Falsche Pässe und falsche Bewegungen

Von: Tobias Schächter
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Das Tor des Spiels durch den Mann des Spiels: Kevin Volland düpiert Filip Daems (nicht im Bild) und Christoph Kramer (links) und überwindet Marc-André ter Stegen mit einem feinen Flachschuss. Foto: sport/Jan Huebner

Sinsheim. Lucien Favre schaute auf das Blatt mit der Statistik und schüttelte den Kopf. In allen Bereichen hatte seine Mannschaft die besseren Werte, aber Borussia Mönchengladbach das Spiel bei der TSG 1899 Hoffenheim mit 1:2 (0:1) verloren. Im Bereich „Aktionen mit Ball“, eine umständliche Umschreibung für den Ballbesitzwert, stand da die Zahl 68 Prozent für Mönchengladbach. Favre schüttelte wieder den Kopf und sagte: „Ballbesitz ist nicht alles, das ist klar.“

Die Borussia bestimmte zwar die Partie eindeutig, spielte aber lange zu kompliziert und mit „falschen Pässen und falschen Bewegungen“ (Favre), bevor sie am Ende in einer energischen Drangphase zu wenig Präzision und Glück im Abschluss zeigte. „Das ist eine große Enttäuschung, hier zu verlieren“, ärgerte sich Favre nach der dritten Niederlage auswärts im dritten Spiel fern der Heimat.

„Am Ende zählen Ergebnisse“, wusste der Schweizer nach diesem ernüchternden Nachmittag endgültig. Die Gladbacher haben den Prozess noch nicht abgeschlossen, mehr Ballbesitz zu kreieren, im Aufbauspiel kreativer zu werden – und dennoch Ergebnisse zu liefern.

Bei aller spielerischen Überlegenheit: Die Borussia verteidigte in den entscheidenden Situationen zu ungeschickt, und Favre haderte: „Wir müssen im Kopf haben, in jeder Szene hundertprozentig zu verteidigen.“ Auch sein Kapitän Filip Daems bemängelte: „Wir haben zu einfach die Gegentore bekommen.“ Beim 1:0 („Ein Schweine-Tor“, so Gladbachs Manager Max Eberl) flankte der Norweger Tarik Elouynoussi, der Franzose Anthony Modeste köpfte, und der Belgier in Gladbachs Diensten, Filip Daems, fälschte die Kugel unhaltbar für Torwart Marc-André ter Stegen ins eigene Tor ab (45.).

So kurz vor der Pause war die Entstehung des Gegentores bitter für die Gladbacher. Als die Gäste dann innerhalb von zwei Minuten kurz nach der Pause zwei große Chancen durch Arango und Raffael vergaben (51. und 53.), schienen die Hoffenheimer zu wanken. Aber Kevin Volland versetzte mit dem Treffer zum 2:0 (54.) dem VfL erneut einen Schock. Es war ein großartiges Tor, das die Stärken des Stürmers in einer Szene verdichtete: Den Pass von Modeste nahm er mit dem linken Fuß fast an der Außenlinie am Fünfmetereck auf, drehte plötzlich nach innen und zog mit seinem rechten Fuß ab – der Ball schlug im langen Eck am Innenpfosten ein. „Volland spielt das top“, gab Favre zu: „Aber das kann er normalerweise nicht machen.“ Daems und Kramer sahen nicht gut aus in der Szene.

Branimir Hrgota energisch

Die Gladbacher schöpften erst wieder Hoffnung, als der für den schwachen Patrick Herrmann eingewechselte Branimir Hrgota nach einer energischen Einzelleistung das 1:2 erzielte (75.). Doch am Ende fehlte neben Präzision eben auch das Glück beim VfL, wie Trainer Favre bemängelte. Auch, weil Gladbachs Offensivkraft Max Kruse nicht seinen allerbesten Tag hatte und Kevin Volland einen überragenden. Mancher Experte traut Volland zu, auch in der A-Nationalmannschaft Karriere zu machen.

Einer, der in der A-Auswahl von Trainer Joachim Löw noch vor ihm steht, ist der Gladbacher Max Kruse. Der Ex-Freiburger ist wie Volland ein Linksfuß mit ähnlich starken Qualitäten im Einfädeln von Torchancen und im Abschluss. Auf der Tribüne des Hoffenheimer Stadions machte sich Löws Assistent Hansi Flick ein Bild von den derzeit zwei interessantesten Offensivkräften der Liga.

Die in der Hierarchie noch vor Kruse und Volland stehenden Mario Gomez (Florenz), Miroslav Klose (Lazio Rom) und Lukas Podolski (FC Arsenal) spielen im Ausland. Am Ende gewann Kevin Volland nicht nur mit Hoffenheim gegen Gladbach, sondern auch den Vergleich mit Max Kruse.

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