Mönchengladbach - Elfmeter-Krimi: Borussia verpasst Finale

Elfmeter-Krimi: Borussia verpasst Finale

Von: Bernd Schneiders
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Mönchengladbach. Am Dienstagabend hatte Borussia Mönchengladbach prominente „Fans“ – vor dem Fernseher. Die Mannschaften von Borussia Dortmund und Bayern München schauten sich natürlich die Liveübertragung am Vorabend ihres eigenen Pokal-Halbfinal-Duells an. Räumlich getrennt, aber vereint in ihrer Sympathie. Kollektiv drückten sie den Gladbachern die Daumen.

Allerdings aus purem Eigennutz: Die Hecking-Elf war mit ihrer spielerischen Ausrichtung ein Wunschgegner fürs Endspiel in Berlin, Eintracht Frankfurt – Kontrahent im ersten Halbfinalspiel der Gladbacher – schreckte mit ihrer Körperlichkeit eher ab. Nett und fair oder unangenehm bis eklig: Das schwarz-gelb-rote Daumendrücken nützte nichts, es wurde ein langer Fernsehabend und Gladbach scheiterte im Elfmeterschießen mit 6:7. Einer der Top-Klubs muss sich Ende Mai mit den Frankfurtern rumplagen.

Gegenseitige Wunschgegner waren Mönchengladbach und Frankfurt vor der Auslosung fürs Halbfinale, um den beiden fast Übermannschaften ais dem Weg zu gehen. Aber natürlich wünschte sich jede Seite ein Heimspiel. Dieses Glücksduell gewann die Borussia, doch da gab es noch nicht die Verstimmungen im Publikum, die sich in der Bundesliga-Partie gegen Dortmund Bahn brachen in Form von Pfiffen, speziell gegen den zukünftigen BVB-Profi Mo Dahoud. Fast beschwörend wirkten deshalb die Worte von Dieter Hecking am vergangenen Montag, der versuchte, diesen Heimvorteil zu reaktivieren.

Unter dem Mangel an Beistand waren Dahoud & Co. in der ersten Halbzeit gegen Dortmund sichtbar in die Knie gegangen. Nervenfestere Profis als etwa den Deutsch-Syrer zu bringen, ist für Hecking derzeit so realistisch wie den Eintracht-Fans die Verwendung von Bengalos abzugewöhnen. Die Mannschaft stellt sich von selbst auf. Kein Platz im Team fand das Selbstbewusstsein. Fehlerhaft wie in der ersten Halbzeit gegen Dortmund startete der Gastgeber.

Die lautstarke Unterstützung von den Rängen war da, die Unsicherheit war hausgemacht. Und so eklatant, dass sie einen so von Natur aus eher stoischen Mann wie Yann Sommer aus dem (Aluminium-)Häuschen brachte. Schimpfend wie ein Rohrspatz rannte Gladbachs Keeper auf seine Vorderleute zu, nachdem sie gleich in den ersten drei Minuten Frankfurt drei hochkarätige Chancen kredenzt hatten. Die erste Möglichkeit des Ex-Borussen Branimir Hrgota parierte der Schweizer, den Nachschuss vergab Fabián, schließlich rutschte Hrgota noch an einer Reingabe vorbei.

Was war los mit dieser Borussia? Wo hatte sie das Selbstbewusstsein verloren, das selbst bei der 3:5-Niederlage bei Hoffenheim zu spüren war? Stockfehler reihte sich an Stockfehler, der kernige Schuss des Frankfurters Talb Tawatha zum 1:0, nachdem eine Flanke von Timothy Chandler durchgerutscht war, war nur ein schwacher Ausdruck einträchtiger Überlegenheit. Gladbach spielte wie ein Abstiegskandidat, nicht wie eine Mannschaft, die auf dem Sprung ins Pokal-Finale ist und sich in der Bundesliga immer noch für die Europa League qualifizieren kann.

Den Willen konnte man Stindl & Co. aber nicht absprechen. Und mehr mit Gewalt gelang die erste seriöse Chance und mehr: Jonas Hofmanns Lupfer nach einem weiten Sommer-Abschlag landete noch knapp neben dem Pfosten (42.). Eine Flanke von Ibrahima Traoré in der Nachspielzeit, die Hahn per Kopf verlängerte, brachte der ehemalige Dortmunder zum 1:1 im Netz unter.

Das Tor war wie ein Stärkungsmittel. Nach der Pause spielte sich Borussia nicht, aber arbeitete sich aus der der Opferrolle heraus. Immer funktionierte nicht alles, aber es kam Wucht ins Spiel der zuvor so Zögerlichen. Sie mutierten zu Dominatoren, allein Torchancen blieben Mangelware, ein Schuss von Stindl (74.), den Lukas Hradecky parierte, reichte nicht, um die Verlängerung zu vermeiden, ebenso wenig wie die Chance von Fabián, die Sommer zunichte machte (90.).

Die Verlängerung blieb hektisch, zerklüftet von zahlreichen Unterbrechungen, auf die die Frankfurter spezialisiert sind, um den Gegner aus dem Rhythmus zu bringen. Die Gladbacher blieben die stärkere Mannschaft, arbeiteten sich an den Entscheidungstreffer heran.

Doch der fiel erst im Elfmeterschießen – zu ungunsten von Borussia. Nach zwei Fehlschüssen von Andreas Christensen und Djibril Sow unterlag die Hecking-Elf mit 6:7.

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