Eine Tragikomödie mit ter Stegen in der Hauptrolle

Von: Christian Otto
Letzte Aktualisierung:
7260317.jpg
Schadenfreude: Domi Kumbela (links) und Karim Bellarabi bejubeln das Eigentor von Gladbachs Torwart Marc-André ter Stegen. Foto: dpa

Braunschweig. Es muss an der Häme im Stadion und am andauernden Misserfolg gelegen haben, dass kurz nach dem Spielende dann recht harte Worte fielen. Filip Daems, der Kapitän von Borussia Mönchengladbach, und sein Teamkollege Marc-André ter Stegen gifteten sich an.

Dass sich die Streithähne keine Mühe gaben, ihre Meinungsverschiedenheit einer breiten Öffentlichkeit vorzuenthalten, ist bezeichnend für den Zustand einer Mannschaft, die in der Rückrunde der Fußball-Bundesliga immer noch ohne Sieg ist. „Die Seele ist nicht die stabilste“, sagte Gladbachs Sportdirektor Max Eberl über ein Team, das zwar gut kombiniert, sich von Gegentoren aber regelmäßig irritieren lässt. Und weil der Treffer zum 1:1-Endstand bei Eintracht Braunschweig von besonderer Kuriosität war, verlor der eine oder andere seine letzte Gelassenheit.

Der Blick zurück auf einen Patzer, der mit größter Wahrscheinlichkeit in den lustig angehauchten Rückblicken auf die Saison 2013/14 landen wird, dürfte ter Stegen noch eine ganze Weile beschäftigen. „Das war super, das war elegant“, sang der Anhang von Liga-Schlusslicht Braunschweig und fand in der Schadenfreude über das Torhüter-Missgeschick jede Menge Trost. Rückpass von Daems über die linke Abwehrseite, Probleme bei der Ballverarbeitung, Eigentor ter Stegen: Der Treffer aus der 52. Minute, der für Aufsteiger Braunschweig das 0:1 (24.) nach einem von Raffael direkt verwandelten Eckball egalisierte, war eine Kopie eines bereits bundesweit belächelten Ausrutschers.

Als Keeper in der deutschen Nationalmannschaft war ter Stegen im vergangenen Sommer ein ähnliches Missgeschick in den USA passiert. Auch damals hatte er es versäumt, den Körper zur Sicherheit hinter den Ball zu bringen. Wieder musste er dem Spielgerät machtlos hinterherrennen und hatte sich selbst ausgetrickst. Was Sportdirektor Eberl zum Schutz von ter Stegen mit harmonischen Worten bedachte und als „skurril“ einstufte, wird als Slapstick-Einlage in Erinnerung bleiben. „Klar, ich mache mir auch Vorwürfe und kann mich bei der Mannschaft nur entschuldigen“, sagte ter Stegen. Der 21-Jährige sprach von einem bitteren Fehler, der nicht passieren dürfe, ihm aber dennoch unterlaufen sei.

Es gab erstaunlich viele Ansätze, mit denen ter Stegens Aussetzer erklärt werden sollte. Mal war die Rede davon, dass der holprige Rasen für solche Patzer prädestiniert sei. Die allgemeine Verunsicherung einer Gladbacher Mannschaft taugte ebenfalls als Erklärungsversuch. In der Schlussphase war der Sieg angesichts eines Pfostentreffes von Max Kruse und eines wegen Abseits irrtümlich nicht anerkannten Treffers von Peniel Mlapa zum Greifen nah. Auch diese ärgerlichen Momente dürften eine Rolle gespielt haben, als ter Stegen und Daems es nicht schafften, sich gegenseitig Mut zuzusprechen.

„Wir müssen eine Mannschaft bleiben. Es war ein kurioses Gegentor. Aber wir waren alle zusammen schuld“, befand Gladbachs Trainer Lucien Favre. Er macht sich wenig Sorgen darum, dass ter Stegen an der Last seines Patzers verzweifeln könnte. „Ich kann Marc nur gratulieren. Er hat danach klasse gespielt“, sagte Favre, der sich vielmehr um das Große und Ganze bei der Borussia sorgt.

Fehler wie der von ter Stegen sind auch die Folge einer gewollten Taktik, zu der hohes Risiko im Spielaufbau und ein mitspielender Torhüter gehören. Die Braunschweiger wollten genau das ausnutzen und hatten zu Beginn der zweiten Halbzeit darauf spekuliert, ihren Gast durch aggressives Stören im eigenen Strafraum zu Fehlern zu zwingen. „Wir hatten uns das vorgenommen.

Aber dass es dann wirklich so kam: Ich habe wirklich nur gestaunt und ungläubig dagestanden“, sagte Eintracht-Trainer Torsten Lieberknecht. Er darf im Abstiegskampf dank einer Tragikomödie mit ter Stegen in der Hauptrolle wieder neue Hoffnung schöpfen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert