Gladbach: Belohnt sich André Hahn für seine Herkulesarbeit?

Von: Bernd Schneiders
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Kampfstürmer André Hahn. Foto: imago/Team 2

Mönchengladbach. Es ist ein nicht unüblicher Reflex, dem auch das Fohlenecho zum vorletzten Heimspiel der laufenden Fußball-Bundesligasaison nachgeht: Der FC Augsburg kommt am Samstag in den Borussia-Park, da drängt sich eine Geschichte mit einem Augsburger in den eigenen Reihen auf – selbst, wenn dieser bereits seit fast drei Jahren ein Rautenträger ist. André Hahn also.

Verdient hat sich der Stürmer diese Aufmerksamkeit allerdings viel mehr auf andere Art und Weise. Kein anderer Spieler im Kader von Borussia Mönchengladbach besitzt die Kraft, sich am eigenen Schopf aus einem Leistungsloch herauszuziehen.

Kein anderer Spieler verkraftet es, für diese Herkulesarbeit nicht mit etwas Zählbarem belohnt zu werden, was die Statistik betrifft. Erst recht nicht abseits der Tore-Zählung. Als Stürmer wird er nie einen Topwert in der Tabelle der besten „Kampfschweine“ ergattern, obwohl das gerade seine Stärke ist. Doch hier laufen die Defensivspezialisten den Offensivkollegen naturgemäß den Rang ab. Wie etwa Andreas Christensen, mit knapp 69 Prozent Spitzenreiter der Bundesliga in Sachen gewonnener Zweikämpfe.

Mit dem, auf das Stürmer landläufig reduziert werden, kann Hahn aber auch nicht wuchern – unverschuldet: Auf lediglich zwei Treffer in der Bundesliga und einen in der Champions League kommt der 26-Jährige. Das hängt auch damit zusammen, dass er erst jetzt, da sich die Saison dem Ende zuneigt und die Verletztenliste besonders groß ist, zu mehr Einsatzzeiten kommt.

Das widerfährt anderen ebenfalls, aber für keinen ist das so kontraproduktiv wie für den Kraftstürmer. In puncto Technik fällt Hahn gegenüber seinen offensiven Konkurrenten deutlich ab. Ein Kombinationsspieler wird er nie werden. Um aber dennoch seine Wucht und Zielstrebigkeit gewinnbringend in die Mannschaftsleistung einfließen lassen zu können, benötigt er Spielzeiten und Rhythmus. Zuletzt in Mainz ging er bereits erstaunlich gut mit der Kugel um.

Dieses Mindestmaß an Spielkunst muss er sich hart erarbeiten. Gewährt man ihm diese Zeit und Praxis nicht, wirkt er eher wie ein Fremdkörper in einer spielgierigen Gemeinschaft. „Eine „sensationelle Mentalität“ bescheinigt ihm Trainer Dieter Hecking. Auch dem 53-jährigen Fußballlehrer blieb nicht verborgen, wie sich Hahn nach mitleiderregenden Darbietungen jeweils in den ersten Halbzeiten gegen Dortmund oder Frankfurt nicht runterziehen ließ, sondern sich auf ein höheres Niveau wuchtete.

Beispielhaft seine körperliche Präsenz im Pokalhalbfinale gegen die Eintracht, als er, wie sonst allenfalls Jannik Vestergaard, dem „robusten“ Spiel der Kovac-Elf die Stirn bot und für Respekt und Widerstand auch außerhalb von Spielszenen sorgte. Selbst nach 120 Minuten wirkte er noch so, als wenn man ihn noch mal persönlich abpfeifen müsste: „André – es ist jetzt vorbei!“

Profiteure der Verletztenmisere

Wie Jonas Hofmann ist Hahn ein Profiteur der Verletztenmisere. Doch anders als der Ex-Dortmunder konnte und wird sich der Norddeutsche nicht festspielen: Kehren all die Raffaels und Hazards zurück, bleibt ihm wieder nur die Einwechselbank. Im Fohlenecho spricht Hahn von einer „Achterbahnfahrt“ in dieser Saison. Das wird sie auch zukünftig bleiben. Es würde aber auch seinem so hart erarbeiteten Aufwärtstrend entsprechen, wenn er sich gerade am Samstag gegen seinen Ex-Verein endlich auch mal wieder mit einem Tor belohnen würde.

Ansonsten bleibt ihm nur das Vertrauen seines Trainers, der – anders als Vorvorgänger Lucien Favre – ihn gerade in seinen Stärken bestätigt anstatt auf seinen Schwächen herumzureiten. Dieter Hecking mag Sturmbrecher, und der gebürtige Otterndorfer (Landkreis Cuxhaven) ist eine sinnvolle Ergänzung zu den vielen Leichtgewichten auf den Außenbahnen. Und womöglich entpuppt sich das Mentalitätsmonster auch als ideale Besetzung für die drei noch anstehenden Gegner.

Dieses Wochenende Augsburg, am Samstag drauf in Wolfsburg, am letzten Spieltag zu Hause gegen Darmstadt: Alles Aufgaben gegen Klubs, die ums Bundesligaleben kämpfen, die man nicht nur mit spielerischer Leichtigkeit und Klasse bewältigen kann. Hinten wird die Henne fett, und da könnte es passen, wenn Borussia am 34. Spieltag noch goldene weil europäische Eier legt – dank André Hahn.

Voraussichtliche Aufstellung: Sommer - Elvedi, Christensen, Vestergaard, Schulz - Herrmann, Dahoud, Strobl, Hofmann - Hahn, Stindl

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