Eberl reagiert gelassen auf Kruse-Gedanken

Von: Bernd Schneiders
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Sekt statt Selters? Max Kruse könnte in Wolfsburg wesentlich mehr verdienen. Foto: sport/Horstmüller

Mönchengladbach. Entwicklungsprozesse lassen sich im Bundesliga-Fußball am Tabellenplatz, an der Art zu spielen, an der Infrastruktur und auch am finanziellen Vermögen eines Klubs ablesen. Max Kruse fügt – ungewollt – noch einen weiteren Ansatz hinzu.

Borussia Mönchengladbachs „falscher 9er“ besitzt eine Ausstiegsklausel in seinem bis 2017 laufenden Vertrag, die für die kommende Saison greifen kann. Nachdem zuletzt immer mehr angebliche Interessenten aufgelistet wurden, soll nach Medienberichten nun sogar bereits eine Einigung mit dem VfL Wolfsburg erzielt worden sein.

Es gab Zeiten, da hätten die Gladbacher aufgejault wie vor drei Jahren, als Trainer Lucien Favre seine verbleibende Mannschaft nach den Abgängen von Marco Reus, Dante und Roman Neustädter als haltlosen Fußball-Körper beklagte: „Wir verlieren unser Rückgrat.“

Derlei Verstümmelungen sind mittlerweile ausgeschlossen. Die Borussia anno 2015 ist eine andere als die von 2013. Das merkt man auch an der Reaktion von Max Eberl. „Wenn dem so ist, dann bekommen wir einen erheblichen Mehrwert und werden ihn in eine gesunde Mannschaft für noch mehr Qualität einbringen.“

Die Rechnung des Gladbacher Sportdirektors ist leicht nachzuvollziehen: Kruse konnte vor zwei Jahren dank einer Ausstiegsklausel über 2,5 Millionen Euro vom SC Freiburg geholt werden. Ein Verkauf an Wolfsburg würde mindestens 12 Millionen Euro in Borussias Taschen spülen: knapp das Fünffache der Investition plus dem fußballerischen Gewinn während seiner zweijährigen Schaffenszeit, der sich nur schwer in Geld ausdrücken lässt, aber ebenfalls einen Mehrwert bedeutete.

Noch aber ist es nicht soweit. Eberl verkündet das große „Nichts: kein Angebot, keine Anfrage“. Doch das könnte bald kommen, etwa nach dem anstehenden Spieltag und den Resultaten, die Mönchengladbach bei Hertha BSC und Wolfsburg gegen Hannover erzielen werden. Der Hinweis von Kruse, er wolle sich erst einmal auf die noch anstehenden vier Spiele und den Kampf um Platz 3 konzentrieren, ist nur pseudo-professionell: Der passionierte Pokerspieler reizt seine komfortable Position aus. Der Verlierer wird auf keinen Fall Borussia sein. „Falsche 9er“ besitzt Gladbach genug, auch Neuzugang Lars Stindl kann diese Position spielen. Max Eberl sucht eh nach einem echten Mittelstürmer, ein Gewinn von 10 Millionen Euro kann den Findungsprozess durchaus erleichtern.

Auch Platz 3 und damit die direkte Qualifikation für die Champions League. Ein Sieg in Berlin wäre die ideale Vorbereitung auf das Duell mit dem Konkurrenten aus Leverkusen eine Woche später im Borussia-Park. Nicht einfach gegen ein Team, das unter dem ehemaligen Favre-Schüler Pál Dárdai an defensiver Stabilität gewonnen hat. Diesen Heilungsprozess für einen siechenden Patienten hatte auch der Schweizer vor vier Jahren gewählt, als er die Borussia vor dem Abstieg rettete. Schüler gegen Lehrer: In Hertha steckt mehr denn je auch ein Stück Favre.

Voraussichtliche Aufstellung: Sommer - Jantschke, Brouwers, Domínguez, Wendt - Kramer, Xhaka - Herrmann, Hazard - Raffael, Kruse

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