Eberl: „Wenn andere Vereine da oben schwächeln, sind wir da“

Von: Frank Hellmann
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Torschütze und Vorbereiter: Max Kruse und Thorgan Hazard feiern das 3:0. Foto: sport/Schwörer

Hannover. Michael Reschke besitzt immer noch den Vorteil, dass er nicht als prägendes Gesicht des FC Bayern wahrgenommen wird. Was den Technischen Direktor in die Lage versetzt, sich zumeist noch unerkannt durch deutsche Arenen bewegen und sein Netzwerk pflegen zu können. An diesem Wochenende war der langjährige Kaderplaner von Bayer Leverkusen in Norddeutschland unterwegs.

Erst Samstag in Hannover, dann Sonntag in Hamburg. Kann ja nicht schaden, für den neuen Dienstherren den nächsten Bundesligagegner (Borussia Mönchengladbach) und Pokalgegner (HSV) im Paket zu inspizieren. Und gerade die Eindrücke seiner Spionagereise an den Maschsee dürften möglicherweise hilfreich gewesen sein, hat der 57-Jährige sicher vom Gladbacher 3:0-Auswärtssieg die Erkenntnis mitgenommen, dass derlei souveräne und abgeklärte Vorstellungen gemeinhin nur echte Spitzenmannschaften abliefern.

Oder sind die „Fohlen“ das etwa schon, die sich auf leisen Sohlen in die Champions-League-Regionen begeben haben? „Wir spielen stabil, wir punkten zuverlässig“, konstatierte Max Eberl zufrieden, „wenn andere Vereine da oben schwächeln, wollen wir da sein.“ Der Sportdirektor weiß natürlich, dass nun eine breite Öffentlichkeit auf den nächsten Sonntag blickt, an dem sich der FC Bayern im Borussia-Park vorstellt.

Ein Spitzenspiel, so wie früher zwischen den ewigen Rivalen der 70er Jahre. „Wie gemacht“, gibt Eberl zu, sei diese Konstellation. „Für uns gilt es, den Bayern einen großen Kampf zu liefern. Wir werden sicher nicht den Schwanz einziehen“, kündigte der 41-Jährige grinsend an. „Die Münchner werden sich anstrengen müssen.“

Denn Mönchengladbach hat das Verlieren verlernt und ist seit nunmehr 13 Pflichtspielen ungeschlagen. Gleichwohl: Mit der Begrifflichkeit als Bayern-Jäger hat ein Protagonist ein gewaltiges Problem. Lucien Favre gefällt diese Schlagzeile noch weniger als ein falscher Laufweg. „Bis zum 9. November haben wir sechs Spiele zu machen“, rechnete der 56-Jährige vor, und er sei nun wirklich allein auf das Europa-League-Heimspiel gegen Apollon Limassol am Donnerstag konzentriert.

Dann erklärte der Schweizer, gegen wen die Zyprioten in der Qualifikation gewonnen hätten: „4:1 gegen Lokomotive Moskau, das wissen nicht viele.“ Nur dies ließ sich der Fußballlehrer in der Causa Bayern entlocken: „Natürlich sind wir bereit. Das wird eine große Herausforderung für uns alle.“ Ansonsten, bitte Ball flach halten „und nicht übertreiben“ (Favre).

Nicht alle der Effizienzkünstler vom Niederrhein haben sich solche Zurückhaltung auferlegt. „Momentan klappt einfach alles“, sagte Granit Xhaka, „und wenn einer für den anderen läuft und kämpft, kann man auch gegen Bayern punkten.“ Der Schweizer erzielte seinen zweiten Bundesligatreffer mit seinem wuchtigen Distanzfreistoß (49.). Der 22-Jährige durfte schießen, weil Max Kruse ausgemacht hatte, dass das Spielgerät „auf dem Freistoßschaum so gut liegt“. Xhaka sei mittlerweile das „Herzstück“ seiner Mannschaft, sagte Favre über seinen Landsmann.

Dass Weltmeister Christoph Kramer grippekrank fehlte, hatte kaum jemand bemerkt, denn bei der Borussia ist die Brust auch deshalb so breit, weil der Kader in der Tiefe viel Qualität bietet. Kramer-Ersatz Havard Nordtveit musste allerdings zur Halbzeit mit einer Fußverletzung in der Kabine bleiben. Unverzichtbar sind nur die wenigsten: in erster Linie Torgarant Max Kruse, der instinktsicher mit Kopf (49.) und Fuß traf (90.). „Tore zum richtigen Moment“, belobigte Favre, der sich ansonsten „noch mehr Kontrolle“ gewünscht hätte.

Aber da war die Mönchengladbacher Messlatte schon sehr weit oben angelegt. Der Erfolg beruhte erneut auf einem soliden Fundament, weswegen diesmal die stärksten Kräfte in den hinteren Reihen beheimatet waren: der sichere Torwart Yann Sommer, der starke Linksverteidiger Alvaro Dominguez oder Innenverteidiger-Entdeckung Tony Jantschke. Hilfreich dabei, wenn die Kollegen auch noch in der 81. Minute im Vollsprint zurückeilen, um sich einen Ball zu erobern – so wie es der fleißige André Hahn vormachte.

Der Neuzugang kann es kaum erwarten, sich mit dem Branchenprimus zu duellieren: „Wir freuen uns drauf – wenn wir das gewinnen, bleibt die Liga spannend. Wir sind jedenfalls in überragender Form.“ Michael Reschke dürfte es in München bereits berichtet haben.

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