Erst die kalte, dann die warme Dusche

Von: Daniel Theweleit
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Kontrast-Programm: Während Pierre-Emerick Aubameyang nach seinem 4:1 strahlend zu seinen Kollegen sprintet, finden es die Gladbacher Tobias Strobl & Co. einfach nur zum Kotzen. Foto: imago/Thomas Bielefeld

Dortmund. Es gab nicht viele Mönchengladbacher Helden an diesem Nachmittag, der aus Sicht aller Freunde des Champions League-Teilnehmers vom Niederrhein einen ausgesprochen trübseligen Verlauf genommen hatte.

Mit hängenden Schultern und besorgten Gesichtern begab sich die Mannschaft nach dem Abpfiff zum Block mit den eigenen Fans, und zum Erstaunen vieler Beobachter bekam sie dort tatsächlich eine warme Dusche tiefer Zuneigung verpasst. Die Anhänger, sangen und applaudierten, sie waren die heimlichen Gladbacher Gewinner des Tages. „Das ist ein Statement für den Verein“, freute sich Sportdirektor Max Eberl, der die aufmunternde Reaktion auch als Resultat seiner eigenen Kommunikationsstrategie betrachten darf.

Nachdem er vor knapp zwei Wochen mit einem wortgewaltigen Aufruf zu mehr Demut und Realitätssinn auf Pfiffe der eigenen Fans reagiert hatte, sind die Nörgler und Kritiker vorerst verstummt. Ärgern müssen sie sich allerdings, dass die Maßnahmen des Trainer sehr viel weniger wirksam zu sein scheinen.

Jede Menge Probleme

Denn über die Leistung der Mannschaft gab es nicht viel Positives zu berichten nach diesem Ausflug ins Revier. Wieder mal gab es jede Menge bestens vertraute Probleme zu bestaunen. Zum vierten Mal in Folge hat das Team das erste Tor geschossen, zum vierten Mal haben sie trotzdem nicht gewonnen. „Wenn wir den Plan haben, tief zu verteidigen und dann auch noch in Führung gehen, sollten wir in der Lage sein, unsere Führung länger zu verteidigen“, sagte Eberl. Tatsächlich hielt der Vorsprung nach Raffaels 1:0 (6.) gerade mal eine Minute, und die seltsame Energielosigkeit jenseits des Borussia-Parks, die mittlerweile Merkmale eine Neurose aufweist, war ebenfalls in ihrer ganzen Pracht zu sehen.

Sie wissen, was falsch läuft, sind aber außerstande, wirksame Gegenmittel zu finden. Wie so viele Gastgeber der Gladbacher war der BVB wacher, spielte freudvoller, war schneller und vor allem beweglicher auf den Beinen und im Kopf. „Im Moment spricht Vieles gegen uns“, sagte Trainer André Schubert und wirkte etwas ratlos. Aber natürlich hatte er recht mit seiner Feststellung, dass man „in Dortmund nur etwas holen kann, wenn man am Limit spielt“, und dazu sei seine Mannschaft an diesem Tag „nicht in der Lage“ gewesen. Kapitän Lars Stindl sprach von einem „Negativstrudel“, in dem der Klub sich drehe, es sind die alten Symptome der Fußballkrise, die jeder kennt.

Plötzlich unterlaufen sogar Spielern Fehler, die in den vergangenen Wochen noch ausgesprochen zuverlässig agiert hatten. Ungefragt erklärte Schubert, dass Yann Sommer Pierre-Emericks Treffer zum 1:1 (7.) „an einem guten Tag gehalten hätte“, außerdem leitete Nico Elvedi das vorentscheidende 3:1 (Dembélé, 64.) durch ein schlimmes technisches Missgeschick ein, und beim von Zufällen begünstigten 2:1 durch Lukasz Piszczek (15.) wirkte das typische Krisenpech mit.

„Momentan hat jeder mit sich selbst zu tun und nimmt wenig Verantwortung für die Truppe. Wir müssen da jetzt alle helfen und unterstützen, auf und neben dem Platz“, sagte Eberl.

Wahrscheinlich war das Gastspiel bei den heimstarken Dortmunder am Ende einfach eine Nummer zu groß, um als Wendepunkt zu taugen, daher ist die Partie gegen Mainz 05 am kommenden Sonntag von immenser Bedeutung im Bestreben, den schrumpfenden Abstand zur Abstiegszone wieder ein wenig zu vergrößern. Doch die Vorbereitung auf diese Partie ist denkbar kompliziert. Unter der Woche steht das sportlich bedeutungslose Spiel beim FC Barcelona an, der Besuch im Nou Camp, auf den sich sie viele Fans und auch Spieler eigentlich gefreut hatten, als die Champions League-Gruppen im Spätsommer ausgelost wurden. Jetzt müssen sie dort hinfahren, dürfen nicht zu viele Kräfte lassen, sollten aber zugleich aufpassen, dass sie nicht total unter die Räder kommen.

Als warnendes Beispiel können hier die Leverkusener dienen, die vor gut vier Jahren mal in einer ähnlichen Situation nach Barcelona reisten. Der Werksklug erlebte ein entsetzliches 1:7-Desaster, das trotz seiner sportlichen Bedeutungslosigkeit schwer auf die Stimmung schlug und entscheidend zu einer vorzeitigen Trainerentlassung beitrug. „Es ist für alle fantastisch, dass wir ins Nou Camp dürfen und dort ein Pflichtspiel absolvieren, momentan hat diese Partie aber für mich nicht wirklich eine Wichtigkeit“, sagte Eberl.

Es wird interessant sein, ob die Mannschaft unter dieser Voraussetzung auswärts mal wieder etwas befreiter auftritt, oder ob sie mit einem weiteren Rucksack aus Spanien in den tristen Bundesligadezember zurückkehrt.

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