Mönchengladbach - Ein Punkt, sehr wenig Fußball und viel Palaver

Ein Punkt, sehr wenig Fußball und viel Palaver

Von: Christoph Classen
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Raus mit Applaus: Daran hatten die Ingolstädter 86 Minuten lang gearbeitet: Mönchengladbachs Kapitän Granit Xhaka (rechts) sieht die Gelb-Rote Karte von Schiedsrichter Marco Fritz. Foto: sport/Horstmüller

Mönchengladbach. Nach dem Spiel sprachen fast alle über Granit Xhaka, die Gladbacher, die Ingolstädter, die Spieler, die Trainer, die Journalisten sowieso. Zu den wenigen, die nicht über Xhaka sprachen gehörte Xhaka, Gladbachs Kapitän. Der sagte nach dem 0:0 gegen Ingolstadt gar nichts, zumindest nicht öffentlich, Xhaka war ja vom Platz geflogen, Gelb-Rot (86.).

Das war es dann auch, worüber gesprochen wurde. Es ging nicht um Xhakas Ballkontakte, von denen er 84 hatte, und damit mehr als jeder andere Spieler, obwohl den meisten von ihnen die volle Spielzeit zur Verfügung stand. Und es ging auch gar nicht mal so sehr darum, dass Xhaka vom Platz geflogen war, ihm passiert das so regelmäßig, dass es mittlerweile ein bisschen zum Gladbacher Spiel gehört.

Es war die Art und Weise, wie diese gelb-rote Karte gegen Xhaka zu Stande gekommen war, über die die meisten sprachen, und Yann Sommer, Gladbachs Torwart, formulierte es so: „Ich denke, heute hat er sich gewehrt. Er hat vorher nur auf die Socken bekommen. Er hat sich dann einfach gewehrt.“

So gesehen war Xhaka zum Opfer der Ingolstädter Art des Fußballspiels geworden, er war nicht das einzige, aber er war das prominenteste. Wobei sie in Gladbach nach dem Spiel nicht mal sicher waren, ob der Gegner überhaupt in der gleichen Sportart unterwegs gewesen ist. „Die haben nur Theater gemacht, für mich ist das kein Fußball“, sagte Gladbachs Flügelspieler Ibrahima Traoré.

Was Ralph Hasenhüttl, Ingolstadts Trainer, dementierte. Er sagte: „Ich habe in der ersten Halbzeit nur eine Mannschaft spielen sehen.“ Damit meinte er seine eigene und Hasenhüttl konnte sich an kein Team erinnern, dass zuletzt in Gladbach so frech aufgetreten sei, dass den Gegner so früh angelaufen habe. Für diese These spricht, dass Ingolstadt etwas gelungen ist, was sechs anderen Mannschaften in den vorangegangenen Bundesligabegegnungen mit Gladbach nicht gelungen war: zu punkten.

Und auch, wenn die Deutungen dieses 0:0 nach Abpfiff auseinandergingen, verwies Max Eberl auf einen Aspekt, auf den sich wohl alle einigen können, die Gladbacher, die Ingolstädter, die Spieler, die Trainer. Eberl, Gladbachs Sportdirektor, sagte: „Das war kein schönes Fußballspiel.“

In der ersten Halbzeit wirkte Gladbachs Spiel unkonzentriert, die Pässe waren entweder zu kurz oder zu lang, oft wurden sie auch direkt zu den Ingolstädtern gespielt. Denen allerdings gelang es nicht, aus solchen Geschenken mehr zu machen. Mit Ingolstadts Pressing kam Gladbach nicht zurecht, was Trainer André Schubert später auch erklärte, indem er auf die vergangenen Wochen und die Dreifach-Belastung in Liga, Pokal und Champions League verwies.

Gladbach wirkte schlichtweg müde, wobei das nicht für Torwart Sommer galt, der hellwach war, egal ob die Gefahr von seiner eigenen Mannschaft ausging, wie beim verunglückten Rückpass von Alvaro Dominguez (9.) oder von den Ingolstädtern, wie etwa beim Schuss von Moritz Hartmann (10.). In die andere Richtung war einzig Traoré stets bemüht, die Mitspieler in Szene zu setzen, was daran scheiterte, dass sie nicht so recht mitspielten. Es wirkte, als überfordere Traoré die eigene Mannschaft mit seiner Geschwindigkeit.

In der zweiten Halbzeit lief es für Gladbach besser, während Ingolstadt sich nun weitgehend auf Streitgespräche und Scharmützel konzentrierte. Was bei Xhaka auch zum angestrebten Resultat führte. Dass der in der 79. für Traoré gekommene Thorgan Hazard in der 90. mit einer Direktabnahme aus sieben Metern den Siegtreffer auf dem Fuß hatte, konnte Ingolstadt aber auch so nicht verhindern. Das erledigte dann aber Torwart Ramazan Özcan mit einem großartigen Reflex.

Auch der konnte Dominguez aber nicht davon überzeugen, dass die Ingolstädter in diesem Spiel als Fußballer aufgetreten waren. „Die wollten nur Palaver machen“, sagte er. Und Trainer Schubert wurde gefragt, ob er sich Xhaka wegen seines erneuten Platzverweises nun mal zur Brust nehmen wolle. Schubert sagte: „Das dürfte schwer werden. Er ist ein kräftiges Kerlchen.“ Eines jedenfalls, das sich zu wehren weiß.

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