Favres Kampf gegen das Alter und Hannover 96

Von: Bernd Schneiders
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„Ich will aber nicht wieder Bundesligatrainer werden, nur weil Du nicht der Älteste sein willst!“ Borussias Vize-Präsident Hans Meyer (links) im Gespräch mit Lucien Favre. Foto: sport/Ulmer

Mönchengladbach. Selten werfen Pressekonferenzen vor einem Bundesliga-Spiel tiefgreifende Erkenntnisse ab. Am Donnerstag wohl, und das gleich in doppelter Ausführung. „Ich war kaputt, als ich das gesehen habe“, rang Lucien Favre mit der Fassung, nachdem er zuvor wild gestikulierend, aber vergeblich versucht hatte, die Frage wie eine lästige Fliege abzuwimmeln.

Borussia Mönchengladbachs Trainer hat keine Probleme, auf eine 4-4-2- oder 4-1-4-1-Formation des Gegners zu reagieren. Doch ein chronologisches System macht den Taktik-Fuchs hilflos: die Zeit. Seit dem Rückzug von Jupp Heynckes ist der 55-Jährige der älteste Trainer der Bundesliga. Das scheint ihm noch mehr zu schaffen zu machen, als die technisch-taktischen Unzulänglichkeiten seiner Mannschaft. „Wir machen Fortschritte und wir werden weiter Fortschritte machen“, sagt der Borussen-Coach und meint diesmal die Entwicklung seiner Mannschaft vor dem ersten Saison-Heimspiel morgen (18.30) gegen Hannover 96.

Aber auch die Zeit schreitet für ihn fort, doch die europafreie Saison tut Lucien Favre gut. Er kann sich auf den allwöchentlichen Unterricht seiner Fußball-Schüler konzentrieren, anstatt sich wie in der Spielzeit zuvor mit Regenerationsübungen begnügen zu müssen. Das macht ihn nicht unbedingt jünger, aber hoffnungs- und auch allgemein froher, was seinem Gesicht abzulesen ist.

Erkenntnis Nummer 2: Lucien Favre hat kein Schweizer Fernsehen. Am Mittwochabend konnte er das verschmerzen, als seine Heimat-Auswahl den ehemaligen Weltmeister besiegte: „Keine Sensation“, griemelte der Routinier, „die Schweiz gewinnt gegen Brasilien in Basel immer 1:0.“

Notgedrungen musste sich der Fußballlehrer Deutschland gegen Paraguay antun – Anschauungsunterricht zumindest für eine Hälfte seiner Verbesserungsvorschläge: „Wir müssen weniger Chancen zulassen als in München“, fordert er vor der Aufgabe gegen die Slomka-Elf. Dafür waren Hummels & Co. ein schlechtes Vorbild. Doch immerhin traf die DFB-Elf auch vorne.

Eine Qualität, die Favre seiner Mannschaft noch einbleuen muss. „Wir haben viel vor dem Tor gearbeitet“, erzählt er über den Schwerpunkt der Trainingswoche. In der hat Juan Arango gefehlt, erst heute kehrt der Venezolaner von der Nationalmannschaft zurück. Entschieden über seinen Einsatz wird dann gemeinsam: Fühlt sich der Kapitän der Vinotinto (Weinroten) fit, wird er wohl spielen. Doch seine strapaziöse Reise bietet auch ein kleines Türchen für eine personelle Variante zur Bayern-Formation: Auf der linken Seite könnte Amin Younes, Raffael oder auch Max Kruse spielen.

„Wir müssen die richtige Mischung finden“, sagt Lucien Favre. Damit meint er wohl nur den richtigen Ersatz für Arango, nicht eine grundsätzliche Überlegung, ob gegen Hannover eine andere Zusammensetzung grundlegend sinnvoller wäre. Wie etwa die mit Luuk de Jong. Die Räume, die Borussia in München durch die offensive Spielweise der Bayern angeboten bekam und ansehnlich durch Kruse und Raffael nutzte – wenn auch nicht durch Tore –, wird sie gegen die 96er nicht erhalten. Ein Strafraumspieler mit Kopfballstärke wie eben de Jong – die Variante ist auch möglich, wenn Favre die linke Seite mit Kruse oder Raffael statt Younes besetzt. Beide können das spielen und haben das auch schon gespielt.

Aber Favre mag und goutiert die fußballerische Klasse seines Spitzenduos und wird es nur ungerne sprengen. Doch dann ist es an der Zeit, dass die Neuzugänge das Vertrauen des ältesten Bundesliga-Trainers endlich auch in Zählbarem zurückzahlen – in Toren.

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