Ein guter Tag für Schulz und die Borussia

Von: Tobias Schächter
Letzte Aktualisierung:
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Im Mittelpunkt – nicht nur beim Jubeln: Gladbachs Nico Schulz.

Mainz. Nico Schulz ist Triumphgeheul offenbar völlig fremd. Da spielte der Linksverteidiger seit seinem Wechsel aus Berlin im Sommer 2015 zum ersten Mal von Beginn an in der Liga für Borussia Mönchengladbach und war gleich Vorbereiter und Torschütze beim 2:1-Auswärtssieg in Mainz. Aber Schulz kam kein Wort der Genugtuung über die Lippen.

Er sagte nur: „Ich freue mich einfach, dass ich dem Team helfen konnte.“ Das klang zwar wie auswendig gelernt aus dem Phrasensatz für Fußballprofis, aber Schulz nahm man es ab, seine Worte genau so zu meinen, wie er sie sagte.

Schon die überragende Vorlage zum Führungstor von Lars Stindl (31.) hatte er mit Ironie kommentiert („Mein Schuss ist abgerutscht“). Und wie beliebt der 24-Jährige im Team ist, zeigte sich nach seinem entscheidenden 2:0 kurz nach dem Pausenpfiff. Alle Spieler wollten den Jubel mit dem schnellen Linksfuß teilen, auch die Ersatzspieler stellten sich an der Bank zum Spalier auf. Dieser letzte Samstag im April war ein guter Tag für Nico Schulz – und für Borussia Mönchengladbach.

Gutes Saisonende winkt

Durch den Erfolg bei den überraschend kläglichen Mainzern scheint die Europa-League-Teilnahme wieder möglich. Trainer Dieter Hecking resümierte: „Der Sieg gibt uns die Perspektive, die Saison am Ende doch noch zu einem guten Ende zu bringen.“ Das Restprogramm gegen die Abstiegskandidaten Augsburg, Wolfsburg (auswärts) und Darmstadt gibt realistischen Anlass zu Optimismus. Zumal die Mannschaft mit dem Sieg in Mainz die Halbfinal-Pleite im Elfmeterschießen im DFB-Pokal gegen Eintracht Frankfurt am vergangenen Dienstag offenbar gut verarbeitet hat.

Die verpasste Endspiel-Teilnahme, das große Lazarett und der Aufwind des Gegners (Mainz hatte zuletzt vier Punkte geholt und Meister Bayern München einen Punkt abgetrotzt) hatten Schlimmes befürchten lassen für den Auftritt in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt. Aber die ersatzgeschwächten Gladbacher diktierten die Partie klar und kamen erst in der Schlussphase, als die Kräfte schwanden, ein wenig unter Druck. Doch mehr als den Anschlusstreffer von Yoshinori Muto (89.) ließ die Abwehr um den starken Jannik Vestergaard nicht zu.

Besser hätte es für die Borussia also nicht laufen können: Der Sieg gibt Selbstvertrauen für den Saisonendspurt, und in Nico Schulz hat sich ein fast schon vergessener Spieler wieder ins Rampenlicht gespielt. Schulz war fast die gesamte letzte Runde mit einem Kreuzbandriss verletzt ausgefallen, und in dieser Saison kam er am gesetzten Oskar Wendt auf der Linksverteidigerposition nicht vorbei.

Natürlich habe er zwischendurch Zweifel an seiner Lage in Gladbach gehabt, so Schulz: „In der Hinrunde habe ich nach meiner Verletzung schon damit gerechnet, dass ich noch nicht viel spielen werde. Ich wollte in der Rückrunde angreifen, aber ich war dann in den ersten beiden Spielen krank, das war natürlich ein blöder Zeitpunkt. Es ist nun mal so im Fußball: Mal hast du gute und mal schlechte Zeiten.“

Schulz könnte nun mit fast zweijähriger Verspätung doch noch sein Glück finden am Niederrhein, Konkurrent Oscar Wendt fällt bis zum Saisonende verletzt aus. Trainer Hecking jedenfalls freut sich über eine starke Alternative im Saisonfinale: „Nico hat gezeigt, dass es immer wieder Überraschungen im Kader gibt.“

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