin einen kleinen Erfolg konnte Max Eberl von dem fürchterlich missratenen Wochenendausflug ins Ruhrgebiet mitbringen, den der Bundesligaspielplan für Borussia Mönchengladbachs Saisonauftakt vorgesehen hatte. Der Sportdirektor verfügt seit Samstag über ein beeindruckendes Argument für seine Glaubwürdigkeit.

 „Uns wird immer unterstellt, wir würden Understatement machen, und wir würden nicht die Wahrheit sagen. Heute haben wir die Wahrheit gesehen: dass wir lernen müssen, verdammt viel lernen müssen“, erklärte Eberl nach dem desillusionierenden 0:4 gegen ein entfesseltes Borussia Dortmund.

Er hatte tatsächlich ausdauernd darauf hingewiesen, es werde hochkompliziert, Christoph Kramer und Max Kruse, die die Borussia verlassen haben, zu ersetzen, diese Partie gab ihm nun eindrucksvoll recht. Wobei die Verantwortlichen vom Niederrhein keinen derart umfassenden Zusammenbruch erwartet hatten.

Dass der neue Stürmer Josip Drmic noch nicht mit den Feinheiten des Gladbacher Fußballs vertraut ist, war schon in den Vorbereitungswochen und im Pokal zu sehen, dass allerdings auch der bislang überzeugende Lars Stindl derart hilflos agieren würde, war eine der Überraschungen dieses Saisonauftaktes. „Es war eine bittere Lektion für uns, und die Niederlage war auch in der Höhe absolut verdient“, sagte Kapitän Tony Jantschke zu dieser Partie, in der Marvin Schulz und An-dreas Christensen besonders überfordert wirkten.

Man konnte geradezu Mitleid mit den jungen Innenverteidigern haben, die beide ihr erstes Bundesligaspiel absolvierten. Christensen agierte sowohl beim zweiten als auch beim dritten Treffer des BVB naiv im Zweikampf mit Pierre-Emerick Aubameyang, und Schulz sah beim ersten Tor nicht sehr gut aus. Aber Eberl nahm die beiden in Schutz: „Ich glaube, dass es nicht an den beiden Jungens lag“, sagte er, „ich glaube, dass wir eher von den arrivierten Spielern mehr Führung hätten erwarten müssen.“

Das ist sicher richtig, und dennoch kann man kontrovers diskutieren, ob es zu riskant war, gleich zwei so junge Leute ohne jede Bundesligaerfahrung ihr Debüt in diesem einschüchternden Stadion bei einem sehr starken Gegner absolvieren zu lassen. Vielleicht wäre es besser gewesen, den erfahrenen Roel Brouwers als Unterstützung in die Startelf einzubauen, von Anführern wie Jantschke oder Granit Xhaka kam diese Unterstützung nämlich nicht. Die beiden waren intensiv auf anderen Baustellen und auch mit sich selbst beschäftigt, es hakte und holperte in allen Mannschaftsteilen.

Nur in den ersten zehn Minuten hielt die Borussia einigermaßen mit, und hätte Ibrahima Traoré seinen Pass auf den freistehenden Drmic (9.) etwas genauer gespielt, hätte diese Partie vielleicht sogar einen anderen Verlauf genommen. Denn Drmic hätte eine wunderbare Chance zur Führung gehabt. Aber vermutlich wären die Gladbacher auch nach einem eigenen Treffer unter der imposanten Wucht des glänzend aufgelegten BVB eingebrochen.

„Unsere gesamte Mannschaft hatte große Probleme mit diesem Tempo hier“, sagte Lucien Favre, dessen Defensivkonstrukt selten derart auseinandergeflogen war. Vier neue Spieler waren möglicherweise unverträglich für das sensible Konstrukt des Trainers aus der Schweiz.

Parallelen zu 2012

Und deshalb malte Eberl ein ziemlich düsteres Szenario für die kommenden Wochen, in denen die Borussia ja auch ihr Debüt in der Champions League feiern wird. „Es ist so ähnlich wie vor drei Jahren, da waren wir Vierter geworden und mussten auch eine neue Mannschaft aufbauen.“

Damals dauerte es viele Monate, Marco Reus, Roman Neustädter und Dante zu ersetzen. Und auch wenn sich am Sonntag Fabian Johnson einen Muskelfaserriss in der Wade zugezogen hat und ausfällt: Es gibt auch Hoffnung. Innenverteidiger Martin Stranzl wird zurückerwartet, und etablierte Kräfte wie Xhaka, Jantschke, Sommer oder Raffael werden nicht jede Woche derart neben sich stehen.

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