Gladbach gegen Hamburger SV: Ehrfürchtig darf nur Favre sein

Von: Bernd Schneiders
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Schwergewicht: Schon im Hinspiel musste Gladbach-Keeper Marc-André ter Stegen HSV-Bulle Pierre-Michel Lasogga ertragen. Foto: sport/Szyza

Mönchengladbach. Auch zwei Tage danach war Lucien Favre das 0:1 in Frankfurt noch anzusehen. Natürlich weiß Borussia Mönchengladbachs Trainer, dass eine derart knappe Niederlage und dazu noch auswärts noch nicht einmal den Hauch einer Sensation besitzt. Aber der Schweizer reklamiert seine generelle Sensibilität. „Keine Niederlage ist einfach zu verdauen.“

Speziell nicht solche, in denen viele Beobachter über 90 Minuten das Gefühl hätten, Kruse&Co. müssten nur ein Schäufelchen draufpacken, um zumindest einen Punkt einzufahren. „60 Prozent Ballbesitz – aber keine Effizienz: Mehr als ein Null zu Null war nicht zu machen“, zeigt sich Favre bescheiden.

Doch das ist der Maßstab des Gezeigten, nicht des Möglichen. Auch wenn der Borussen-Coach – wie stets – ehrfürchtig die Qualität und den Kader des nächsten Gegners, des Hamburger SV, goutiert: Die Zeiten, in denen die Gladbacher Aufstellung nicht beeindruckt, sind vorbei. Verglichen mit Favre müsste manch Bundesliga-Trainer in Schockstarre fallen beim Blick auf dessen Personal.

Die inflationär suggerierte Unterlegenheit ist also eine Mär. Die sportliche und personelle Entwicklung nicht, sie ist hart erarbeitet worden von Sportdirektor Max Eberl und Trainer Lucien Favre. Gewachsen sind damit aber auch die Erwartungen – speziell im Umfeld des Traditionsklubs. Sowohl was den Tabellenplatz als auch die Spielweise angeht. Der „Rückfall“ nach der Niederlage in der Main-Metropole wird so fast als Absturz empfunden.

Dabei ist es nicht neu, dass die von Favre entwickelte Spielanlage bei kampfbetonter Spielweise des Gegner schnell mal an ihre Grenzen stößt. Die Elf ist darauf trainiert, sich fußballerisch durchzusetzen. Klemmt dieser Ansatz, tut sich die Mannschaft schwer, sich auf irdischere Qualitäten zurückfallen zu lassen.

Das führt schnell zum Eindruck, die Mannschaft spiele einfach ihren Kombinationsstiefel runter. Diese vermeintliche Nonchalance ärgert speziell dann, wenn im Kampf um internationale Plätze jeder Punkt ein Gewinn sein kann. In der Rückrunde der Fast-Abstiegssaison hat Borussia unter Favre obendrein bewiesen, dass sie ihre Fußball-Philosophie durchaus mit einem unbedingten Wollen vereinen kann.

Letzteres kann auch nur der Rettungsanker der Hanseaten sein beim Kampf, nicht das Qualitätssiegel „einziges Gründungsmitglied der Bundesliga ohne Abstieg“ einzubüßen. Verkörpert wird diese Tugend durch Pierre-Michel Lasogga, über den HSV-Legende Uwe Seeler zungeschnalzend urteilt: „Er stiftet Unruhe im Strafraum wie der Fuchs im Hühnerstall.“

Der wuchtige Stürmer ist ein gefundenes Fressen für Gladbachs österreichisches Kampf-Huhn Martin Stranzl, um seinen Fehler zum 0:1 in Frankfurt wieder gut zu machen. Da passt es, dass sich die Gladbacher zukünftig durch einen starken Hahn panikresistenter machen könnten.

André Hahn kann Augsburg Ende der Saison für eine festgeschriebene Ablösesumme von 2,25 Millionen Euro verlassen. Die Waage könnte sich pro Gladbach statt Dortmund neigen, da für den torgefährlichen Sprinter in der Favre-Elf mehr Spielzeiten garantiert wären. Bis Montag muss sich Hahn entscheiden.

Voraussichtliche Aufstellung: ter Stegen - Korb, Stranzl, Domínguez, Daems - Kramer, Xhaka (Nordtveit) - Herrmann, Arango - Raffael, Kruse

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