Gladbach: Für Jonas Hofmann öffnet sich eine Tür

Von: Bernd Schneiders
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Jonas Hofmann hat gute Erfahrungen mit dem Timing seines Fußballschicksals gemacht.

Mönchengladbach. Jonas Hofmann hat gute Erfahrungen mit dem Timing seines Fußballschicksals gemacht. Das erste Mal in der D-Jugend beim FC Rot. Der heute 24-jährige Mönchengladbacher Profi wollte sich vor fast 13 Jahren der Macht der Familien-Gene beugen.

Hofmann stammt aus einer Handballer-Dynastie: Vater Harald ist ehemaliger Zweitliga-Spieler und Trainer, auch Mutter Birgit war aktiv, ebenso Bruder Benjamin, der aktuell für den Regionalligisten Astoria Walldorf kickt.

Klein-Jonas musste sich entscheiden, Fußball und Handball war zu viel. Der Elfjährige wählte den Handball. Die Karriererettung kam aus der „Nachbarschaft“! Ein aufstrebender Verein aus Sinsheim machte dem Talent ein Angebot. „Das Projekt Hoffenheim hörte sich richtig spannend an“, blickt Hofmann zurück. Er beendete lieber seine Handball-Laufbahn. Selbst Papa Hofmann muss heute zugeben: „Alles richtig gemacht.“

Vergangene Woche setzte Trainer Dieter Hecking seinen Offensivspieler im Testspiel gegen St. Pauli auf die Doppel-Sechs. „Natürlich auch, weil das Personal fehlte“, erklärt der 24-Jährige. Doch daraus könnte viel mehr als eine Notlösung werden. Womöglich öffnete sich am Donnerstag ein weiteres Tor für das Bewegungstalent. Sein Arbeitgeber musste den Abgang von Mo Dahoud im Sommer bekanntgeben, Stammspieler neben Christoph Kramer vor der Abwehr. Der 21-Jährige spielt den offensiven Part, auch am Samstagabend (18.30 Uhr) bei Eintracht Frankfurt.

Dieses Erbe könnte Hofmann antreten, wenn auch mit anderem Akzent. In der Zentrale hätte er ein Alleinstellungsmerkmal: Der Badener ist schnell. Eine Qualität, die Borussia überwiegend auf den Außenpositionen besitzt, nicht aber auf der Mittelachse. „Ich fühle mich wohl auf der Position“, sagt Hofmann. Das überrascht seinen Trainer nur wenig. „Max Eberl und ich haben uns mit ihm vor dem Testspiel unterhalten“, erklärt Hecking. Und nennt dessen Vorzüge: gutes Spielverständnis, gute Technik, Schnelligkeit. „Schon gegen die Bayern hat er zentral gespielt. Das hat mir gut gefallen.“

Natürlich sagt Jonas Hofmann, dass er überall spielen würde, solange er spielt. Aber er ist intelligent genug, um seine Chance zu erkennen. Er könnte dieser im modernen Fußball so wichtigen Position eine neue Qualität einhauchen. „Auch mal ins Tempodribbling gehen, ohne das Risiko zu übertreiben“, sagt er. „Und das hat dann auch Auswirkungen auf die gegnerische Abwehrkette, die sich zusammenziehen und damit Platz auf den Außenpositionen anbieten würde.“

Borussia Mönchengladbach ist das Risiko eingegangen, Dahoud sich in der Schaltzentrale entwickeln zu lassen, Rückschläge inklusive. Mit Jonas Hofmann müsste man ebenfalls Geduld haben, auch wenn er bereits drei Jahre älter ist. Aber womöglich weniger als mit László Bénes, der erst 19 ist. Hofmann kennt seine Schwäche. „Ich komme nicht über die Kraft. Das werde ich auch nicht mehr ändern können. Aber Cleverness kann ich mir aneignen, doch die entsteht nur durch Praxis.“

Und da hat sich einiges getan. Der Wechsel von André Schubert zu Dieter Hecking wurde zum Glücksfall für den Wintertransfer des Jahres 2016. Bereits nach der Vorbereitung für die aktuelle Saison wurde der ehemalige Dortmunder zum Gewinner des Trainingslagers ausgerufen, ein Stammplatz winkte: „Ich war nah dran. Doch der Trainer (Schubert) hat sich umentschieden.“ Das ungewohnte Vertrauen Heckings aber, das er ein halbes Jahr später plötzlich spürte, beflügelte den ehemaligen Reservisten.

„Ich habe ihn sowohl in Dortmund als auch bei seiner Ausleih-Zeit in Mainz verfolgt. Und gedacht: Wenn du den einmal kriegen kannst, hast du einen Guten“, sagt der Borussen-Coach. Dann hatte Hecking ihn plötzlich – in der Winterpause. Und im Trainingslager nahm er sich den 24-Jährigen zur Seite und eröffnete ihm Perspektiven und Erwartungen. Gegenseitiges Vertrauen entstand. „Ich habe mein Versprechen gehalten – und Jonas auch!“

Nach den Tuchels, Klopps, Schmidts und Wagners könnte ihm der endgültige Durchbruch ausgerechnet unter seinem ältesten Fußballehrer gelingen. „Womöglich passt es so gut, weil auch Dieter Hecking ein absoluter Familienmensch ist. Er ist vom Kopf her ähnlich gestrickt“, sinniert Hofmann. Womöglich gefällt „Papa“ Hecking auch die extreme Höflichkeit seines Zöglings.

„So haben mich meine Eltern erzogen, ich habe vor allen Menschen Respekt.“ Das kommt im Klub gut an. Doch sicherlich wäre ihm der Trainer nicht gram, wenn seine Höflichkeit weiter auf der Reservebank bleiben würde. „Ich werde mich nicht mehr komplett ändern, ich mache es auf meine Art“, sagt Hofmann durchaus selbstbewusst. Die Stoßrichtung erinnert an Heckings Vor-Vorgänger. Lucien Favre predigte stets „intelligentes Verteidigen“. Jonas Hofmann könnte sein Jünger werden.

Voraussichtliche Aufstellung: Sommer - Jantschke, Christensen, Vestergaard, Wendt - Herrmann, Dahoud, Strobl, Hazard - Stindl, Raffael

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