Gladbach schlägt sich mal wieder selbst

Von: Stefan Hermanns
Letzte Aktualisierung:
11755890.jpg
Slapstick-Tor: Lars Stindl verpasst den von Martin Hinteregger und Keeper Yan Sommer (re.) abgefälschten Schuss von Gideon Jung. Foto: sport/MIS

Hamburg. Branimir Hrgota löste mit seinem Laufweg große Verwunderung bei seinem Trainer André Schubert aus. Die Spieler von Borussia Mönchengladbach waren im Hamburger Volkspark gerade auf dem Weg in ihre Kurve, da hatte der schwedische Stürmer schon fast die Kabine erreicht. Der Ärger war ihm deutlich anzusehen.

Der Ärger über seine späte Einwechslung vermutlich genauso wie der Ärger über die vergebene Kopfballchance zum Ausgleich unmittelbar danach.

Vor einem Jahr hatte Hrgota seine Mannschaft mit einem Tor in der Nachspielzeit noch vor einer Niederlage beim Hamburger SV bewahrt, diesmal mussten sich die Gladbacher völlig verdient mit 2:3 (1:2) geschlagen geben. „Der HSV hat mit mehr Konsequenz hinten gespielt und mit mehr Konsequenz vorne“, sagte Borussias verärgerter Sportdirektor Max Eberl nach der dritten Niederlage im vierten Rückrundenspiel. „Deshalb hat er gewonnen.“

Leih-Stürmer Drmic trifft nicht

Immerhin blieb den Gladbachern ein Treffer ihres an den HSV ausgeliehenen Angreifers Josip Drmic erspart. Der Schweizer spielte im Dreiersturm auf der Linksaußenposition und hinterließ insgesamt einen guten Eindruck. Drmic war wie die gesamte Hamburger Mannschaft extrem engagiert und hatte in den 90 Minuten gegen seinen eigentlichen Arbeitgeber mehr gefährliche Offensivaktionen als in der gesamten Hinrunde für Borussia. „Ich bin zu Chancen gekommen. Das ist positiv“, sagte er nach dem Spiel.

Die erste hatte Drmic schon in der 13. Minute, als er völlig freistehend an seinem Landsmann Yann Sommer scheiterte. Quasi mit dem Nachschuss aber gingen die Gäste in Führung. Sommer leitete mit seinem Abwurf einen perfekten Konter ein, an dessen Ende Fabian Johnson den Ball auf der anderen Seite des Feldes nur noch über die Linie drücken musste. „Besser hätt’s nicht laufen können“, sagte Lars Stindl.

Aber die Gladbacher gaben den Vorteil gegen einen Gegner, der zuvor sechs Spiele nicht gewonnen hatte, unmittelbar vor der Pause wieder aus der Hand. „Einen angeschlagenen Gegner musst du besser bespielen“, klagte Eberl. Aber Borussia überließ den leidenschaftlichen Hamburgern mehr und mehr die Kontrolle. „Leichtfertig, leichtsinnig, fahrig“ kam Schubert das eigene Team vor. „Wir sind keine Mannschaft, die einen Gegner mal eben so an die Wand spielt.“

Ende der ersten Halbzeit kippte die Partie. Aaron Hunt scheiterte zwar mit einem Schuss von der Strafraumgrenze an Sommer. Nach der anschließenden Ecke aber gelang den Hamburgern der Ausgleich. Cleber traf zunächst die Latte, beim Nachschuss von Emir Spahic rettete Mahmoud Dahoud auf der Linie, den dritten Versuch von Gideon Jung lenkte Gladbachs Innenverteidiger Martin Hinteregger ins eigene Tor. „Es braucht nicht viel, um gegen uns Tore zu schießen“, sagte Torhüter Sommer nach den Gegentreffern 36 bis 38. Das 2:1 der Hamburger, nur drei Minuten nach dem Ausgleich, resultierte aus einem Abschlag von Torhüter René Adler, Hinteregger stand ungünstig, Oscar Wendt kam nicht mehr hinterher, und Artjoms Rudnevs traf genau ins lange Eck.

Xhaka mit Licht und Schatten

Den Kontrollverlust in dieser Phase konnte auch Kapitän Granit Xhaka nicht verhindern, der nach Ablauf seiner Rotsperre erstmals in diesem Jahr spielen durfte. „Man hat gemerkt, dass er ein paar Spiele Pause hatte“, bemängelte Trainer Schubert. „Er war auch einer, der sich in der einen oder anderen Situation zu sicher war.“ Xhaka habe zwar viele Ballkontakte gehabt, sei sehr präsent gewesen.

Allerdings leistete er sich auch einige leichte Fehler. Mit einem erfolglosen Dribbling am eigenen Strafraum leitete der Schweizer die erste Ausgleichschance der Hamburger ein, bei der Lewis Holtby den Ball, frei vor Sommer, ins Nichts ablegte.

In der zweiten Hälfte war es allerdings vor allem Xhaka, der wieder mehr Struktur ins Gladbacher Spiel brachte. Doch genau in der Phase, als dem HSV die Kräfte zu schwinden schienen, führte eine weitere Unachtsamkeit zur Entscheidung. Zehn Minuten vor Schluss erzielte der eingewechselte Ivo Ilicivic – wieder nach einer Ecke – per Kopf das 3:1. Der Anschlusstreffer von Raffael zwei Minuten vor dem Ende kam zu spät. „Der HSV hat heute nicht gewonnen“, sagte Sportdirektor Eberl nach einer insgesamt dürftigen Vorstellung. „Wir haben verloren.“

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert