Gladbach durch die Bank bestens aufgestellt

Von: Christoph Classen
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Da lassen sie ihn hochleben: Mönchengladbachs Ibrahima Traore (obenauf) hatte großen Anteil am Derbysieg. Foto: dpa

Köln. Ibrahima Traoré hatte sich so seine Gedanken gemacht, kurz bevor der Trainer ihn einwechselte, und es war ziemlich viel, was Traoré, 28, in diesem Moment durch den Kopf ging; nach dem Spiel zählte er die Dinge auf.

Am Rand des Spielfelds war da also Traoré: vor kurzem aus viermonatiger Verletzungspause zurückgekehrt, zuletzt mit überzeugenden 60 Spielminuten bei Borussia Mönchengladbachs U23 gegen Ahlen in der Regionalliga West und mit vernachlässigbaren 14 Spielminuten gegen Berlin in der Bundesliga. Auf dem Spielfeld war der 1. FC Köln, Gastgeber des Derbys und der Gegner, mit dem es nun also auch Traoré zu tun bekommen sollte. In der 54. Minute. Beim Spielstand von 1:1. Als Ersatz für Raffael, der sich wohl eine Prellung zugezogen hatte. „Es ist nicht einfach, in so ein Spiel reinzukommen“, sagte Traoré. Und eventuell erklärt das, was danach geschah.

Mit dem ersten Ballkontakt war es Traoré nämlich nicht gelungen, den Ball im Tor unterzubringen, er benötigte dazu tatsächlich noch einen zweiten. Eine Minute nach seiner Einwechslung hatte er seine Mannschaft dann in Führung gebracht, 2:1, aber geplant sei das anders gewesen, darauf wies Traoré eigens hin. Über den Ball, der im Tor landete, sagte Traoré: „Ich wollte ihn eigentlich scharf reinspielen.“ Womit auch deutlich wird, wie sich Traoré in diesem Spiel von Josip Drmic unterschied.

Drmic war auch eingewechselt worden, er kam in der 75. Minute für Jonas Hofmann, weil sein Trainer Dieter Hecking in dieser Phase des Spiels den Druck im Zentrum der Offensive erhöhen wollte; es stand jetzt 2:2. Fünf Minuten nach seiner Einwechslung schoss Drmic gegen den Pfosten, geplant war das anders. Er sagte: „Ich hatte mir mehr erhofft, dass der Ball reingeht.“ So prallte er vom Pfosten zu Lars Stindl, der schoss ihn ins Tor. Stindl wurde dann in der Nachspielzeit ausgewechselt, was aber nicht an mangelnder Kondition gelegen haben kann, denn auch nach Abpfiff demonstrierte er seinen bemerkenswerten Antritt. Er nutzte ihn, um von den Fragen der Journalisten weg gerade noch rechtzeitig auf das Foto der Mannschaft aus der Kabine zu sprinten. Bei Twitter war dann Torwart Yann Sommer (@yannsommer1) der Schnellste, er hatte das Foto als Erster gepostet.

„Mittendrin in Europa“

Für Stindl ins Spiel gekommen war zuvor noch László Bénes, der Mann also, der gegen Berlin zum ersten Mal für Gladbach von Beginn an auf dem Platz gestanden hatte und dem dabei auch direkt der Siegtreffer gelungen war. Es war jetzt ein bisschen so als hätte Mönchengladbach die vergangenen beiden Partien in der Bundesliga nutzen wollen, um zu demonstrieren, dass man neben guten Stammspielern genau so gute Ersatzspieler aufbieten könne. Und das ist natürlich eine Sache, die einem Trainer eine unerhörte Entspanntheit bescheren kann.

Hecking jedenfalls konnte diesen Eindruck nicht völlig von sich weisen, auch wenn er seine Mannschaft halbherzig wegen fehlendem Zug zum Tor und mangelnder Konsequenz ermahnte. Nach 74 Prozent Ballbesitz und 16 zu 9 Torschüssen für Gladbach war die Partie noch überraschend eng geblieben. Hecking sagte aber auch: „Wir wissen schon, dass wir gut spielen und dass wir gut den Ball laufen lassen können.“

Dass er ein ganz guter Einwechsler sei, sagte Hecking nicht, aber Traoré stellte schon mal in Aussicht, wo das alles zusammengenommen hinführen könnte. Er sagte: „Wir sind wieder mittendrin in Europa.“

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