Gladbach ist noch kein Bayern-Bezwinger

Von: Bernd Schneiders
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Borussia kann die defensiven Schwächen des Tabellenführers nicht nutzen und unterliegt 0:2

Mönchengladbach. Drei Riesentransaparente hängen anno 2014 auf den Seiten im Borussia-Park. „Gegen Rassimus“, „für Toleranz“ und „für Respekt“. Nur die Haupttribünen-Seite ist noch frei. Zu gerne hätten die Mönchengladbacher ein viertes Banner am Freitagabend aufgezogen: „Bayern-Besieger“! Doch es blieb beim Wunsch, den sich der Tabellendritte wohl mit allen restlichen Klubs der Bundesliga teilte: Borussia unterlag den souveränen Tabellenführer mit 0:2.

Nach der 0:3-Klatsche für die Bayern im letzten Test bei RB Salzburg hatte Lucien Favre noch einschränkend angemerkt – „ohne Ribéry und Robben“. Den Verweis auf die Münchner i-Tüpfelchen im Star-Kader konnte Borussias Trainer wiederholen: Frank Ribéry war gar nicht im Kader, Arjen Robben saß erstmal nur auf der Bank. Dort fehlte zudem einer, den offensichtlich jetzt bereits Sommer-Neuzugang Lewandowski in die Glieder gefahren ist: Mario Mandzukic. „Er hat nicht gut trainiert“, erklärte Bayern-Sportvorstand Matthias Sammer.

Zumindest auf der Tribüne war ein anderer hochkarätiger Gast: Manchester Uniteds Trainer David Moyes. Vermessene Gladbach-Beobachter hatten ihn angekündigt. Seine angebliche Objekte: Max Kruse und Patrick Herrmann. Da hatte man sich bei aller Wertschätzung des Gladbacher Duos bei den Mannschaften verirrt. Der Schotte des krisengeschüttelten Traditionsklubs wird sich wohl eher im Edel-Kader der Münchner bedienen müssen, um in der nächsten Saison wieder nach dem Titel greifen zu können.

Vielleicht aber war Moyes auch nur da, weil er ein Spitzenspiel sehen wollte. Mit diesem Interesse war er nicht allein, 54 009 Gleichgesinnte fanden sich im ausverkauften Borussia-Park. In 206 Länder wurde die Partie übertragen. Ein Fenster, dessen Auslage sich lohnte, mit attraktivem Fußball zu füllen.

Kruse hatte die frühe Chance, Herrn Moyes doch noch auf sich aufmerksam zu machen. Aber eine Vorlage von seinem Torhüter Marc-André ter Stegen verdaddelte der Stürmer fast ungläubig über die Großchance wirkend allein vor Bayern-Keeper Manuel Neuer (2.). Das Imperium war gekitzelt worden, womöglich auch durch die „Hoeneß-in-den-Knast“-Gesänge der Nordkurve. Das Imperium schlug zurück: Erst mit einem Warnschuss, als Mario Götze die Gladbacher Abwehr nach einem Heberchen auf sich selbst überspielte und den Pfosten traf (6.). Dann zielte der Ex-Dortmunder präziser, als ihn ein Rückpass von Thomas Müller mühelos erreichte – 1:0 für den Favoriten (7.).

Der Selbstbewusstsein-Stecker der Favre-Elf war rausgezogen, die schwindelerregende Flexibilität der Guardiola-Schüler tat ihr übriges. Beispiel Müller, eigentlich einzige Spitze vor Götze, tauchte rechts auf dem Flügel auf, wenig später tummelte er sich links im Mittelfeld. Ein Freistoß von Juan Arango, den Neuer mit Mühe hielt (34.), stimulierte die Gastgeber zu starken letzten fünf Minuten vor der Pause. Kruse knallte den Ball nach einem Tänzchen mit Dante an den Pfosten (40.).

Herrmann rutschte – erneut – aus, als Neuer einen Schuss von Arango nur unkontrolliert abwehren konnte (45.). Die defensive Anfälligkeit der Bayern war aufgedeckt, doch die Gladbacher waren in der zweiten Hälfte kaum noch in der Lage, diese zu nutzen. Stattdessen machte Bayern Druck, ein Getümmel im Strafraum endete mit einem Schuss Thiagos an Xhakas Hand – Müller verwandelte den Strafstoß frech zum 2:0 (54.).

Die neue Hoffnung war zerstört, auch wenn Herrmann noch den Pfosten traf (64.) und eine Chance kläglich vergab (66.). Noch ist Bayern eine Nummer zu groß für die Favre-Elf. Für Gladbach aber bleiben immerhin zwei wenig überraschende Erkenntnisse: Nur Raffael und Arango können fußballerisch mithalten mit dem Bayern-Niveau – und der Verbleib von Kruse und Herrmann ist nicht gefährdet.

Mönchengladbach: ter Stegen - Korb, Stranzl, Dominguez, Wendt - Herrmann (76. Hrgota), Kramer, Xhaka, Arango - Raffael - Kruse

München: Neuer - Rafinha, Boateng, Dante, Alaba - Lahm - Müller, Thiago, Kroos (87. Højbjerg), Shaqiri (79. Robben) - Götze (81. Pizarro)

Schiedsrichter: Gagelmann (Bremen) Zuschauer: 54.010 (ausverkauft) Tore: 0:1 Götze (7.), 0:2 Müller (53./Handelfmeter) Gelbe Karten: Kramer (4), Wendt / Kroos

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