Eberl schmiert das Spielwerk. Bringt Favre es zum Laufen?

Von: Bernd Schneiders
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Der Ärger steht ihm ins Gesicht geschrieben: Max Eberl vergangenen Sonntag in Hoffenheim. Foto: sport/Sportnah

Mönchengladbach. Vielen, den Mönchengladbacher Borussen Zugeneigten, ging es am vergangenen Sonntag wie Max Eberl: Der Sportdirektor ärgerte sich (fast) maßlos über verschenkte Punkte gegen Hoffenheim. „Ich ärgere mich, weil ich Fußballer war“, sagt der Ex-Profi, der am Samstag 40 Jahre alt wird – fast entschuldigend. Und meint: Er weiß zu genau, was nicht nur in Hoffenheim, sondern auch in den Auswärtsspielen zuvor möglich gewesen wäre.

Der ehemalige Rechtsverteidiger hat sich längst Meriten als Planer und Entwickler sowohl in der Nachwuchsarbeit als bei den Profis verdient. Doch zu allen strukturellen und fachlichen Qualitäten kommt beim geborenen Münchner immer ein Schuss Emotion dazu. Ein kalter Analytiker am Reißbrett wird Eberl nie werden. Damit ist das Thema Weckruf bei der Borussia auch gut abgedeckt, ohne dass sich der Manager wie etwa sein Kollege in München, Matthias Sammer, als notorischer Mahner kaprizieren und abnutzen muss.

Echternacher Springprozession

Was Eberl wurmt, ist das nach wie vor bestehende Missverhältnis zwischen spielerischer Qualität und Ergebnissen. Wie in der letzten Saison scheint seine Mannschaft sich wie bei einer verschärften Form der Echternacher Springprozession zu bewegen: ein Schritt vor, ein Schritt zurück. Erneut folgt nach einem Sieg nicht der nächste Dreier. Heuer noch nicht einmal ein Remis.

Doch es gibt einen schwerwiegenden Unterschied. Borussia 2013/2014 ist immer noch ein Entwicklungsprojekt – aber auf einem wesentlich höheren Niveau als in der vergangenen Spielzeit. Hangelte man sich damals noch mit einer arg reaktionären Spielweise durch die Saison, hat Trainer Lucien Favre aktuell mit einem deutlich aufgewerteten Kader aktives Spiel und Dominanz ausgerufen.

Konter- und abwartende Haltung ist Vergangenheit, Kontaktarmut steht auf der Roten Liste: ein beinah ungeheurer Anspruch, dessen Verwirklichung ungemein spannend zu beobachten ist. Hat doch dieser Klub vor zwei Spielzeiten bereits mit anderthalb Beinen in der Zweiten Liga gestanden. Borussia Mönchengladbach versucht etwas, was in der Bundesliga nur eine Mannschaft beherrscht: mit einer dominanten Grundhaltung und einem Übergewicht an Ballkontakten erfolgreich zu sein. Das schafft derzeit nur Bayern München. Nicht einmal die Dortmunder unter ihrem Chefentwickler Jürgen Klopp schaffen das oder besser, versuchen es erst gar nicht. Von Bayer Leverkusen ganz zu schweigen.

Die Favre-Elf aber hat gerade mal fünf Feldversuche hinter sich, dieses Hightech-Projekt umzusetzen. Doch es ist nicht ganz einfach, Rückschläge und auch Strukturprobleme zu erklären, wenn man um die geballte Spielkraft von Raffael, Max Kruse und Juan Arango weiß. Räume zu schaffen und sie sich nicht durch monotones Ballgeschiebe und falsche Laufwege zuzumachen, ist in der Dauer-Kombination ein Prozess, der Zeit braucht. Auch, wenn man schon die letzte Saison als Übergangsphase deklariert hatte. Die Rädchen müssen perfekt ineinandergreifen.

Der Manager kann sie durchaus etwas schmieren mit seiner Emotionalität. Ingenieur Favre aber muss das Spielwerk insgesamt zum Laufen bringen. Und dazu gehört irgendwann auch, ein Rädchen auszutauschen, wenn es zu oft blockiert anstatt anzutreiben. Juan Arango, Patrick Herrmann aber zuletzt auch Schnellentwickler Christoph Kramer müssen sich enthemmen – heute gegen Eintracht Braunschweig (20.30) gibt es dafür eine erneute, womöglich letzte Chance. Favres Ersatzteillager ist dank Max Eberl bestens gefüllt.

Mögliche Aufstellung: ter Stegen - Jantschke, Stranzl, Dominguez, Daems (Wendt) - Kramer, Xhaka - Herrmann, Arango - Kruse, Raffael

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