Mönchengladbach - Ein Sieg, bei dem Borussia nichts leicht fällt

Ein Sieg, bei dem Borussia nichts leicht fällt

Von: Bernd Schneiders
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Gleich steht‘s 2:1 für die Borussia: Mönchengladbachs Torjäger Raffael lässt HSV-Torhüter René Adler ins Leere springen.

Mönchengladbach. Man könnte all das auflisten, was an diesem Sonntagnachmittag im Borussia-Park schiefgelaufen ist für Mönchengladbach: in der Abwehr, im Mittelfeld und im Sturm. Und müsste am Ende augenreibend anfügen: dennoch 3:1 gewonnen gegen den Hamburger SV.

Mit einer alles anderen als optimalen Leistung bleibt die Elf vom Niederrhein als Tabellensechster der Fußball-Bundesliga im Rennen um die internationalen Plätze. Verständlich, dass sich deshalb Max Eberl keineswegs für diesen Sieg entschuldigen wollte. „Ob jetzt verdient oder nicht: Das Spiel ist das beste Beispiel dafür, wie die Bundesliga funktioniert.“ Enge Spiele, meint Gladbachs Sportdirektor. Und dann entscheiden auch schon mal Dinge, die nicht unbedingt auf dem Trainingsplatz einzustudieren sind. „Wir haben ein Spiel mit viel Charakter und Moral gezogen.“

Diese Tugenden, die Eberl lobte, gehen schon mal schnell unter im Kombinationsfußball der Favre-Elf. Gegen den HSV aber verkörperte sie Max Kruse vorbildlich. Keinem war das Wollen so anzusehen wie dem Stürmer, der noch um sein WM-Ticket kämpft. Kruse hätte wohl auch ein einsames Pressing versucht. Allein, dieses Mittel, eine bekannt schwächelnde Abwehr zu Fehlern zu zwingen, kam wohl weder in der Marschorder von Trainer Favre noch in der Einstellung seiner Kollegen vor. „Wir haben mit Geduld gespielt“, sagte Favre. Das sollte Hand in Hand mit defensiver Stabilität gehen. Doch der Hinweis von Mirko Slomka verdeutlicht, dass dies nicht so war. „Wir hatten 17 Torschüsse“, legte der HSV-Trainer Zeugnis von den „guten Dingen ab, die wir gezeigt haben“. Doch die Effizienz von Gladbach habe gefehlt.

Gladbachs „Geduld“ verdiente aber über weite Strecken das Etikett Zögerlichkeit. Die Entscheidung Favres, erneut für den spielstarken Granit Xhaka auf Havard Nordtveit zu setzen, setzte zwangsläufig einen defensiven Akzent. Der Norweger ließ sich als zweiter Sechser neben Christoph Kramer bei eigenem Ballbesitz zurückfallen und wurde zum Mitglied einer Dreierkette, während die Außenverteidiger Filip Daems und Tony Jantschke (statt Julian Korb) aus dem Defensivverband rausrückten. Doch heraus kam zu häufig ein eklatanter Mangel an Anspielstationen vorne. Es war ein Heimspiel, doch die Borussen-Stürmer befanden sich oft in hoffnungsloser Unterzahl.

„Wir waren am Anfang nicht gut und hatten Angst zu spielen“, erklärte Favre. Und da Sprinter Patrick Herrmann es nicht schaffte, dem in Sachen Tempo hoffnungslos unterlegenen Heiko Westermann einmal die Hacken zu zeigen, stattdessen aber einen unnötigen Freistoß fabrizierte, wurde die „Über-Geduld“ der Gladbacher bestraft. Jacques Zoua köpfte den von Hakan Calhanoglu getretenen Ball an Keeper Marc-André ter Stegen vorbei zum 1:0 der Gäste ins Netz (28.). Martin Stranzl, der nach der Pause ausgewechselt wurde (Fußgelenk), hatte gegen den Kameruner – na klar – zu zögerlich reagiert.

Nichts ging leicht in diesem Spiel für die Gastgeber. Nicht einmal der Strafstoß zum 1:1 (37.). Alvaro Dominguez hatte Michael Mancienne an die hochgereckte Hand geköpft. „Mister 100 Prozent“ Filip Daems aber scheiterte nach zwölf in Folge verwandelten Elfmetern beim 13. Versuch an Keeper René Adler, verwandelte aber immerhin im Nachschuss. Eine Steigerung nach der Pause brachte durch ein wunderschönes Tor von Raffael (Vorarbeit von Kruse/75.) und einen Kopfball (Ecke von Kruse!) von Dominguez (78.) noch den Sieg und das Favresche Urteil : „nicht unverdient“.

Souverän aber war das 3:1 zu keiner Sekunde. „Je weniger die Spiele werden, desto mehr zählen drei Punkte“, blickt Eberl auf die noch ausstehenden sechs Partien. Der Manager wird sich nicht dagegen wehren, wenn seine Borussen sich nicht schön, sondern nur „effizient“ für den Europapokal qualifizieren.

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