Gladbach leistet Widerstand gegen den Leipziger Dampfwalzen-Fußball

Von: cr
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Gladbachs Abwehrhühne Jannik Vestergaard hatte gegen aggressive Leipziger viel zu tun. Foto: dpa

Leipzig. Leipzigs Trainer Ralph Hasenhüttl schaute für einen Sekundenbruchteil sehr verdutzt drein. Eine Aussage seines Gladbacher Kollegen André Schubert hatte ihn kurz irritiert.

Der hatte– mitten hinein in seine Lobeshymne über das „sehr hohe Tempo“ einer Leipziger Mannschaft, „die gerade im Flow ist“ – einen Satz gesagt, der plötzlich gar nicht mehr so devot klang wie all die lobenden Worte zuvor. „Wie Leipzig spielt, ist leicht zu lesen“, sagte Schubert nach dem 1:1. Hasenhüttl durchfuhr ein kleiner Ruck. Doch dann schob Schubert nach: „Aber so wie sie es spielen, ist es wahnsinnig gut.“

Wohl wahr. Mönchengladbach, das kurz vor Schluss eine seiner beiden einzigen Chancen zum Ausgleich durch Fabian Johnson nutzte (85.) hatte seine liebe Mühe und Not, den Leipziger Dampfwalzen-Fußball halbwegs unbeschadet zu überstehen. Das gelang, weil Gladbach im zweiten Durchgang konsequent dagegenhielt, über Zweikämpfe ins Spiel kam und gegen Ende der Partie auch endlich offensiv aktiv wurde. „So wollen wir eigentlich nicht spielen, aber wenn es nicht anders geht, müssen wir es können“, stellte Torschütze Johnson fest.

Dass es bei einem Leipziger Treffer von Timo Werner (6.) blieb, war besonders in der ersten Hälfte letztlich auch Glückssache. 120 Kilometer lief der Aufsteiger über 90 Minuten, das waren sechs mehr als die ebenfalls nicht fußlahmen Gäste. Und wer glaubt, dass solche statistischen Parameter nicht viel aussagen, kann dieses Spiel nicht gesehen haben: Jeder Borusse, der den Ball hatte, wurde umgehend von drei bis vier Rot-Weißen attackiert.

Der Leipziger Fußball, von den Ex-Trainern Alexander Zorniger und Ralf Rangnick entwickelt und von Ralph Hasenhüttl auf die Spitze getrieben, ist schnell, dynamisch und kurzweilig. Doch – und das ergänzte Schubert mit seinem frechen Einschub – sonderlich feinsinnig ist dieser Fußball nicht.

„Es liegt ausschließlich im Ermessen des Betrachters, ob das nun attraktiver Fußball ist oder nicht“, sagte der gut gelaunte Gladbacher Coach gnädig und pries sein eigenes Team für den Fußball, der ihm selbst vorschwebt. „Wir sind da anders aufgestellt, deswegen lobe ich meine Mannschaft für über 60 Prozent Ballbesitz und die gute Passquote.“

Denn gegen den Leipziger Highspeed-Fußball, betrieben von flinken, ballsicheren und dementsprechend teuren Spielern, werden noch viele Teams die Segel streichen müssen. Wie sagte Gladbachs Christoph Kramer so schön: „Wenn Leipzig weiter so punktet, können wir das Remis als Gewinn werten. Denn dann werden nicht viele Teams hier punkten.

Beim Versuch, möglichst drei Zähler am Samstag gegen Ingolstadt zu holen, muss Gladbach wohl auf Tobias Strobl verzichten, der mit einer Muskelverletzung im hinteren Oberschenkel in Leipzig ausgewechselt werden musste.

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